7563 f > ULB Düsseldorf •' V FRITZ ENCKE DER HAUSGARTEN MIT 115 ILLUSTRATIONEN m mm <-*■« *+.'•* m* +mmpmmm*. Stadt. Bcrjr,u ;■:' 3 fcr Knaben Allg. Gö'.vorbo--. ^uIb Lehjerbiichcrei -ff6 \ VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS IN JENA 1907 fcfo: J$6h z ( LANDES \ juND STADT-1 kjoSSELDOFf ]>°\^ INHALTSVERZEICHNIS Seite Vorwort................. 6 Allgemeines................ 7 Die Bepflanzung.............. 34 Wege.................. 60 Gartenbaulichkeiten............ 69 Der Pfarrgarten.............. 92 Das Hausgärtchen meines Freundes P. in E. . 101 Das Gärtchen des Herrn J. in C....... 112 Ein Gartenentwurf............. 118 Garten des Herrn Baurat S. in N...... 128 Vorgärten ................ 153 Gartenhöfe................ 169 VORWORT Es ist eine erfreuliche Eigentümlichkeit der Gegenwart, das Leben, wo irgend angängig, mit Schönheit zu durchdringen. Besonders bei dem Wohnhausbau und dessen Inneneinrichtung ist dies bemerkbar. Am einfachsten Gebrauchsgegenstand schätzt man neben der Brauchbarkeit die Schönheit. Auch den Garten am Hause beginnt man wieder einfach, praktisch und schön zu gestalten unter Vermeidung gedankenlos übernommener, geschmackloser Modeerscheinungen. Mit großem Genuß habe ich früher selbst versucht, schöne Hausgärten zu schaffen, aber seit wenigen Jahren sind mir andere Aufgaben gestellt, da ich als Gartendirektor der Stadt Cöln solche Gärten zu schaffen und zu pflegen habe, welche der Allgemeinheit dienen sollen. Um aber gleichwohl an der gesunden Bewegung teilzunehmen, die den Garten zu einem dem Hause ebenbürtigen Wohnraum ausgestalten will, habe ich meine Ansichten über den Hausgarten im nachfolgenden niedergelegt. Was den Ausführungen dieses Werkchens gegenüber manchem in letzter Zeit über den Garten verfaßten Schrifttum einen erhöhten Wert verleihen dürfte, ist die streng durchgeführte Absicht, statt abweichender Kritik positive Vorschläge zu bieten und an Beispielen zu zeigen, wie Hausgärten wirklich eingerichtet werden können. Die Besitzer der hier besprochenen, ausgeführten Gärten haben jedenfalls Freude an meinen Schöpfungen und stellten mir mit großer Bereitwilligkeit die den Schilderungen beigegebenen Abbildungen zur Verfügung. Ich möchte ihnen und den anderen Herren, welche mich durch bildliche Darstellungen unterstützten, auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen. CÖLN im September 1906 FRITZ ENCKE ALLGEMEINES e Grenzen des Begriffes Hausgarten sind nicht ohne weiteres festliegend. Wohl kann jedes, auch das kleinste Gartenstück, welches in engem Zusammenhange mit dem Hause steht, so genannt i werden, ganz gleich, ob es vor oder hinter dem Hause liegt oder dieses rings umgibt. Trägt das Haus aber Villencharakter, und ist das Grundstück so groß, daß eine Parkanlage darauf Platz finden kann, so wird man diesen Garten nicht mehr Hausgarten nennen. Ich möchte sagen, in diesem Falle liegen die Baulichkeiten in dem Parkbezirke drin, sie sind Einzelobjekte in dem Park-Ganzen. Das Stück Land wird deshalb von ganz anderen Gesichtspunkten aus gartenmäßig verschönt werden müssen, als wenn es sich um eine Gartenfläche handelt, von der man kaum sagen kann, das Haus liege darin, selbst wenn sich der Garten rings um dasselbe erstreckt, sondern von der man das Empfinden hat, daß sie ein Anhängsel an das Haus und diesem durchaus untergeordnet ist. Diese Ausführungen sind bestimmend für die künstlerische Eigenart des Hausgartens einerseits und des Parkes andererseits. Der in Abhängigkeit vom Hause gedachte Garten wird in seiner Gestaltung diese Abhängigkeit deutlich zum Ausdruck bringen müssen. Seine Beziehungen zu dem Hause werden sich nicht nur in dem zum Hause passenden Reichtum oder in der ihm entsprechenden Einfachheit zeigen, sondern sie werden ganz BEGRIFF »HAUSGARTEN« «■■■ besonders darin bestehen, daß sich der Garten seinem Zweck und seiner Form nach dem Haus anpaßt, daß er erweiterte Wohnungwird und architektonische Einteilung annimmt. Der Park dagegen soll im wesentlichen idealisierte Landschaft sein und als solche der großen, umgebenden Landschaft sich anpassen. — Es ist einleuchtend, daß in den Grenzfällen der Hausgarten parkähnliches Gepräge annehmen kann. Dies ist jedoch vorzüglich dann am Platze, wenn der Garten, wie in schön belegenen Villenkolonien, in die Landschaft ohne massive, undurchsichtige Grenzen übergeht, so daß die zahlreichen aneinandergrenzenden, parkartigen Gärten zusammen den Eindruck einer schönen Landschaft machen, in welche die einzelnen Villen eingebettet erscheinen. Als Beispiel für derartige Verhältnisse führe ich Abb. i ARCHITEKTONISCHE, LANDSCHAFTLICHE GESTALTUNG 9 die enger parzellierten Straßenzüge der Kolonie Grunewald bei Berlin an. Ich muß zugeben und werde es weiter unten zu begründen versuchen, daß man auch eine kleine Gartenanlage mit den Mitteln des Landschaftsparkes, d. h. mit Bäumen und Gesträuch, Graswuchs und Wasser in malerisch natürlicher Anordnung schaffen kann, aber der architektonische Hausgarten, wie er vor der Entstehung der Landschaftsgartenkunst allgemein war, und an den heute noch so mancher alte Pfarrgarten Anklänge hat, bietet doch so viele Vorzüge vor dem Landschaftsgarten in kleinem Maßstabe, daß ersterer die Regel, letzterer die Ausnahme bilden sollte. Der Ausdruck »architektonisch« bedarf hier einer Erklärung. Er kann nicht durch geometrisch oder regelmäßig ersetzt werden, denn jede Reißbrettphantasie würde dann einen architektonischen Garten ergeben. Architektonisch ist der Garten vielmehr durch seinen achsengemäßen Aufbau, durch das richtige Verhältnis der Längen und Höhen unter sich und zueinander, durch das Abwägen der plastischen Massen gegeneinander und durch im voraus berechnete Raumwirkung im ganzen Garten und in den einzelnen Gartenszenen. Als Beispiele mögen der später geschilderte »Gartenentwurf« (S. 118), sowie der Grundplan, Abb. 1. dienen, welcher einen Hausgarten von Professor J. Hoffmann in Wien darstellt. Abb. 2 gibt eine Ansicht daraus wieder. Ein weiteres Beispiel für straffe architektonische Durchführung bot Professor Peter Behrens auf der Großen Kunst- und Gartenbauausstellung in Düsseldorf 1904 in seinem Hausgarten, Abb. 3, dem ich allerdings mehr schattenspendenden Baumwuchs gewünscht hätte. Der architektonische Hausgarten richtet sich nach dem dafür IO ARCHITEKTONISCHE, LANDSCHAFTLICHE GESTALTUNG Abb. 2 bestimmten Räume, sei er auch noch so klein, ohne über die geringe Größe hinwegtäuschen zu wollen. Er hat deshalb vor dem Landschaftsgärt- chen den Vorzug der Wahrheit; denn letzteres darf, soll es von guter Wirkung sein, die geringe Ausdehnung nicht erkennen lassen, sondern muß durch geschickte Kulissenstellung aus Gehölzen größer scheinen als es ist. Der architektonische Garten ist ferner unabhängig von seiner Umgebung, zu welcher er in der Stadt gerne in einen kräftigen Gegensatz tritt. Der Landschaftsgarten dagegen will den Anschein erwecken, als ob die ganze Gegend solch ein Paradies wäre, in welches man das Haus hineingestellt habe. Er verstößt auch hierin gegen die Wahrheit. Endlich ist der architektonische Garten mit seinen Beeten für Blumen und Nutzgewächse dem Urbilde des Gartens, dem Nutzgarten, näher. Man kann sich darin viel ARCHITEKTONISCHE, LANDSCHAFTLICHE GESTALTUNG 11 Abb. 3 mehr betätigen, kann säen, pflanzen und ernten, während der Besitzer eines Landschaftsgärtchens nur im Anschauen seinen Garten genießen kann. Ich habe vorhin den alten Pfarrgarten als ein Beispiel für den architektonisch gegliederten Hausgarten angeführt und wollte damit der Ansicht entgegentreten, daß der »architektonische« Garten eine Einrichtung nach Art der französischen Gärten zur Zeit Ludwigs XIV. sei, in welcher jeder ungezwungene Pflanzen- wuchs vermieden, jede scheinbare Zufälligkeitswirkung ausgeschlossen sei. Im Gegenteil macht gerade der Gegensatz des natürlichen Pflanzenwuchses, wie er im Geäste der Sträucher, in dem Rankenwerk der Schlingpflanzen, in dem Gewoge der Blätter und Blütenstände der Blumen vorhanden ist, zu dem straff architektonischen Aufbau der Wege und Plätze, der Alleen und Hecken, der Laubengänge und Einfriedigungen den besonderen Reiz des Hausgartens aus. Deshalb sollte der natürlichen Pflanzenzusammenstellung auch in einem Garten von architektonischem Aufbau der denkbar breiteste Raum gewährt werden. Die eben aufgezählten Kontrastwirkungen stimmungsvoll abzuwägen, sollte eigentlich Sache des Hausherrn oder, noch i 2 BEZIEHUNGEN DES BESITZERS ZUM GARTEN besser, der Hausfrau sein und nicht des Gärtners. Dann könnte nicht vorkommen, was man so oft erfahren kann, daß man entsetzt vor der einem liebgewordenen Gartenszene zurückprallt, weil sie in ihren Feinheiten über Nacht gänzlich zerstört ist, weil das malerisch über den Zaun oder die Laube hängende Rankenwerk fein säuberlich abgeschnitten, die neugierig über den Weg guckenden Zweige des Gesträuches glatt abgestutzt sind. Erkundigt man sich nach dem Grund dieses Vandalismus, so erhält man die halb stolz, halb wehmütig gegebene Antwort: »Der Gärtner ist gestern dagewesen!