120 Geschichte der evangelischen Gemeinde Düsseldorfs.
17. Februar 1677 durch eigenhändige Unterschrift eineswider ihn gerichteten Anklage-Protocolls seine Fehler „auf-richtig und ohne Mentalreservation" anerkannte, was demjugendlich eifrigen Mann ohne Zweifel zur Ehre gereicht,so ist es doch begreiflich, dass er sich aus seiner Stellungheraussehnte, zumal, nachdem das Consistorium ihn wederzum Nachfolger des im Jahre 1677 nach Danzig berufenenPredigers Lürsen, noch zum Hülfsprediger seines Nach-folgers Johann Melchior, des nachmals so berühmtgewordenen Professors zu Herborn, berief. Aus jener Zeitschweren inneren und äusseren Kampfes mögen aber wohldie innigsten und schönsten seiner Lieder stammen, nament-lich auch jene, in welchen sich die Schilderungen des nachihm genannten „Neanderthals" (des „Gesteins" bei Mett-mann) befinden.
Wir können den Lebensgang des frommen, liebens-würdigen Dichters an dieser Stelle nicht weiter verfolgen 1 ),und bemerken nur noch, dass er im Jahre 1679 zum drittenPrediger an der St. Martini-Kirche seiner Vaterstadt Bremenberufen, diesem Rufe freudig Folge leistete, vom DüsseldorferConsistorium mit einem höchst ehrenvollen Abgangs-Zeugnissbedacht wurde, im Jahre 1680 die erste Ausgabe seinerLieder unter dem Titel: A. u. O. Joachimi Neandri Glaub'-und Liebesübung etc. erscheinen Hess, aber schon am 31. Mai1680 von der Pest dahingerafft wurde. Unter seinen Liedernzeichnen sich namentlich das „wahrhaft königliche Lied":„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren", ferner:„Wunderbarer König" mit seiner auch so „wunderbaren,gewaltigen" Melodie, — „Ich will ganz und gar nichtzweifeln", — „Meine Hoffnung stehet veste" u. a. aus.Zu 19 derselben verfasste Neander selbst die vortrefflichenMelodieen und wurde deshalb von Bunsen mit Recht alsder „Psalmist des Neuen Bundes" bezeichnet. Die Düssel-dorfer Gemeinde ehrte bei der im Jahre 1880 stattgefundenen200jährigen Gedächtnissfeier das Andenken des Dichtersdurch eine in der ehemals reformirten Kirche angebrachteMarmortafel, welche das Bild desselben nach dem in Mett-mann aufgefundenen vortrefflichen Oelbilde wiedergiebtund mit den Wahlsprüchen Neander's: „Unbeweglich indem HErrn", „Ich will mich lieber zu Tode hoffen, alsdurch Unglauben verloren gehen" geschmückt ist.
*) Unter den Biographien des Dichters zeichnet sich namentlichdie von Prediger Ikon in Bremen 1880 herausgegebene durch Gründ-lichkeit und Vollständigkeit aus.