i 2 BEZIEHUNGEN DES BESITZERS ZUM GARTEN
besser, der Hausfrau sein und nicht des Gärtners. Dann könntenicht vorkommen, was man so oft erfahren kann, daß man ent-setzt vor der einem liebgewordenen Gartenszene zurückprallt,weil sie in ihren Feinheiten über Nacht gänzlich zerstört ist,weil das malerisch über den Zaun oder die Laube hängendeRankenwerk fein säuberlich abgeschnitten, die neugierig überden Weg guckenden Zweige des Gesträuches glatt abgestutztsind. Erkundigt man sich nach dem Grund dieses Vandalismus,so erhält man die halb stolz, halb wehmütig gegebene Ant-wort: »Der Gärtner ist gestern dagewesen!« Aber nicht demGartenarbeiter, welcher, als er das Land umgrub oder denRasen mähte, auch die ihm Unordnung dünkenden Vorwitzig-keiten der Pflanzen beseitigte, gebührt der Tadel, sondern denBesitzern des Gartens, die so wenig Verständnis und Liebe fürihren Garten haben, daß sie dessen Verunzierung zuließen. Siesind zu vergleichen mit den Leuten, welchen der Dekorateurihre Wohnung bis ins kleinste einrichtet, so daß sie sich nurhineinzusetzen brauchen. Sie könnten ebensogut im Hotel wohnen.Wer aber seine Wohnung nach eigenem Geschmack, nach eigenerNeigung, eigener Gemütsart ordnet, der sollte die gleiche Sorg-falt auch bei der Einzelausschmückung des Gartens aufwendenund mit eigener Hand zutun und wegnehmen, wenn die ihrselbständiges Leben betätigenden Pflanzen die feine Abtönungeiner Szene beeinträchtigen.
Der Besitzer sollte dem Garten die Eigenart verleihen undnicht der Gartenkünstler. Dazu gehört freilich, daß jener seinAuge für das Schöne im Garten so geschärft hat, daß er er-kennt, worin die Reize einer ihm gefallenden Gartenszene liegen.Einem solchen Bauherrn wird der Gartenkünstler aus demSchatze der bei ihm aufgespeicherten Ideen Vorschläge machen,