« Aber nicht dem Gartenarbeiter, welcher, als er das Land umgrub oder den Rasen mähte, auch die ihm Unordnung dünkenden Vorwitzigkeiten der Pflanzen beseitigte, gebührt der Tadel, sondern den Besitzern des Gartens, die so wenig Verständnis und Liebe für ihren Garten haben, daß sie dessen Verunzierung zuließen. Sie sind zu vergleichen mit den Leuten, welchen der Dekorateur ihre Wohnung bis ins kleinste einrichtet, so daß sie sich nur hineinzusetzen brauchen. Sie könnten ebensogut im Hotel wohnen. Wer aber seine Wohnung nach eigenem Geschmack, nach eigener Neigung, eigener Gemütsart ordnet, der sollte die gleiche Sorgfalt auch bei der Einzelausschmückung des Gartens aufwenden und mit eigener Hand zutun und wegnehmen, wenn die ihr selbständiges Leben betätigenden Pflanzen die feine Abtönung einer Szene beeinträchtigen. Der Besitzer sollte dem Garten die Eigenart verleihen und nicht der Gartenkünstler. Dazu gehört freilich, daß jener sein Auge für das Schöne im Garten so geschärft hat, daß er erkennt, worin die Reize einer ihm gefallenden Gartenszene liegen. Einem solchen Bauherrn wird der Gartenkünstler aus dem Schatze der bei ihm aufgespeicherten Ideen Vorschläge machen, BEZIEHUNGEN DES BESITZERS ZUM GARTEN und die, welche bei dem kunstsinnigen Bauherrn Anklang finden, wird er nach Maßgabe der praktischen Möglichkeiten, die er ja besser als der Bauherr beurteilen kann, in sein Gartenprojekt verweben. Freilich aus dem Grundplane, der gewöhnlich als Projekt gilt, kann der Laie wenig ersehen. Dieses muß vielmehr durch mündliche Schilderung der Einzelheiten, durch Hinweis auf bekannte Beispiele oder durch Schaubilder erläutert werden. Und wenn nun der Bauherr für den Garten, welcher dem Gartenkünstler vorschwebt, nicht zu haben ist, wenn der eine Auftraggeber einen reinen Nutzgarten, der andere eine zwanglose Anordnung von Baum und Strauch vorzieht? Dann soll der Gartenkünstler dem Bauherrn nicht unter allen Umständen seine Meinung aufdrängen, sondern die Wünsche des letzteren seinem Entwurf zugrunde legen. Zieht er auch im allgemeinen eine architektonische Lösung vor, so können zweifelsohne auch ein einfacher Nutzgarten und ein sogenanntes Land- schaftsgärtchen schön sein und den Bedürfnissen eines Hausgartens entsprechen. Unter »Landschaftsgärtchen« verstehe ich allerdings nicht einen im kleinen Maßstab aufgetragenen Park, eine Zwerglandschaft, sondern einen Garten, in welchem man, je nach dem praktischen Bedürfnisse, die Wege bald gerade, bald krumm, die Bäume und Sträucher in ungezwungener Verteilung bald dichter, bald lichter anordnet, je nachdem die einzelnen Teile schattig oder licht sein sollen;, in dem die Ruheplätze ohne geometrische Grenzlinien an die geeignetsten Stellen gelegt werden und der Blumenschmuck, wie am Waldsaume oder am Straßenraine zu sehen ist, in buntem Durcheinander gepflanzt werden. — Auf diese Weise entstehen Gärten von individueller Eigenart, die den Besitzern schon deshalb ans Herz I 4 GESTALTUNG D. GARTENS, BEEINFLUSSENDE MOMENTE wachsen, weil sie darin eigene Gedanken, die ihnen freilich meist undeutlich vorschwebten, sinnlich wahrnehmbaren Ausdruck gewinnen sehen. Ich glaube, hiermit ist auch die Frage gegenstandslos geworden, ob die Hausgärten streng architektonisch oder in zwangloser Anordnung gestaltet werden müßten. Nicht Regeln und philosophische Erörterungen sollen meines Erachtens die Gestalt des Hausgartens bestimmen; seine Eigenart soll vielmehr durch die Bedürfnisse und Wünsche des Bauherrn festgelegt werden, welche durch die örtlichen Verhältnisse und durch die Erfahrung des zu Rate gezogenen Gartenkünstlers ihre Beschränkung erleiden. Fragen wir, welche Momente denn in jedem Falle Einfluß auf die Gestaltung des Gartens haben, so dürften als die wichtigsten zu nennen sein die Größe des Grundstückes, die Gestalt seiner Oberfläche, seine Umgebung im allgemeinen und seine engere Umschließung durch Gebäude, hohe Mauern u. dergl., damit zusammenhängend der Grad der Besonnung; ferner die Lage des Hauses, seine Eingänge, Fenster und innere Raumeinteilung sowie sein Stil und Charakter; des weiteren etwa vorhandene Objekte, wie alte Bäume, Baulichkeiten oder Baureste u. ähnl., endlich die Mittel, welche für die Anlage und für die spätere Unterhaltung bereitstehen. Die Größe des Gartengrundstückes ist selbstverständlich von besonderer Wichtigkeit. Ein schlagender Beweis für das geringe Verständnis, welches viele Kreise von Besitzenden und Gebildeten dem Garten entgegenbringen, ist der Umstand, daß man bei vornehmen, ja prunkvollen Wohnhäusern Gärten findet, die nicht größer sind als die Grundfläche der Gebäude. Dabei sind sie DIE GRÖSSE DES GARTENS 15 vielfach so eingerichtet, daß sie mehr für die Vorübergehenden auf der Straße als für den Besitzer und seine Familie bestimmt zu sein scheinen. Ich weiß wohl, daß man städtische Häuser nicht mit beliebig großen Gärten ausstatten kann, da die Parzellierung eines Baublockes häufig der Tiefe des Gartens enge Grenzen ziehen muß. Aber in neu entstehenden Stadtvierteln würde der Bodenspekulant die Aufteilung der Grundstücke ändern müssen, wenn die Mehrzahl der Käufer größere Grundstücke bevorzugte. Vom Spekulanten kann man die Teilung in größere Parzellen nicht erwarten, da der Bodenwert sich erhöht, je mehr Parzellen er aus einem Grundstücke herausschneidet. Also auch im Sinne einer gesunden Bodenpolitik liegt die Schaffung größerer Gärten in Villenvierteln. Wenn der Garten erst wieder als Teil der Wohnung angesehen wird, in welchem man sich zu manchen Zeiten gerade so behaglich aufhalten kann als in den Räumen des Hauses, und wenn dann, was nicht ausbleiben kann, bei dem Hausbesitzer wieder Freude an seinem Garten und dessen Pflanzeninhalt erwacht, wird die Nachfrage nach größeren Gärten wieder wachsen. Am günstigsten kommt die Größe des Gartens zur Geltung, wenn die nicht bebaute Fläche eines Baugrundstückes zusammenliegt. Die Anordnung ist nur möglich bei geschlossener Bauweise ohne Vorgärten. Sie gestaltet sich noch vorteilhafter, wenn innerhalb des Baublocks die hintere Baulinie vorgeschrieben wird; d. h. wenn die Häuser mit ihren Hinterfronten nicht über eine vorgeschriebene Linie hinausgehen dürfen, und Hinterhäuser ganz verboten sind. Die Abb. 4 zeigt einen Baublock dieser Art, welcher von der Aktiengesellschaft für Baubedarf in Köln angelegt ist. Da die Hinterfronten hübsch ausgestaltet und mit Baikonen versehen sind, und da die Errichtung massiver Ein- i6 DIE GROSSE DES GARTENS friedigungen untersagt wurde, ist hier mitten in der Stadt ein freundlicher Gartenplatz entstanden, der das Auge aller Anwohner erfreut, allen Wohnungen Licht und Luft spendet und dabei groß genug ist, um gute Kulturen zu ermöglichen. Dabei kommen jedem Garten die Gehölzpflanzungen des Nachbarn zugute. Es wäre ein Leichtes, in einem derartigen Baublock auch solche Garteneinrichtungen zu treffen, welche allen Anwohnern gemeinsam dienlich wären, ohne die einzelnen Gartenparzellen dadurch zu beeinträchtigen. Ich denke besonders an einen baumbestandenen Platz etwa in der Mitte des Baublockes, welcher der Jugend zu gemeinsamen ifrrvr 'f. T T_"i Abb. 4 Bewegungsspielen und dem Alter zu den Zusammenkünften dienen sollte, welche man jetzt auf die Straße zu verlegen gezwungen ist. Daß die einzelnen Gärten trotzdem eine intime Abgeschlossenheit besitzen müssen, ist sicher; läßt sich aber auch durch Einrichtung von Lauben, Pergolen, Heckengängen u. dergl. leicht erreichen. Abb. 5 ist eine Skizze für eine derartige Einrichtung. Ein zweiter Fall ist der, daß zwischen den Häusern Gartenstreifen offen bleiben, deren Mindestmaß die Bauordnungen der Städte festsetzen. Die Anordnung von Doppelhäusern, d. h. DIE GROSSE DES GARTENS 17 solchen, welche zu zweien dicht zusammenstehen, ermöglicht es, nur an einer Seite des Hauses einen Gartenstreifen zu erhalten. Der dritte Fall ist die Anordnung von Vorgärten nach der Straße zu. Auf ihre Vorzüge und Nachteile wird in dem Abschnitt über Vorgärten eingegangen werden. Hier sei nur bemerkt, daß diese Einrichtung dem Hintergarten, der in den meisten Fällen als der eigentliche Hausgarten anzusehen ist, in- H a lBi ^ jT >_ i ■*3 ~2. 1 ~ —3 TJ, pr~ 3 j J T- 2-, 1 -s." 3 : 1 3 ■'! 1"-' B ^■3. ■ ^ ä ) O O .Nu bJo 3 i JE i i J1 5/~ ^4 ; ? ?>. *- 5 9 1 ;2 n r »f 'f m Abb. 5 1 sofern nicht günstig ist, als er diesen um seinen Flächeninhalt verkleinert. Bei knapp bemessenen Grundstücken ist er sonach für den Hausgarten nachteilig und dies um so mehr, als seine Unterhaltungskosten von der für die Gartenpflege bestimmten Summe genommen zu werden pflegen. Anders ist es, wenn das Haus ganz in den Garten zurücktritt. Die Anordnung kann empfohlen werden, wenn der ganze Hausgarten vor dem Hause liegt, was den Vorzug hat, daß letzteres der Unruhe des Straßenverkehrs entzogen ist, ohne daß die Gartenfläche ungünstig zerstückelt wird. Aber auch dann Encke, Hausgarten 2 ■■■■ 18 ME GRÖSSE DES GARTENS ist gegen einen sehr tiefen Vorgarten nichts einzuwenden, wenn es sich um reich ausgestattete Villen in derartig großen Grundstücken handelt, daß man sich diesen Luxus erlauben kann, ohne den Hausgarten zu sehr zu verkleinern. Stehen die Nachbarhäuser näher an der Straße, so wird der tiefe, zu beiden Seiten von Gebäuden umschlossene Vorgarten zu einer Art cour d'honneur, wie sie die Barockschlösser aufweisen, eine Einrichtung, welche diesen Gartenteil allerdings mehr zur Repräsentation als zum behaglichen Gartengenuß geeignet erscheinen läßt (Abb. 6). Um an greifbaren Beispielen Größenverhältnisse vor Augen zu stellen, seien die Flächeninhalte der nachstehend beschriebenen städtischen Hausgärten zusammengestellt: Beispiel Gesamtgröße des Grundstücks qm Es entfallen auf: qm Garten- g fläche & Desgl. in o/ 0 der Gesamtfläche Garten des Herrn Haus, Hofraum u. Baurat S. in N. . 378o Gewächshaus 37° 34io 90 Gartenprojekt . . . 1950 Haus u. Hofraum 820 1130 58 Gärtchen des Freund Haus. Hof, VorP. in E...... 360 garten .... 148 212 57Va Gärtchen des Herrn J. in C...... 226 Haus u. Hofraum 135 91 40V4 Der achsengemäße Aufbau des Wohnhauses und seine innere Einteilung sind von wesentlichem Einfluß auf die Gestaltung des Hausgartens. Die Hausachsen und die Eingänge bestimmen die Achsen des Gartens, welche sich als Wegezüge oder Mittellinien BEZIEHUNGEN DES HAUSES ZUM GARTEN l 9 Desgl. in o/ 0 der Gesamtfläche 90 58 57V2 40V4 regelmäßiger Anordnungen darstellen. Die Raumeinteilung des Hauses ist insofern wichtig für den Garten, als man von den Fenstern der Wohnräume aus die schönsten Gartenbilder zeigt, während man Küchen- und Wirtschaftsräume gerne durch Gehölz deckt, um sie kühl zu erhalten. Bei stilvollen, mehr monumentalen Bauten wird der Stil des Hauses die Gesamtdisposition des Gartens wie die Ausbildung der einzelnen Gartenteile bestimmen. In jedem Fall aber IL. soll der Charakter des Wohnhauses auch dem Garten eigen sein. Dies kann freilich nur bei Einfamilienhäusern gelten. Beimehrgeschos- £i—C> O Q O ^ Q ^ O sigen Mietshäu- Abb. 6 sern, in denen jedes Geschoß andere Bewohner hat, hinter welchen aber doch auch ein Garten liegen kann, wird sich kaum eine tiefgehende Übereinstimmung zwischen Haus und Garten herstellen lassen, es sei denn, daß man die Gartenfläche unter die Mieter verteilt, wodurch allerdings der Charakter des Mietshauses in recht drastischer Weise auch im Garten zum Ausdruck kommt. Übrigens soll dieser Einrichtung keineswegs entgegengetreten werden; denn sie sichert jedem Mieter ein Plätzchen im Freien, das bei geschickter Anordnung immerhin einige Annehmlichkeiten des Hausgartens aufweisen kann. Wir kommen nun zur Besprechung der Beziehungen, welche die Gestalt der Bodenoberfläche zu dem Garten hat. Meist liegt das Gartengelände ja annähernd wagerecht, dann bietet die 20 DIE GESTALT DER BODENOBERFLÄCHE Höhenlage keinerlei besondere Motive für die Gartenanlage. Steigt oder fällt es aber vom Hause aus, so lassen sich leicht Terrassierungen ausbilden, welche Gelegenheit zur Anbringung von Stützmauern, Böschungen, Treppen usw. geben. (Abb. 7 \ 8 2 , 9 3 und io 4 ). Bei seitlichem Gefälle gestaltet sich die Anordnung noch interessanter, da die Einteilung unsymmetrisch sein Abb. 7 wird. Ein erhöhter Weg z. B., der etwa einen Laubengang oder eine Pergola aufnimmt, wird mittels Mauer oder Böschung gestützt und bildet infolge seiner höheren Lage ausgezeichnete 1 Gartenprojekt des Verfassers (siehe S. 118). 2 Aus Kloster Brormbach. 3 Die Abbildung stellt einen Teil des Gartens C. Moll in Wien von Prof. J. Hoffmann-Wien dar. 4 Hausgartenmotiv aus der Blumen- und Pflanzenausstellung Rheinischer Gartenfreunde in Cöln 1905. Abb. 8 Abb. 9 22 AUSNUTZUNG UNEBENER LAGE Standpunkte für Ausblicke auf die wagerecht gemachte übrige Gartenfläche oder auf das Haus. Es bedarf hierbei oft nur geringer Höhenunterschiede , sobald es einem nicht auf die Erreichung großartiger Wirkungen, sondern auf die liebevolle Durchführung behaglich und lauschig wirkender Gartenmotive ankommt. Wenige Stufen, in eine Böschung gelegt, ein Mäuerchen, von einem Geländer, einer Hecke oder ungezwungen wachsendem Gesträuch Abb. 10 bekrönt, sind solche Mittel zur Erhöhung des Intimen durch Ausnützung der Höhenunterschiede. Auf großen Grundstücken kann die Höhenlage auch wohl KÜNSTLERISCHE BEDEUTUNG GENEIGTEN GELÄNDES 23 derartig wechseln, daß gewissermaßen Berg und Tal entstehen. Diese Lage fordert zu natürlicher Bodengestaltung geradezu heraus; denn das Linienspiel naturwahr ineinander verlaufender Hügel- und Talformen bietet große Reize, auch entwickeln sich die Stämme von Bäumen auf geneigten Flächen viel malerischer als auf wagerechtem Grunde, wo sie zur Erhaltung des Gleichgewichtes meist kerzengerade emporwachsen (Abb. 11). Aber auch die architektonische Gestaltung des Grund und Bodens kann in einem solchen Gelände vorzüglich angewandt werden. Vorbilder hierfür bieten, wenn auch häufig in größerem Stile, manche Renaissancegärten Italiens, welche sich in ihren einzelnen Teilen der wechselnden Höhenlage vorzüglich anpassen. Die Neigung des Geländes ist aber nicht nur für die künstlerische Gestaltung des Gartens von Wichtigkeit, sondern sie ist auch von großer wirtschaftlichtechnischer Bedeutung, da die Sonnenstrahlen geneigtes Gelände unter einem anderen Winkel treffen als wage- Abb. 24 BESONNUNG DER FLÄCHEN rechte Flächen. Der Grad der Besonnung eines Gartens muß bei der Anlage sehr ins Auge gefaßt werden, da anderenfalls die Anpflanzungen dem Gartenbesitzer unangenehme Enttäuschungen bereiten. Ein nach Süden abfallender Garten bedarf z. B. reichlicher Bewässerung, sollen die darin gepflanzten Gewächse gedeihen. Andererseits werden am Nordab- hange viele Pflanzen nur wenig oder gar nicht zur Blüte gelangen. In derselben Weise sind Hauswände, Mauern oder hohe Baumpflanzungen auf die Auswahl der zu pflanzenden Gewächse von Einfluß. Eine der mancherlei Ursachen dafür, daß vielen Leuten ihre Gärten so wenig Freude machen, ist die Nichtbeachtung der Wachstumsbedingungen der Gewächse bei ihrer Anpflanzung. Obstspaliere, Rosenbeete, Blumengruppen gedeihen z. B. nicht im Schatten, während wiederum manche immergrüne Gehölze, welche leicht vom Frost im Frühjahre leiden, besser an einem Nordabhange gedeihen, als wenn sie in warmer Südlage stehen, wo sie früh austreiben und dann den Nachtfrösten zum Opfer fallen. Wie die Neigung des Geländes sowohl von praktischer wie ästhetischer Bedeutung für den Garten war, so sind es in gleichem Maße die Hauswände, Mauern und anderen plastischen, schattenwerfenden Gegenstände, gleichviel ob sie dem Nachbargrund- stück angehören, oder ob sie sich auf dem eigenen Besitztum befinden. In ästhetischer Beziehung muß man diese Objekte, wie alles, was die nächste Nachbarschaft oder auch die große Umgebung bieten, daraufhin prüfen, ob ihr Anblick vom Garten aus erwünscht ist oder nicht. Im ersteren Falle wird man bestrebt sein, sie von den günstigsten Standpunkten des Gartens aus zu zeigen, im anderen wird man versuchen, sie nach Möglichkeit dem Auge zu entziehen. Hohe Einfriedigungen und VERDECKUNG UNERWÜNSCHTER GEGENSTÄNDE 25 Pflanzungen sind die gewöhnlichen Mittel zur Verdeckung unerwünschter Gegenstände. Geeignete Einfriedigungen sind Mauern und Hecken. Die ersteren bedürfen freilich selbst wiederum eine völlige oder teilweise Verdeckung oder Bekleidung. So kann man längs einer Mauer einen Laubengang oder eine Pergola anbringen oder die Mauer mit Schlingpflanzen beziehen. Ist die Mauerfläche schattig, so gedeihen Efeu, wilder Wein, Waldrebe u. dergl., ist sie sonnig, so werden Rankrosen, edler Wein oder auch Spalierobst am Platze sein. Wenn letzteres auch das Mauerwerk vielfach durchscheinen läßt, so wird dieser Übelstand bei weitem aufgewogen durch die Freude, wertvolle Nutzpflanzen in ertragreicher Vollkommenheit heranziehen zu können. Überhaupt ist es nicht nötig, die Mauerflächen stets ganz und gar dem Auge zu entziehen. Ich meine, eine geputzte Mauerfläche, der man durch grün angestrichenes Lattenwerk eine angenehme Gliederung verliehen hat, bedarf nur einer lockeren Berankung durch Schlingpflanzen, um anmutig auszusehen. Auf solche Weise läßt sich der Anblick selbst hoher Hauswände erträglich gestalten. Eine Lösung der Aufgabe, vom Garten aus jenseits der Straße liegende häßliche Hauswände oder sonstige Objekte dem Auge zu entziehen, gibt die Abb. 12. Die Grenzmauer wird möglichst hoch gemacht und an der Innenseite mit Erde angeschüttet. Wird die so entstehende Böschung dann dicht bepflanzt, oder im Sinne architektonischer Gartengestaltung mit Pergolen, Hecken oder Laubengängen bekrönt (Abb. 13), so ist nicht nur der Hauptzweck erreicht, sondern auch der Garten um ein reizvolles Motiv bereichert. Die Anordnung erfordert allerdings ziemlich viel Erdarbeit und eine dem Erddruck widerstehende Stützmauer, andererseits bietet sie aber auch Gelegenheit zur bequemen ww wmv&iHmiißSii/ifi Abb. 12 26 VERDECKUNG UNERWÜNSCHTER GEGENSTÄNDE Unterbringung der durch die Fundamentausgrabung gewonnenen Erde. Hohe Hecken aus Weißbuchen, Linden, Buchen, Kornelkir- schen, Tannen oder Lebensbäumen können unter Umständen an Stelle von Mauern treten. Sie haben vor diesen den Vorzug, daß sie selbst nicht wieder durch Pflanzen verziert werden müssen, dagegen den Nachteil, einen geringeren Schutz zu bieten und, soweit sie laubabwerfend sind, im Winter nicht ganz undurchsichtig zu sein. Damit sind wir bei dem zweiten Mittel zur Verdeckung unerwünschter Gegenstände, bei den Pflanzungen angelangt. Sie erfordern zumeist einen wesentlich größeren Raum, um ihren Zweck zu erfüllen. Am wenigsten brauchen die obengenannte mauerähnliche Hecke und die heckenartig beschnittene Baumreihe. Behalten die Alleebäume ihren natürlichen Wuchs, so ist schon ein wesentlich breiterer Raum nötig, da die Stämme immerhin 3—4 m von der Grenze entfernt stehen müssen. Eine Baumreihe oder mehr noch eine doppelte Baumreihe (Allee) ist aber ein so herrliches Gartenmotiv, daß es gar nicht oft genug: verwertet werden Spmisppw; Abb. 13 kann. An der Grenze angewendet, gibt die Allee dem Garten einen vornehmen Abschluß gegen die Außenwelt und ist ein angenehmer schattiger Spaziergang. Endlich ist die Gehölzpflanzung AUSSICHTEN 27 I \ | in natürlicher Anordnung ein gutes Mittel zur Ver- deckung uner- wünschterGegen- stände. In kleinen Gärten pflegt man diese Pflanzungen auf das geringste Breitenmaß zu beschränken, jedoch vielfach mit Unrecht; denn legt man sie wesentlich breiter an, so kann man im Innern dieser Pflanzungen behagliche, lauschige Plätzchen einrichten und so die zur Pflanzung verwendete Fläche für die Wohnzwecke des Gartens nutzbar machen. Wir haben gesehen, wie mancherlei im Garten selbst und in dessen Umgebung dem Auge des Gartenbesuchers entzogen werden kann. Ebenso wichtig ist das Verweben und Hineinziehen solcher Gegenstände, deren Anblick das Auge erfreut. Eine Hauptaufgabe des Entwerfenden ist die Berücksichtigung derartiger Objekte. Schöne Aussichten müssen von den günstigsten Standpunkten aus und in passender Umrahmung gezeigt werden. Oft genügt schon ein Kirchturm, ein Hausgiebel, eine Dorfstraße, ein einzelner schöner Baum als Vorwurf eines anziehenden Bildchens, wie die Abb. 14 erkennen läßt, Abb. 14 28 VORHANDENE WERTVOLLE MOTIVE Abb. 15 welche den Ausblick auf eine Dorfstraße vom Pfarrgarten aus darstellt. Wieviel mehr werden nicht ein waldumschlossener See (Abb. 15), ein Schiffe tragender Strom, eine blühende Hügellandschaft mit wogenden Feldern, die kühnen Linien eines Gebirgszuges oder ein reiches Städtebild als Aussichten dem Garten dienstbar gemacht werden können. Aber auch auf dem Gelände des Gartens selbst muß jeder vorhandene Gegenstand daraufhin geprüft werden, ob er nicht dazu dienen kann, dem Garten etwas Charakteristisches zu geben. Da sind zunächst alle vorhandenen Bäume und Pflanzungen sorgfältig zu beachten, zumal wenn sie sich durch ehrwürdiges Alter oder malerische Form auszeichnen. Ein alter Baum ist schnell abgehauen; ein frisch gepflanzter Baum erreicht seine volle Entwicklung erst, nachdem Generationen dahingegangen sind. VORHANDENE WERTVOLLE MOTIVE 29 Hier sei auch die Frage gestreift, ob denn auch tote Bäume im Garten der Erhaltung wert seien. Im allgemeinen gehört nichts in den Garten, das im Verfall begriffen ist, also auch kein toter Baum. Ist ein solcher aber mit üppigen Schlingpflanzen übersponnen, so daß er als Träger dieser einer Stütze bedürfenden Gewächse auftritt, so ist er wohl berechtigt. Dasselbe gilt von einem Baumstumpf, wenn er mit Moosen, Farnkräutern u. dergl. bewachsen ist, oder wenn er, im ländlichen Garten, als Sitz dient. Oft finden sich auch Baulichkeiten oder Baureste auf dem Gartengrundstücke. Sie mögen berücksichtigt werden, wenn sie malerischen Wert besitzen, wenn irgend welche historische Beziehungen damit verknüpft sind, oder wenn sie als Nutzbauten Verwendung finden. Aufgabe des Gartenkünstlers ist es, sie so in sein Projekt zu verweben, daß sie nicht als Fremdlinge in dem Garten Abb. 16 =,o VORHANDENE WERTVOLLE MOTIVE erscheinen. Auf Abb. 16 sehen wir eine Obstdarre in einem ländlichen Pfarrgarten. Es wäre wirklich schade darum, wollte man das Häuschen aus dem Garten verbannen. Dagegen hüte man sich vor unwahren Theaterdekorationen, wie sie vor hundert Jahren üblich waren und neuerdings von einzelnen wieder empfohlen werden. Die Zeiten der Mühlen ohne Müller und Pfarren ohne Pfarrer, die wohl einem Klein-Trianon gut standen, sind ebenso vorüber wie die Schäferspiele, welche in jenen künstlichen Dörfern und Einsiedeleien geübt wurden. Daß sich all diese malerischen Gegenstände, wie sie hier Erwähnung fanden, in einem Landschaftsgarten verwerten lassen, ist ohne weiteres klar. Sind sie aber auch im architektonischen Garten am rechten Platze? Ich glaube diese Frage bejahen zu müssen. Man betrachte zum Beweise die Abb. 115 in dem Abschnitte »Gartenhöfe.« Der Hof ist streng architektonisch gegliedert, und trotzdem wirkt die am Wasser stehende Weide, welche wie zufällig dort gewachsen erscheint, durchaus nicht störend, sondern sie trägt wesentlich dazu bei, den Hof recht lauschig und gemütlich zu machen. Ein ähnliches Beispiel, welches manchem bekannt sein dürfte, ist die mächtige Linde vor den Terrassen am Schlosse Linderhof in Oberbayern, welche ohne jede Symmetrie seitlich von den Treppenanlagen sich erhebt. Bauliche Objekte kann man freilich nicht ohne jede Beziehung zu dem Aufbau eines architektonischen Gartens, wie zufällig, stehen lassen. Hier gilt es vielmehr, sie derartig bei dem Gartenentwurfe in Betracht zu ziehen, daß sie Hauptgegenstand einzelner, räumlich beschränkter Szenen werden. Die meisten der bisher erwähnten Momente sind für den Garten insofern günstig, als sie dem Entwerfer Gelegenheit geben, Individuelles in den Garten hineinzutragen. Anders ist es mit KOSTEN DER HERSTELLUNG 31 dem lezten Punkte, der hier besprochen werden soll, dem Geldpunkt. Er ist gewöhnlich ein Hemmschuh für den Schöpfer des Gartens, der sich mit Liebe in sein Projekt vertieft hat. Daß ein Haus zu bauen Geld kostet, weiß jedermann; daß ein Garten zu seiner Herstellung auch Geld kostet, scheint vielen Leuten neu zu sein. Wie oft kann dies der Gärtner erfahren, wenn er einen Garten anlegen soll. Gewöhnlich hat der Bau des Hauses mehr gekostet, als ursprünglich vorgesehen. Da soll dann die für den Garten ausgeworfene, an sich schon bescheidene Summe herhalten. Was können denn auch ein paar Bäumchen und Gesträuche und ein wenig Gras und Blumen kosten, denkt so mancher Bauherr. Es ist eigentlich zu selbstverständlich, als daß man es aussprechen sollte, aber bei der Interesselosigkeit der meisten Hausbesitzer dem Garten gegenüber doch zu sagen nötig, daß ein Garten, welcher zu einem wohlhabend eingerichteten Hause gehört und diesem entsprechend behaglich, wenn auch durchaus nicht prunkvoll, ausgestattet ist, einige Mark das Quadratmeter kostet. Und er wird um so teurer werden, je mehr Einzelheiten darin sind, welche Bauarbeiten verursachen, wie Mauern, Treppen, Balustraden, Gartenhäuser, Pergolen usw. Viele recht kostspielige Arbeiten der Gartenanlage, die durchaus notwendig sind, sieht man später aber gar nicht. Das Geld wird gewissermaßen in die Erde gesteckt. Aus Unkenntnis der notwendigen Erdarbeiten, die ein Garten erfordert, läßt sich so mancher Bauherr verführen, bei Vorlage verschiedener Kostenanschläge dem billigsten Anbieter die Ausführung seiner Gartenanlage zu übertragen. Anfangs sieht der Garten denn auch gerade so gut aus, als wenn er nach dem teuersten Angebot hergestellt worden sei. Aber das mangelhafte Wachstum der Pflanzen und die geringe Dauer- 32 KOSTEN DER HERSTELLUNG haftigkeit der Wege werden ihn bald belehren, daß es vorteilhafter gewesen wäre, den kostspieligeren Anschlag der Ausführung zugrunde zu legen. Es werden heutzutage ja viele geschmacklose Gärten geschaffen. Aber die Schuld daran fällt nicht nur den Gärtnern zu, welche sie hergestellt haben, sondern auch den Besitzern, welche so billige Gärten haben wollen, daß nur die Anlage des obligaten Grasstückes mit dem darumführenden Wege und der Gehölzeinfassung übrig bleibt. Die einzige Abwechslung unter den Gärten dieser Art bieten die verschiedenen Figuren der Grasstücke und Wege, sowie die Verschiedenartigkeit der einzeln über den Rasen ausgestreuten Pflanzen. Ich habe im nachfolgenden zwar einen und den anderen vielleicht noch billigeren Garten beschrieben. Aber solche Gärten können viele Hausbesitzer nicht brauchen, weil sie sich im Garten nicht selbst betätigen wollen. Der Garten soll fertig sein wie das Haus, nachdem es der letzte Handwerker verlassen hat. Daß gerade im ewigen Wachsen und Werden ein Hauptreiz des Gartens liegt, ist vielen Leuten unbekannt. Deshalb darf in dem Garten eines Mannes von so wenig Verständnis dafür auch kein Stückchen Nutzgelände sein, da dies nicht dauernd sauber und fertig ist, wie der glatte Rasen. Der eben geschilderte Garten, welcher aus Grasflächen, Gesträuch und Wegen besteht, ist aber auch deshalb so beliebt, weil er am billigsten zu unterhalten ist, und damit komme ich zu dem zweiten Punkte, welcher bei der Geldfrage zu beachten ist, zu den Kosten der Unterhaltung des Gartens. Der Garten, der zumeist aus lebenden, wachsenden und vergehenden Pflanzen besteht und niemals vollendet ist für alle Zeiten, bedarf einer dauernden, sorgfältigen Pflege. Nur ein gut unterhaltener Garten KOSTEN DER UNTERHALTUNG 33 erweckt ein Gefühl von Behagen. Dagegen wirkt es unangenehm und widerwärtig, wenn ursprünglich reich angelegte Blumenanlagen dürftig bepflanzt, Treppen, Brüstungen und Geländer im Verfall begriffen sind. An sich kann ja ein gewisser Grad von Verfall ein Bauwerk besonders malerisch machen, ich "brauche nur an Burgruinen und dergleichen zu erinnern. Aber im Hausgarten, der wie die Wohnung zum täglichen Aufenthalt dienen soll, kann Ordnung, Sauberkeit und der höchste Grad der Vollendung nicht entbehrt werden. Man überlege daher vor der Herstellung des Gartens, welche Mittel zu seiner späteren Pflege bereit gestellt werden können, und lasse sich einen solchen Garten anlegen, der mit diesen Mitteln auf das sorgfältigste unterhalten werden kann. Encke, Hausgarten DIE BEPFLANZUNG er wichtigste Bestandteil eines Gartens ist sein Pflanzeninhalt. Schafft die Umschließung eines Grundstückes und seine Verbindung mit dem Wohnhause die Vorbedingung zu dem Begriffe Hausgarten, so ist das Haupterfordernis jedes Gartens die Anpflanzung von Gewächsen, seien es nun Bäume, Sträucher, Stauden oder Kräuter; seien es Nutzpflanzen oder Ziergewächse. Unter Bäumen wollen wir die physiognomische Gruppe der Holzgewächse verstehen, welche einen hohen Stamm besitzen, der sich entweder nahe am Boden oder auch erst in beträchtlicher Höhe verzweigt. Sträucher nennen wir die von unten auf verzweigten Holzpflanzen von geringerer Höhe und ohne ausgesprochenen Stamm. Von beiden Gruppen haben wir nur solche Arten im Auge, welche unsere Winter im Freien aushalten. Bäume und Sträucher sind insofern die wichtigsten Pflanzengruppen, als sie die Gehölzmassen des Gartens bilden. In diesem Sinne kommt hauptsächlich ihre Höhe zur Geltung; denn mit ihnen werden auf dem Grundrisse Massen von bestimmt beabsichtigter Höhe aufgebaut, welche dem Garten das Körperliche geben. Indem diese Pflanzkörper sich ferner von den Hauptstandpunkten des Gartens aus teilweise gegenseitig verdecken und in den verschiedenen Entfernungen vom Beschauer verschieden hoch erscheinen, lassen sie den Aufriß der einzelnen Bilder entstehen und erzeugen darin die Tiefenwirkung. BÄUME UND STRAUCHER ALS PLASTISCHE MASSEN 15 Die Gehölzzusammenstellungen können sowohl geometrisch regelmäßige Formen haben, wie Haine, Alleen, Hecken, als auch unregelmäßige Gruppen von natürlich erscheinendem Wachstum sein. Die Hauptsache bei ihrer Bewertung für die künstlerische Gestaltung ist nicht die Form der einzelnen Masse oder Gruppe, sondern ihr Zusammenwirken als bald einander beigeordnete, bald einander untergeordnete Teile des Gesamtaufbaues, der Gesamtgruppierung. Diese soll wohl einheitlich erscheinen, aber es soll kein langweiliges Einerlei, sondern wohltuender Wechsel der Formen, gewissermaßen Bewegung der Massen erzielt werden. Dadurch, daß die plastischen Gehölzkörper Schatten werfen und verschieden hell beleuchtete Flächen haben, und dadurch, daß das Licht durch das Laubdach von Bäumen und Gebüsch nur gedämpft einfallen kann, ist ferner ein Wechsel von hell beleuchteten und dunkleren Flächen, sagen wir, von Licht und Schatten möglich. Der Maler gibt dem Vordergrund eines Landschaftsbildes eine andere Beleuchtung als dem Mittel- und Hintergrund; er läßt den ersteren manchmal beschattet sein und in den anderen die Sonne scheinen; er verstärkt im Vordergrund die warmen Töne, um den Mittelgrund in die Ferne zu rücken, zu vertiefen. Will man im Garten ähnlich wirken, so muß man zu dem Mittel verschieden beleuchteter Flächen greifen. Man denke sich eine Hainpflanzung, unter deren Laubdach ein angenehmes Dämmerlicht herrscht, als Vordergrund der Gartenszene, dahinter in greller Beleuchtung, ohne jeden Schatten, ein Schmuckstück, eine Grasfläche, verziert mit Blumenbeeten in leuchtenden Farben und womöglich bereichert durch Fontänenanlagen und Statuenschmuck, so wird durch den Kontrast von hell 36 INDIVIDUELLE EIGENSCHAFTEN DER GEHÖLZE und dunkel der hainartige Vordergrund düsterer erscheinen, als er tatsächlich ist, während der unbeschattete Gartenteil in noch hellerem Lichte erglänzen wird. Das Ganze erhält durch die dunkle Umrahmung auch etwas Abgeschlossenes, Umgrenztes, etwa wie ein gemaltes Bild durch seinen Rahmen. Der Gesichtspunkt, von welchem wir die Bäume und Sträucher des Gartens soeben betrachtet haben, wobei sie für uns nur als plastische Massen gelten, mag manchem Gartenfreunde neu sein. Viel geläufiger ist es ihm, seine Bäume und Sträucher, wie alle Pflanzen seines Gartens auf ihre individuellen Eigenschaften hin zu beobachten. Die Tracht der Pflanze, ihre Blattform, die Farbe der Belaubung, deren Dauer und Herbstfärbung, Form, Farbe, Geruch und Zeit der Blüte, Gestalt, Farbe und Geschmack der Früchte: das alles sind Merkmale der einzelnen Gewächse, welche ihm manche mehr, andere weniger wertvoll erscheinen lassen. Und welcher fast unermeßliche Reichtum an Baum- und Straucharten steht dem Gartenbesitzer zur Verfügung! 1 Welche Verschiedenheit des Astbaues der großen Bäume! Die knorrige Eiche, die schlank aufstrebende Buche, die zierlich schwankende Birke, der breitbehäbige Bergahorn, die quirlig regelmäßige Fichte und Tanne, die zackige, sparrige Kiefer — sie sind nur herausgegriffene Typen. Welcher Wechsel der Blattformen von Baum und Strauch! Das einfache Buchenblatt, welches mit der Buche die meisten Gehölze gemein haben; das Eichenblatt, das Ahornblatt, das Fiederblatt, bald metergroß wie bei dem Götterbaume, bald zierlich klein wie bei der 1 Es kann nicht die Aufgabe dieser Schrift sein, katalogähnliche Aufzählungen von den heimischen und eingeführten Gehölzen zu geben. Sie würden dem Kenner nichts Neues bieten, den Laien aber ermüden, ohne ihn mit den aufgezählten Pflanzen vertraut zu machen. INDIVIDUELLE EIGENSCHAFTEN DER GEHOLZE 37 Karagane. Welche Schattierungen des Blattgrüns vom dunkeln Ulmen- und Erlenblatt bis zum hellen Blatte des Trompetenbaumes, des eschenblättrigen Ahorn und der weißfilzigen Ölweide; ganz zu schweigen von den zufällig entstandenen sogenannten buntblättrigen Abarten vom düsteren Braun der Blutbuche bis zum Weißbunt und Gelb so mancher Gartenvarietäten. Und nun gar der Reichtum der Blütenfarben! Mit dem bei den Gehölzen unserer Heimat fast ausschließlichen Weiß, wie sie die Pflaumen, Birnen und Kirschen, die Spiersträucher, Hartriegel, Jasmin, Eberesche und zahllose andere aufweisen, wechselt das Rot der Rosen und so mancher ostasiatischer und amerikanischer Einführungen, von denen die japanische Quitte, die Weigelie und die rotblühende Kastanie die bekanntesten sind. Gelb zeigen viele Schmetterlingsblütler, wie Goldregen, Ginster, Karagane und Stechginster; braun blüht der Gewürzstrauch, blau die Paulownie. Es gibt kaum eine Farbe, die nicht in irgendeiner Gehölzblüte vertreten wäre. Selbst im Vergehen bewahren die Gehölze noch ihre Eigenart. So färbt der Herbst die Blätter des Spitzahorn, der Birke, der Lärche, der Hainbuche, des Tulpenbaumes gelb. Die Buche und Eiche haben braune, die Scharlach- und Sumpfeiche, der wilde Wein, der Sumach, der Birnbaum, der Schneeball haben braunrote Herbstfärbung. Die Blätter der Akazie, des Flieders, der Weigelie fallen grün ab. Endlich gedenken wir der vielen Farben und Formen der Früchte. Die vielerlei, allbekannten Früchte der Obstbäume und Fruchtsträucher, die Fruchtstände der Spiersträucher, der Rosen, der Magnolien, des Perückenstrauches, die Schoten des Trompetenbaumes, des Goldregens, die Zapfen der Nadelhölzer: sie geben unerschöpfliche Gelegenheit, im Garten die Mannigfaltigkeit der Pflanzenformen zu beobachten. GEHOLZ-ZUSAMMENSTELLUNGEN Bezüglich der Mischung der Arten werden für kleine Hausgärten andere Grundsätze maßgebend sein, als für größere Gärten oder gar Parkanlagen. Je kleiner der Garten, desto reicher das Durcheinander der Blattformen, Blütenfarben und sonstigen Eigentümlichkeiten der einzelnen Gattungen und Arten; denn der Gartenbesitzer wird, wenn er Interesse am Garten gewonnen hat und Pflanzenfreund wird, Freude an jeder einzelnen Pflanze haben. Der bunte Reichtum des Garteninhaltes wird ein gewisser Ersatz für die mangelnde Ausdehnung sein. Daß ein solcher Pflanzenreichtum, der sich ja nicht nur auf die Gehölze, sondern auch auf Kräuter und Blumen erstreckt, auch in einem kleinen Garten von architektonischem Aufbau möglich ist, sollen die Beschreibung und die Ansichten aus dem Gärt- chen meines Freundes P. (S. 102) erweisen. Im größeren Garten kann der Charakter der einzelnen Gehölzformen dadurch kräftiger vor Augen geführt werden, daß diese nicht einzeln, sondern zu größeren Trupps vereinigt, nur wenig vermischt mit anderen Formen, verwendet werden. Die alte Forderung v. Sckells, des bedeutendsten Landschafters aus dem 18. Jahrhundert, im Parke ähnliche, stark ausgesprochene Typen, seien es solche mit Fiederblättern oder immergrüne oder sonst charakteristische Gruppen, in größerer Masse zusammenzustellen, hat heute noch ihre Berechtigung und kann in beschränktem Maße auch im Hausgarten durchgeführt werden. Wenn man alle Gehölzgruppen eines großen Gartens in reicher Artenmischung pflanzt, werden sie alle einander gleichen. Wenn man aber nach obigem Prinzipe verfährt, wird man durch den Wechsel der verschiedenen, zu größeren Gruppen vereinigten Gehölzcharaktere angenehme Abwechslung erzielen. In einem großen Garten können aber hinsichtlich der Pflanzen- STAUDENGEWÄCHSE Zusammenstellung noch höhere Anforderungen befriedigt werden. Durch Vorführung von natürlichen Pflanzengemeinschaften kann die Erinnerung an liebgewordene Naturbilder, wie Heide, Bruch, Waldrand, Teichufer wachgerufen werden. Da diese charakteristischen Pfianzenvereinigungen aber nicht nur aus Bäumen und Sträuchern, sondern auch aus Stauden, Blumen, Gräsern bestehen, wollen wir die hierhergehörigen Beispiele weiter unten erläutern. (Vgl. die Abb. 26, 27, 28 und 2g.) Nächst den Bäumen und Sträuchern sind die Kräuter, d. h. die nicht holzigen Gewächse, wichtige Pflanzen zur Ausschmückung des Gartens. Man kann hier unterscheiden die Stauden, d. h. die bei uns ausdauernden nicht holzigen Pflanzen, gleichviel ob sie ihre Blätter den Winter über behalten, oder ob sie im Herbst über dem Boden absterben, um im Frühjahr von neuem aus dem Wurzelstock, der Knolle oder Zwiebel auszutreiben, und die einjährigen Kräuter, zu welchen die sogenannten Sommerblumen zu zählen sind. Physiognomisch kann man die Kräuter ebenfalls in zwei Gruppen gliedern, nämlich in die Teppich- und die Verzierungsvegetation. Die erstere umfaßt die rasenbildenden Gräser und Kräuter, welche einem Teppich gleich den Boden bedecken, und nur als Sammelbegriff, wie Rasen, Wiese, Matte usw. Bedeutung haben; in der letzteren sind die Kräuter zusammengefaßt, welche sich durch ihren kräftigen Wuchs, ihre ornamentale Belaubung, ihre aufstrebenden Blütenstände aus dem Pflanzenteppich erheben und als einzelne Pflanzen unser Augenmerk auf sich ziehen. Sie stehen zwischen dem körperlosen Teppich und den plastisch wirkenden Gehölzen als Bindeglied und bilden das Hauptverzierungsmaterial des Hausgartens. Die Mannigfaltigkeit ihrer Blatt- und Blütenformen bietet die 40 STAUDENGEWÄCHSE reichste Auswahl für die Ausschmückung der Gärten. Ich greife nur einige Formen heraus. Da ist das schmale Grasblatt, welches durch seine klare Zeichnung angenehm und malerisch wirkt. Wir finden es in verschiedenen Formen, bei den eigentlichen Gräsern, wie dem Pampasgras 1 , dem Rohrkolben 2 , dem Schilfe 3 , dem vielfach weißgestreiften Bandgrase 4 , ferner bei den Schwertlilien 5 , den Tritomen 6 , den Yucca 7 . In ganz anderer Weise wirkt das breite, großflächige Blatt, wie es am kräftigsten bei der aus Peru zu uns gelangten Gunnera 8 vorkommt, aber auch bei der unsere Teichränder umsäumenden Pestwurz 9 und bei einigen Doldengewächsen, wie dem Rhabarber 10 , vorhanden ist. Diese großschlächtigen Doldenblütler 11 wirken aber meist ebenso wie durch ihre großen Blätter auch durch ihre überaus kräftigen Blütenstände. Es seien nur die bei uns heimischen Arten, Bärenklau 12 , Engelwurz 13 und Kälberkropf 14 als Beispiele angeführt. Eine andere Familie, deren Vertreter teilweise beträchtliche Höhe erreichen, sind die Korbblütler 15 , wie die ausdauernde Sonnenblume 16 , die Wucherblume 17 , die Herbstastern 18 . Aus weiteren Familien seien noch die Pfingstrosen 19 , die Mohnarten 20 , der Eisenhut 21 , der Rittersporn 22 , der Fingerhut 23 und die Flammenblume 24 genannt, endlich die zierlich gefiederten Farnkräuter und die Zwiebelgewächse, wie Lilien 25 , Kaiserkronen 26 usw. Abb. 17 zeigt die Verwendung von Stauden bei 1 Gynerium argenteum, 2 Typha latifolia und angustifolia, 3 Phragmites arundinacea, 4 Phalaris arundinacea, 5 Iris germanica, I. Pseudacorus, I. Kaem- pferi, I. sibirica, 6 Tritoma uvaria, 7 Yucca filamentosa, 8 Gunnera scabra und G. manicata (bedürfen im Winter leichter Decke), 9 Petasites officinalis, IO Rhenm officinale, !I Umbelliferen, I2 Heracleum Sphondylium, * 3 Archangelica officinalis, 14 Chaerophyllum bulbosum, T 5 Kompositen, * 6 Helianthus rigidus, H. orgyalis. H. giganteus, I7 Chrysanthemum maximum, lS Aster Amellus, l9 Paeonia sinensis, 2 "Papaver Orientale, 2 z Aconitum Napellus, 22 Delphinium hybridum, 23 Digitalis purpurea, 24 Phlox decussata. 25 Lilium candidum, 26 Fritillaria imperialis. ■--■■■*■■■-■' ■■■■n 41 42 ALPENPFLANZEN geradliniger Wegeführung, auf buchsbaumeingefaßten, die Wege begleitenden Rabatten. Auf der Abb. 18 ist ein steiler Abhang mit buntem Staudengewirr dargestellt. Je kleiner die Stauden sind, desto mehr nähern sie sich der Teppichvegetation. Diese findet ihre schönste Darstellung in den blumenübersäten Alpenmatten, ihre verbreitetste Vertretung in den Triften und Rasenflächen der Gebirgskämme und Plateaus, welche das Urbild für den so vielfach angewandten Rasen unserer Parks und Gärten geworden sind. Die rasen- und rosettenbildenden, in leuchtenden Farben blühenden Staudengewächse, welche den felsigen Untergrund im Hochgebirge überziehen, sind unter dem Namen Alpenpflanzen in großer Artenzahl in die Gärten eingeführt. Man muß ihnen bei der Anpflanzung allerdings solche Standorte geben, welche viel Sonne und die Bodenart ihrer natürlichen Heimat haben, dann bringen sie ihre reizenden Blüten auch im Tieflande zur Entfaltung 1 . Die einjährigen und einjährig kultivierten Pflanzen, welche für den Hausgarten Wert haben, sind in den Preislisten der Samenhandlungen zumeist unter der Bezeichnung der Sommerblumen zu finden. Hierher gehören die Levkojen, Balsaminen, Astern, Reseda, Vergißmeinnicht, Stiefmütterchen usw. Wir 1 An einem kleinen Bächlein im Cölner Volksgarten ist eine solche kleine Alpenmatte zusammengestellt, in der nachfolgende Arten angepflanzt sind. Es sei darauf hingewiesen, daß diese Anordnung keinen Anspruch auf pflanzengeographische Wahrheit macht, sondern daß nur auf physiognomische Treue hingewirkt wurde. Hier wachsen: Adonis vernalis, Androsace sarmentosa, Antennaria tomentosa, Aretia vitaliana, Armeria alpina, Aster alpinus, Aubrietia graeca, Cerastium Biebersteinii, Cyclamen Coum, Dianthus alpinus, Epimedium alpinum, Erica versch. Spezies, Gentiana acaulis, Gnaphalium Leontopodium, Hepatica triloba, Hieracium aurantiacum, Iberis sempervirens, Papaver alpinum, Phlox setacea, Primnla versch. Spezies, Ramondia pyrenaica, Saxifraga versch. Spezies, Silene Schafta, Viola cornuta. _____ ■^^H^^H^Hi BLUMEN 43 wollen sie alle unter dem Sammelnamen »Blumen« zusammenfassen, der ja in den Kreisen der Nichtgärtner dafür geläufig Abb. 18 ist, und noch hinzurechnen die vielfach beetweise angepflanzten Zwiebelgewächse, wie Tulpen, Hyazinthen, Krokus, sowie die 44 BLUMENZUSAMMENSTELLUNGEN in Deutschland nicht im Freien aushaltenden, für Beetbepflanzung in Gärtnereien herangezogenen Gewächse, wie Pelargonien, Heliotrop, Fuchsien usw. Auch hier sind Aufzählungen überflüssig, dagegen ist einiges über die Zusammenstellung der Blumen zu sagen. Die Blumen werden selten einzeln, meist zu mehreren vereinigt, im Garten verwendet. Nun legte man früher großen Wert auf die Grundrißformen der Beete. Sehr komplizierte Muster wurden in sorgfältiger Weise mit kleinbleibenden Pflanzen von bunter Belaubung oder mit schönen Blüten ausgefüllt, so daß die Eigenart der Pflanze vollständig zurücktrat vor der Gesamtwirkung des Beetes sowohl hinsichtlich der Form der Beetzeichnung als auch der Farbenwirkung. Man nennt diese Art von Beeten Teppichbeete. Es wird zugegeben, daß Teppichbeete sehr reich und prächtig aussehen, wenn ihre Grundrißformen schön sind und wenn die Zusammenstellung der Farben gut ist. Meistens sieht man dagegen Formen, wie sie kein Künstler als Arabeske, kein Zweig des Kunsthandwerkes als Tapetenmuster, Gardinenzeichnung oder Schmiedeeisenverzierung durchgehen ließe, Formen, welche an sich durchaus unschön sind, Gebilde der armseligsten Reißbrett- und Zirkelübungen. Ich bedaure bei dem Anblick eines solchen Beetes jedesmal, wieviel Sorgfalt auf die Anzucht der Pflanzen, wieviel Mühe auf die Bepflanzung des Beetes verwandt wurde. Nur in seltenen Fällen hat ein Teppichbeet Daseinsberechtigung. Die große Zahl von Blumen und farbenprächtigen Blattpflanzen, die zu dessen Herstellung notwendig ist, kann meist viel besser zur Geltung kommen, wenn man damit geradlinige Rabatten und einfachste geometrische Beetformen, wie Kreise, Ovale, Rechtecke und ähnliche Figuren besetzt. BLUMENZUSAMMENSTELLUNGEN 45 Bei der Bepflanzung von Beeten kann man auf verschiedene Weise verfahren. Man kann Blumen von einer Farbe, ja derselben Art, auf einem Beet vereinigen oder alle möglichen Arten und Farben in buntem Durcheinander daraufpflanzen. Im kleinen Garten wird sich letztere Methode mehr empfehlen, zumal wenn der Besitzer Pflanzenfreund ist, der an jeder einzelnen Blume Freude hat. Im größeren Garten von streng architektonischer Gliederung, der im Zusammenhang mit monumentaler Architektur steht, wird eine farbenweise Gruppierung auf den einzelnen Beeten angebracht sein. Ja, ein ganzes Schmuckstück, in einer einzigen Farbe gehalten, ist unter diesen Umständen von sehr guter Wirkung. Um die Grenzlinien der Beetzeichnung sauber und leuchtend herauszuheben, empfiehlt sich die Einfassung durch eine niedrige Pfianzenart. Dies gilt besonders von den Beeten, auf welchen man ein buntes Gemisch verschiedener Blumen vereinigt hat. Daß auf einem solchen gemischten Blumenbeete nicht alle möglichen Pflanzenarten ohne Auswahl durcheinander gepflanzt werden dürfen, versteht sich von selbst. Die Höhe und die Blütezeit, aber auch der ganze Bau der Pflanzen müssen berücksichtigt werden. Gewächse mit rings um den Stamm sich ausbreitenden, großen Blättern, etwa wie Tabak, dürfen nicht mit zierlich gestalteten, schlanke Blütenstiele tragenden wie z. B. Nelken, auf demselben Beete vereinigt werden. Ebenso sehen große und kleine Blüten nebeneinander schlecht aus. Die Abb. 19 und 20 enthalten Blumenbeete von einfachen Formen, welche durch Einfassungen aus heilaubigen Pflanzen abgegrenzt erscheinen. Schließlich sei noch eine Art Blumenpflanzung erwähnt, welche sich für den kleinen Hausgarten besonders gut eignet, 46 SCHLING- UND KLETTERPFLANZEN da man Stauden und Sommerblumen darin vereinigenkann. Ein beliebiges Gartenstück (keine bestimmte Beetform) wird mit allerlei ausdauernden Stauden, Zwiebel- und Knollengewäch- Abb. 19 sen dicht bepflanzt. In jeder Jahreszeit wird ein Teil davon in Blüte sein, manche werden bereits verblüht, andere noch im Beginn ihrer Entwicklung sein. Hier entstehen Lücken in der bepflanzten Fläche, welche durch einjährige Blumen der Jahreszeit, also im Frühling mit Vergißmeinnicht, Stiefmütterchen, im Sommer mit Sommerblumen ausgefüllt werden. In dem Gärtchen des Freundes P. (Seite 102) ist das Mittelstück des hinteren Gartenteiles so behandelt. Wir haben im vorstehenden einen Überblick über die Gewächse des Gartens in ihren beiden großen Gruppen der Holzgewächse und der krautartigen Pflanzen gewonnen. Zu den letzteren zählen noch die verschiedenen Gemüsepflanzen, deren nähere Besprechung über den Rahmen dieser Abhandlung hinausginge, dagegen verdient noch eine physiognomische Gruppe der Würdigung, welche sowohl holzige als auch krautige Pflanzen umfaßt, die Schling- oder Kletterpflanzen. Man unterscheidet botanisch mehrere Gruppen von Kletterpflanzen, erstens SCHLING- UND KLETTERPFLANZEN 47 Abb. 20 solche, welche ihre Zweige auf das Geäst benachbarter Sträucher legen, wie die Brombeeren; zweitens solche, welche sich, wie der Wein und die Wicke, mit Greif- oder Wickelranken an benachbarten Zweiggruppen festhalten; drittens solche, welche sich um ihre Stütze wickeln wie die Bohnen und der Hopfen; viertens solche, welche, wie der Efeu, mit Klammerwurzeln an Mauern, Felsen, Baumstämmen u. dergl. emporklettern. Ihre Verwendung im Hausgarten ist eine sehr mannigfaltige. Bald bedecken sie eine ganze Hauswand, wie in Abb. 21, bald werden damit einzelne Linien am Mauerwerk emporgezogen, wie in Abb. 22 u. 23; oder sie schlingen sich, wie die Klematispflanze auf Abb. 24, locker um Gebälk. Aus Rosen bildet man gerne Bögen als Eingangstore, wie in der Abb. 32. Auch berankt man mit Schlingpflanzen Balkone, Pergolen oder Lauben, wie in der Abb. 25. Häufig sieht man die Schlingpflanzen auch als Girlande zwischen höheren oder niedrigen Baumstämmen. 43 SCHLING- UND KLETTERPFLANZEN Abb. 21 Diese Verwendungsart ist jedoch nur dann zu empfehlen, wenn tatsächlich die schönen Linien einer hängenden Schnur vorhanden sind, dagegen ist das Beranken straff angezogener Drähte, PFLANZENGEMEINSCHAFTEN 49 welche zwischen dem Boden und dem Baume gespannt sind, durchaus unschön und daher zu verwerfen. Bei der Besprechung der Gehölze wurde darauf hingewiesen, daß man in größeren Gärten durch die Vereinigung in der Natur zusammen vorkommender Bäume und Sträucher Anklänge an Naturszenen wachrufen könne. Zu ihrer liebevollen Durchführung gehören aber nicht nur die Gehölze, welche das Gerippe ausmachen, sondern auch Kräuter und Schlingpflanzen. Deshalb sei hier, nachdem die Pflanzentypen autgezählt sind, näher darauf eingegangen. Mancher Leser wird vielleicht einen Widerspruch darin finden, daß ich für den Hausgarten die architektonische Gestaltungsweise bevorzuge und gleichzeitig den Vegetationsbildchen das Wort rede. Wenn einer aus seinem Hausgarten eine Heide oder einen Sumpf machen will, oder wenn er ein Stück Wald als Garten ansieht und wegen der Naturtreue dieses Landschaftsbildes auf die für den Hausgarten nötigen Bequemlichkeiten verzichtet, so kann Encke, Hausgalten 4 Abb. 22 5° PFLANZENGEMEINSCHAFTEN Abb. 32 ich dem nicht beipflichten, ganz abgesehen von der Gefahr, in alberne Spielerei hineinzugeraten. Aber in jedem Hausgarten, auch dem, welcher geradlinige Wege und regelmäßige Baumreihen aufweist, sind, wenn er gemütlich sein soll, auch mehr oder weniger dichte Pflanzungen aus Bäumen und Sträuchern. Warum sollen diese der Reize entbehren, welche die natürlichen Pflanzenansiedelungen am Waldrand oder am Bachufer oder am heideüberwucherten Hange so malerisch machen? Haben wir doch draußen unsere Freude an diesen kleinen Naturbildchen! Der Grund dafür, daß wir etwas Derartiges im Garten, selbst im Landschaftsgarten, so selten sehen, ist das Zünftige in der üblichen Herstellung der Gehölz- PFLANZENGEMEINSCHAFTEN 51 pflanzungen, das handwerksmäßige Mischen der gangbarsten Arten reichblühender Sträucher und Bäume und eine zu starke Betonung der Farbe auf Kosten des ganzen Habitus der einzelnen Pflanzen und der feinsinnigen Zusammenstellung von Baum, Strauch und Kräutern. Die Abb. 26, 27, 28 und 29, welche nicht etwa im Walde, sondern in Gärten aufgenommen sind, sollen veranschaulichen, was ich unter den Anklängen an Naturszenen verstehe. Abb. 26 zeigt ein Stückchen lichten Fichtenwald (es sind in der Tat etwa zwanzig Stämme), durch welches ein kleines Rinnsal fließt. An einigen Stellen haben sich Farnkräuter zwischen dem zutage tretenden Gestein am Ufer angesiedelt, an anderen verliert sich das Abb. 24 52 WALDINNERES Wasser im Gesträuch, welches zumeist aus Alpenjohannisbeeren, Liguster, Holunder und Hartriegel besteht. Im Hintergrund schließt dichtes Buschwerk das Bildchen ab. Ein schmales Pfädchen führt in das Waldstück- chenhinein (vergl. Abb. 37 im Ab- Abb. 25 schnitt »Wege«); denn hier ist es stets schattig und kühl. Man setzt sich entweder auf das Bänkchen, oder man legt sich in die Hängematte, welche (links im Bilde) an einer freien Stelle zwischen zwei Fichtenstämmen befestigt ist. Während an dem Pfädchen Walderdbeeren, Sauerklee, Lungenkraut, Haselwurz und andere Waldkräuter gedeihen, ist hier der Boden dicht mit Tannennadeln bedeckt. Die Fläche, welche die kleine Szene beansprucht, umfaßt etwa 80 qm; sie ist 10 m breit und 8 m tief. Es ist die Grenzpflanzung eines nicht etwa als Miniaturlandschaft aufgefaßten, sondern regelmäßigen, mittelgroßen Hausgartens, an den im Hintergrund unseres Bildchens ein Nachbargarten stößt. Die Abb. 27 erinnert an einen Waldrand. Die ehemals WALDRAND UND WALDBLOSSE 53 Abb. 26 dichte Gehölzpflanzung ist am Rande gelichtet, so daß die Stämme der stärkeren Bäume hervorleuchten. Am Rande stehen allerlei Kräuter, unter denen der rote Fingerhut und das Hexenkraut vorherrschen. Da beide Arten viel Schatten vertragen, verlieren sie sich allmählich im Dunkel der Gehölzpflanzung. Der Abb. 28 hat eine kleine Waldblöße als Vorwurf gedient. Den Boden der Lichtung bedecken Farnkräuter; dazwischen sprießen Fingerhut und Königskerze. Zwischen den Stämmen hindurch wirft die Sonne helle Lichter auf den Boden und die in verschiedenen Alterklassen vorhandenen Waldbäume. Die Entfernung von der Fichte im Vordergrund links bis zu dem starken Eschenstamme beträgt 4 m; von diesem bis zu der jüngeren Eiche im Hintergrund sind es 9 m. Die angegebenen Maße zeigen, bei welchen Größenverhältnissen eine derartige Anordnung möglich ist. Es lohnt wirklich der Mühe, einen 54 RINNSAL Versuch mit der Schaffung solcher Bildchen zu machen. Sie werden in jedem Falle eine Abwechslung bedeuten gegenüber dem nur allzuviel in den Gärten angewandten Rasen, den uns die englische Parkidee des 18. Jahrhunderts gebracht hat. Abb. 29 zeigt Abb. 27 einen kleinen Wasserfall, welcher nach Motiven gebaut und umpflanzt ist, die einer Regenschlucht des Riesengebirges entstammen. Er ist in dem Garten des Herrn Baurat S., der auf S. 128 beschrieben ist, zur Ausführung gekommen. Wie an dieser Stelle dargetan ist, entsprang der Gedanke, eine derartige Wasseranlage zu machen, nicht der Sucht, romantische Naturszenen im Garten anzuhäufen, vielmehr ergab sich der Gedanke der Regenrinne von selbst, weil das Tageswasser von dem oberen Gartenteile abgeleitet werden mußte. Den vorgeführten Bildchen war, m. E., eine mehr oder weniger behagliche Stimmung eigen. Ebenso trägt ein dichtes Nadelholzdickicht einen gewissen Ernst zur Schau, während ein Üfe ■■. r - •*$* ;• v .' '_' 1 1 S|'- ' j, i l! 19 I*«... , « jj ,1' i H ~/M ' *% ■wk^ 3s kT §&> ä£s -.1 ■'-;. . J"' --*«*£, sr* -/ • \. r ■V.- ./.'•■■■ • •• * i 0 ■ ■ , - -« - V"* BÜhly, , ä *Ä «y - <; ^ X ^ sä ^ •_-. ... £w~a liur STIMMUNG IN DER GARTENSZENE 55 lachender, blühender Rosenhag zur Heiterkeit und Freude stimmt. Aber nicht nur die landschaftlich natürliche Anordnung ist es, welche solche Stimmungen zu erzeugen vermag; denn der regelmäßig angeordnete Rosengarten wird der Stimmung des Rosenhages entsprechen, die Nadelholzallee wird den Ernst des Nadelwaldes übertreffen. Die Abb. 30, welche eine Szene aus Groß-Trianon bei Versailles darstellt, beweist die Möglichkeit der Stimmung in einem streng architektonischen Garten. Man könnte dem Bildchen die Überschrift »Ruhe« geben. Das durch die Raschlebigkeit und die Häufung der Eindrücke im täglichen Leben dauernd in einer gewissen Erregung gehaltene Gemüt des tätigen Menschen der Gegenwart muß, wenn es sich überhaupt Empfindungsfähigkeit bewahrt hat, den wohltuenden Eindruck der Ruhe in der dargestellten Garten- • ;-l<-fl Ute fei pSfe* St est* SjSp (JkwSrl* ■^'•-^5mBkS^Sk ' JL. _ «V v i_ 1 1 '- ■ _ ^!- Abb. 28 STIMMUNG IN DER GARTENSZENE * i - 1 £ - •*? ?•-:' J?*^f,- '^VÄwr *, IN - : 4 '■■■■■: '" P5»3 - / f ,./ I - ■ Jfä n d' Abb. 29 szene gewinnen. Er ist nicht zum wenigsten der Einheitlichkeit und Einfachheit der geschorenen, geradlinigen Weißbuchenhecken zuzuschreiben, der einzigen Baumart, die hier Verwendung gefunden hat. Überhaupt ist der Charakter der Szene durch die geringe Anzahl und die Einfachheit der aufgewandten Mittel IM FREIEN NICHT AUSHALTENDE PFLANZEN 57 bedingt. Je weniger verschiedene Gegenstände ein Gartenbild ausmachen, desto ruhiger ist der Eindruck; je mehr Objekte zu einem Bilde vereinigt sind, desto lebhafter und heiterer wird es wirken. An der Ausschmückung des Hausgartens durch Pflanzen sind außer den heimischen und den eingeführten Gewächsen, welche unsere Winter im Freien aushalten, noch solche beteiligt, welche in Gefäße gepflanzt und nur im Sommer und Herbst im Garten aufgestellt werden. Man kann sie nur verwenden, wenn man Gelegenheit hat, sie zu überwintern, sei es in Gewächshäusern oder in frostfreien Räumen des Hauses. Ihr Wert liegt darin, daß sie physiognomischen Gruppen angehören, welche bei den in Deutschland winterharten Pflanzen nicht vertreten sind. Palmen, Bananen, Drazänen, Agaven und Lorbeeren werden am meisten in den Gärten angewandt. Abb. 30 58 IM FREIEN NICHT AUSHALTENDE GEHOLZE Abb. 31 Im kleinen Gärtchen mag sich der Besitzer an den einzelnen Pflanzenexemplaren erfreuen, die er an irgend einer geschützten Stelle des Gartens aufstellt. In größeren Gärten, in welchen zahlreiche Pflanzen von fremdartigem Aussehen gehalten werden, sollte man durch Zusammenbringen aller eine interessante Szene herzustellen suchen, welche charaktervoll genug ist, um einen kräftigen Eindruck auf den Beschauer auszuüben. Verzettelt man diese Fremdlinge aber im ganzen Garten, so wirken sie oft geradezu störend und unangenehm. Früher galten in fürstlichen Gärten Orangenbäume für besonders prunkvoll. In kleinen Gärten wurden die meist der neuholländer Flora angehörenden Gewächse aufgestellt, welche in den großen Anlagen zusammen mit den Orangenbäumen überwintert wurden. Heute sieht man diese Insassen der Orangerien kaum mehr. Dafür sind die Pyramiden und Kronenbäume IM FREIEN T NICHT AUSHALTENDE GEHOLZE 59 des Lorbeers sehr beliebt geworden. Sie sind wesentlich anspruchsloser und billiger als jene schwer zu pflegenden Pflanzen. Da, wo man durch Symmetrie und Ebenmaß wirken will, und wo eine gewisse gespreizte Würde erwünscht ist, sind sie sehr angebracht. Ähnliches gilt von den Agaven, deren ornamentale Blattrosetten siezurBekrönung von Pfeilern u. dergl. sehr geeignet erscheinen lassen. Auf der Abb. 31 ist ein Sitzplatz, der von den Ästen einer Paulownia und einer Roßkastanie überschattet ist, mit Drazänen, Gummibäumen und Palmen ausgeschmückt. In dem Schatten des Baumes gedeihen diese Pflanzen sehr gut, und die fremdartig großen Blätter der Paulownia und Kastanie passen vorzüglich zu dem Laub der Gummibäume und Drazänen. Da gegenüber der Bank auch noch Palmen aufgestellt sind, so entsteht hier ein Bildchen, das durch seinen pflanzenphysiogno- misch fremdartigen Charakter Interesse erweckt. 6o WEGE \in mit Gewächsen bepflanztes, eingefriedigtes Stück Land ist noch kein Garten, es muß vielmehr durch Wege für den Besucher zugänglich gemacht werden. Die Wege machen den Hausgarten erst bewohnbar und gemütlich. In der großen künstlichen Parklandschaft sind die Wege meist nur Mittel zur Erschließung des Geländes. Deshalb führt man sie vielfach so, daß sie von den Aussichtspunkten aus möglichst wenig gesehen werden. Man hat diese Gewohnheit auch auf den Hausgarten übertragen und die Wege vieler Gärten, soweit es durchführbar war, außerhalb der Sehlinien angelegt, weil man das Gartenbild durch sie nicht »stören« will. Wie wir im Verlaufe meiner Ausführungen wiederholt sehen werden, hat man es auch hier mit der gedankenlosen, sklavischen Übertragung der Parklandschaft auf die kleinen Hausgartenverhältnisse zu tun. Was ist es denn anders, wenn man zwischen der Eingangstür zum Garten und einer gegenüberliegenden Laube oder dergl. ein kleines rundes oder viereckiges Grasstück legt, das mit einigen Büschen bewachsen ist? Der kleine Rasenfleck ist die Miniaturausgabe der großen Wiesenflächen vor der Schloßfront in einem Landsitz aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Nach meinem Dafürhalten ist in diesem Falle der gerade Weg die verständigste und schönste Verbindung zwischen dem Eingang und seinem Gegenüber. Durch die geraden Linien, welche die Wegekanten, die Beeteinfassungen und die Pflanzung der den Weg begleitenden Beete bilden, wird eine enge Beziehung zwischen Haus und Garten, Hauseingang und Gartenlaube, hergestellt. Dieser Weg DER GERADE WEG 6l Abb. 32 bildet ein festes Rückgrat, eine Mittelachse des Gartens, von welcher aus dessen weitere Gliederung straff architektonisch erfolgen kann. Der gerade Weg ist als Zugang zu einem Ziele praktisch, und er wirkt behaglich gemütlich, wie die mancherlei Beispiele, Abb. 32, 60, 96 u. 112, zur Genüge zeigen. Je enger der Hausgarten mit dem Hause in Verbindung steht, desto be- 62 DER KRUMME WEG rechtigter ist der gerade Weg. Deshalb gehören in ein kleines, rechteckiges Gärtchen oder in einen Gartenhof im allgemeinen nur geradlinige Wege. Ebenso sind sie im Nutzgarten am Platze, da sie die bequemste Ausnutzung des Grundstückes ermöglichen. Deshalb wird der Hausgarten, welcher zugleich Nutzgarten ist, im wesentlichen ein Netz von rechtwinkelig sich kreuzenden Wegen aufweisen. Vergl. den Grundplan des Pfarrgartens, Abb. 58 S. 93. Für einen Rundgang im Garten ist jedoch der krumme Weg vorzuziehen, da es angenehmer ist, einer Kurve als einer rechtwinkelig gebrochenen geraden Linie zu folgen. Die Kurve wird da am Platze sein, wo man nicht auf ein Ziel losgehen, sondern auf einem Spaziergang zum Ausgangspunkte zurückkehren will. Der in einer Kurve verlaufende Weg ist auch durchaus nicht häßlich. Im Gegenteil bilden die zwei parallelen Bogen der Wegekanten sehr schöne Linien, wie auf der Abb. 33 zu sehen ist. Der krumme Weg erregt erst dann unser Mißfallen, wenn er zu stark gekrümmt und deshalb unbequem zu begehen ist, oder wenn er sich schnell aufeinander in wechselnder Richtung krümmt. Die Frage, ob ein Weg im Hausgarten gerade oder krumm sein soll, streift an sich den Streit darüber, ob der Aufbau des Gartens architektonisch oder landschaftlich zu gestalten ist, in keiner Weise; denn in einem durchaus architektonisch angelegten Garten können Kreisbogen, also Kurven, vorkommen. Sie ist vielmehr eine Bedürfnisfrage. Dies zeigt sich in unebenem Gelände besonders auffällig. Will man z. B. in einem durch Höhenschichtenlinien von 1 m Höhenabstand dargestellten Gelände einen Weg von bestimmter Steigung entwerfen, so nimmt man die Strecke, auf welche der Weg einen m steigen soll, in den Zirkel und legt diese zwischen je zwei WEGEZÜGE IN UNEBENEM GELÄNDE JSFI «j ■* ii» 2» Abb. 33 benachbarte Höhenschichtenlinien. Es entsteht auf diese Weise meist ein krummer Weg, der deshalb praktisch und schön ist, weil er in dem gewünschten Steigungsverhältnis gleichmäßig ansteigt und sich dem unebenen Gelände anschmiegt, ohne daß größere Erdarbeiten nötig werden (Abb. 34). Die Verbindung zweier durch die Verhältnisse gegebenen geraden Wegerichtungen, welche unter einem stumpfen Winkel 6 4 UNSCHÖNES HÄUFEN KRUMMER WEGE zueinander geneigt sind, ist ebenfalls am einfachsten durch eine Kurve herzustellen. In beiden Fällen fehlt die Absicht einer parkartigen Gestaltung, und doch werden die Wegezüge nicht geradlinig, sondern in schlanken Kurven verlaufen. Daß da, wo eine solche Wegeführung notwendig erschien, vielfach auch eine ungezwungene, unregelmäßige Anordnung des Gehölzmateri- ales am Platze ist, wird A\V\\\\\ \ i I 1 1 il üTI/_/ ^ J eder zu g eben ' Ebe nso Abb. 34 wird mir jeder beistimmen, daß in unebenem Gelände nicht immer die Lösung durch Terrassierungen, Treppenanlagen usw. angängig ist, da sie zu viele Kosten verursachen würde, und daß in solchen Fällen die krummen Wege unbedingt notwendig sind. Ja, in bergauf, bergab gehendem Gelände ist der gerade Weg sogar vom Übel, da die gerade Linie hier nur im Grundplan vorhanden ist, während die Wegekanten tatsächlich krumm sind und dem Auge als häßliche, gekrümmte und gebrochene Linien erscheinen. Das Krümmen der Wege im Hausgarten ohne Grund ist dagegen durchaus zu verwerfen. Die Sinnlosigkeit dieses Verfahrens wird dann besonders klar, wenn man zwei Kurven desselben Weges übersehen kann. Man sieht nicht ein, warum man sich erst nach rechts wenden soll, wenn der Weg später nach links abschwenkt. Daß das Aneinandersetzen gekrümmter Wege auch bei geometrisch regelmäßigem Grundriß unschön ist, zeigt Abb. DIE BREITE DER WEGE 65 35. Nach dem Grundriß dieses Gartenteiles (Abb. 36) wird derlJn- befangene kaum vermuten, daß die darauf dargestellten Wegefiguren als jene schlangenartigen Abb. 35 Windungen der vorigen Abbildung dem Auge sich darbieten. Die Breite der Wege im Hausgarten ist je nach ihrer Bedeutung verschieden zu bemessen. Vom schmalen Pfädchen von einem halben m Breite, welches intime Gartenwinkelchen zugängig macht, bis zur drei bis vier m breiten Auffahrt können alle Breiten vorkommen. Im allgemeinen werden die Wege im Hausgarten 2,5 bis 1,5 breit sein. Schmälere Wege sind Pfade, welche von zwei Personen nebeneinander nicht mehr gut begangen werden können. Encke, Hausgarten 5 66 WEGRANDER Da der Hausgarten nicht malerische Unordnung und Zufälligkeit, wie sie uns in der freien Landschaft wohl reizvoll erscheint, sondern Nettigkeit, Behaglichkeit, Wohnlichkeit und Ordnung aufweisen soll, so ist eine scharfe Zeichnung der Wegeränder erwünscht. Stößt der Weg an Grasflächen, so müssen die Graskanten sauber, der Weglinie folgend, abgeschnitten werden, doch dürfen diese abgestochenen Kanten nur wenige cm hoch sein. Noch schöner ist es, wenn das grüne Gras bis hart auf den Weg hinuntergedrückt wird. Grenzen Blumenbeete an den Weg, so bedient man sich zur Herstellung der Begrenzungen niedriger Gewächse als Einfassung. Am bekanntesten und brauchbarsten ist der Buchsbaum, den man durch Beschneiden in sehr scharf ausgedrückten Linien halten kann. Aber auch niedrig bleibende Stauden und Sommerblumen können einem Weg als Einfassung dienen, z. B. Primeln, Aurikeln, Federröschen. x Von Zeit zu Zeit müssen die auf dem Boden kriechenden Arten durch Abstechen zu vorwitzig in den Weg wachsender Triebe in ihre Schranken zurückgewiesen werden. Das genaue Einhalten der Kantenlinien wird erleichtert, wenn man sie bei dem Bau des Weges durch verzinktes Eisenblech bezeichnet, welches etwa 3 cm über den Weg hinausragt, auf der Rückseite aber mit Erde hinterfüllt wird. Da, wo die Wege mit den von ihnen umschlossenen Beeten geometrisch regelmäßige Flächenzeichnung bilden, ist auch wohl eine Einfassung aus totem Material, etwa durch Ton und Stein, 1 Es seien noch genannt von Stauden: Armeria maritima, Aubrietia graeca, Antennaria tomentosa, Campanula carpathica, Arabis alpina, Saxifraga caespi- tosa, Iberis sempervirens und im Nutzgarten: Erdbeeren, Schnittlauch, Sauerampfer; von Sommerblumen: Ageratum mexicanum nanum, Pyrethrum par- thenifolium aureum. Sanvitalia procumbens, Tagetes patula »Ehrenkreuz« und für das Frühjahr Maßliebchen und Vergißmeinnicht. IÄ FARBE DER WEGE 67 möglich. Äußerst "'■''" geschmacklos ist jedoch die Ver'■ ' i wendung solcher 1 1 Erzeugnisse, welm 1 che die natural listische Nachahmung von Natur^ "'•' ' formen sind. — - - - l Ein kleiner Pfad, der zu einem l Ruheplätzchen l im Gebüsch führt, bedarf keiner Heraushebung - « - t"^"**^ . 'S'4' .'"'f ■jtfi&.'*k seiner Grenzlinien. Hier lasse man die Waldkräuter, die den '&%■'*' Mc& Ä-ÄMI B^EwCCa^H K.^^HftM»i "^^Tikj^» jVBTS^C Boden bedecken l sollten, sorglos an Abb. 37 das Pfädchen herantreten, wie aui der Abb. 37, wo Walderdbeeren, Sauerklee, Heidelbeeren usw. den Pfad im Verein mit l dem Buschwerk ungezwungen begrenzen. Daß die Wege technisch gut hergestellt sein sollten, ist selbstverständlich. Vor allem sind sie durch geeignetes Längsgefälle und durch Bestreuen mit steinigem Material stets trocken zu halten. Diese obere Decke gibt dem Weg auch die Farbe. I Kies ist gewöhnlich hellgelb bis braun, je nach seiner Eisenhaltigkeit. Die braune Farbe (etwa gebrannte Terra di Siena) 5* 68 EIGENARTIGE AUSGESTALTUNG DER WEGE stimmt ausgezeichnet zum Pflanzengrün. Helle Töne sehen sauber und freundlich aus. Das Graue des sog. Marmorkieses paßt als neutrale Farbe zu jeder Umgebung, sei es grüner Rasen oder seien es bunte Blumen. Jeder Weg im Garten sollte eine gewisse Eigenart haben. Diese wird in erster Linie durch seinen Zweck hervorgerufen. Der eine Weg ist der Zugang zum Hause; der andere führt zu einem Sitzplatz, einer Laube; ein dritter gestattet einen Rundgang durch den Garten; ein vierter bildet nur eine Trennung verschiedener Gartenteile. Die Eigenart des Weges wird aber auch durch die Art und Weise seiner Umgebung beeinflußt. Und hier sollte eine reiche Abwechslung herrschen. Manche Wege liegen sonnig zwischen Rasenflächen und Blumenbeeten, andere werden von Baumreihen beschattet oder führen durch dichtes Gehölz, manche sind zu einem Laubengang ausgestaltet oder mit Schlingpflanzen überdeckt. Bald lugen die Zweige der umgebenden Pflanzung neugierig in den Weg hinein, bald ist er von geschorenen Hecken eingeschlossen oder führt an einer Brüstungsmauer oder einem Geländer entlang. Überall im Garten sollte langweiliges Einerlei vermieden werden und erfrischende Abwechslung herrschen; besonders gilt dies von den Wegen, da sie die Stellen des Gartens sind, auf welchen sich die Hausbewohner tagaus, tagein bewegen, und von welchen aus ihnen immer wieder neue Eindrücke geboten werden sollen. Das Gleiche gilt von den Wegeerweiterungen, den Plätzen, welche im folgenden Abschnitt Erwähnung finden. 69 GARTENBAULICHKEITEN enn der Hausgarten ein Stück Wohnung sein soll, so gemütlich, wie nur ein behagliches Wohnhaus sein kann, so bedarf er nicht eines, sondern mehrerer Sitzplätze. »Unterm Nußbaum«, »in der Laube«, »im Gartenhäuschen«, — wie anheimelnd muten uns diese Bezeichnungen an! Wir sehen im Geiste den behaglichen Familienkreis, wie ihn früher die Zeitschrift »Gartenlaube« oder die Richtersche Vignette des »Daheim« darstellte, zu vernünftigem, ruhigem, gemütvollem Lebensgenuß im eigenen Heim vereinigt. Wir erinnern uns vielleicht manches Gartenhäuschens, wie sie die Biedermeierzeit und vorher die Romantik des englischen Gartens in seiner Übertragung nach Frankreich und Deutschland hervorgebracht. Rous- seaus Hütte in Ermenonville, die mancherlei Gartenhäuser im Wörlitzer Park und die an so vielen Orten zu jener Zeit entstan- 7 o GARTENHÄUSCHEN denen Häuschen, sie sind in ihrer Weise ebenso gemütlich und anmutig, wie die zierlichen Latten- hüttchen und Treil- lageplätze, die aus dem Zeitalter des Rokoko sich in die spätere Zeit hinübergerettet haben. Man vergleiche die Abb. 3 8 aus Dessau, Abb. 39 aus Homburg vor der Höhe, Abb. 40 aus Veitshöchheim und Abb. 41 aus Wertheim am Main. Dae, was alle diese verschiedenen kleinen, Bauwerke gemeinsam haben, ist das Einfache, Anspruchslose. Sie wollen nur ihrem Zwecke dienen, ohne zu protzen. Die auf Abb. 38, 40 und 41 vorgeführten sind Gartenhäuser, von denen 38 und 41 massiv umschlossene Zimmer, 40 eine nur oben gedeckte Laube darstellen. Das auf der Abb. 39 wiedergegebene mit seinem weitüberstehenden Dach ist ein Unterstandshäuschen an einem öffentlichen Wege. Ich bin weit davon entfernt, das Heil der Gartenausstattung im Hervorholen und Zusammensuchen der Erzeugnisse früherer Jahrhunderte zu suchen, wünsche vielmehr, daß unsere Gärten in jeder Beziehung Schöpfungen der Gegenwart und so im Abb. 39 GARTENHÄUSCHEN 71 besten Sinne des Wortes modern sein möchten. Ich glaube aber, daß viele Versuche, etwas Neues in der Gartenhausarchitektur zu schaffen, wohl hie und da ansprechende und schöne, aber fast immer zu prunkvolle Ergebnisse haben. Die meisten derartigen Bauwerke gehören in fürstliche Gärten und passen nicht in den bürgerlichen Hausgarten. Wenn ich auf jene ein- Abb. 40 7 2 NATURHOLZ-BAUTEN fachen Häuschen vergangener Zeiten hingewiesen habe, so geschah es nicht in der Absicht, diese genau so wieder für unsere heutigen Gärten zu empfehlen, sondern um auf das Zweckentsprechende, den jeweiligen Verhältnissen Angemessene jener alten Gartenbauwerke aufmerksam zu machen. Ebenso liegt es mir fern, den Torheiten einer falsch aufgefaßten Naturschwärmerei das Wort zu reden, die sich auch gerne auf Rousseau berief und in einer mit Borke benagelten Bretterbude Natur zu sehen glaubte. Diese Rindenhäuser sind ebenso abgeschmackt, wie die aus möglichst rauhem, ästigem Holze gefertigten Bänke, auf welchen zu sitzen eher eine Qual als ein Vergnügen ist; oder wie die Birkenholz-Brückengeländer, die so zierlich zusammengedrechselt sind, daß man sich beileibe nicht daran anlehnen darf; oder die sogenannten Naturholzlauben, die aus Baumstämmen und daran angenagelten krummen Aststücken bestehen, und von denen man glauben soll, die Natur hätte in solch unorganischer Weise gerade Stämme und krumme Äste aneinander wachsen lassen. Die Lächerlichkeit derartiger Erzeugnisse wird gerade dadurch erhöht, daß man diese Rindenhäuser, Brücken und Lauben in den Garten, also zwischen Baum und Strauch hineinbaut, wo der Vergleich zwischen wirklicher und dieser nachgemachten Natur nur zu bequem angestellt werden kann. Der Sinnlosigkeit wird aber dadurch die Krone aufgesetzt, daß man die »Naturholz«-Brückengeländer und -Bänke aus Gußeisen macht, da sie dann haltbarer sind. Um aber die Tatsache, daß sie aus Eisen sind, wiederum zu vertuschen, erhält das Eisenwerk einen »eichen- oder birkenartigen« Olanstrich. Es gibt keinen besseren Beweis für das geringe Interesse, welches in den letzten fünfzig Jahren für den Garten vorhanden war, als die eben angeführten Tatsachen. Sie zeigen, wie das NATURHOLZ-BAUTEN 73 Abb. 41 bewußte Streben nach der Rückkehr zur Natur, wie es Rousseau forderte, und welches vor etwa hundert Jahren so große Umwälzungen auf vielen Gebieten hervorgerufen, in der Gartenausstattung heute als Karikatur weiterlebt. Es ist dabei merkwürdig, daß die Torheiten bis heute sich erhalten haben, wäh- 74 LAUBEN UND GELÄNDER AUS LATTENWERK rend die schönen, aus Stein oder Holz erbauten Gartenhäuser, wie wir sie oben vorgeführt haben, fast ganz verschwunden sind. An ihre Stelle sind nüchterne Häuser aus Stein und Holz getreten, die von manchen als Baugewerkschul-Architektur bezeichnet worden sind, oder die ebenso häßliche Lättchenlaube mit einer Überhäufung winziger Lättchen und mit türkischem Kuppeldach aus Lattenwerk, weshalb man sie auch Kiosk nennt. Weder das Lattenwerk noch das mit der Rinde versehene Rundholz soll aus dem Garten verbannt werden. Aber anstatt der enggestellten, fast nur diagonal laufenden Lättchen, bevorzuge man quadratische Einteilungen aus wagerechten und senkrechten Latten in nicht zu kleinen Zwischenräumen, und verwende die schiefliegenden Quadrate nur untergeordnet, etwa als Umrahmung. Die Stützen seien kräftige Pfosten oder Zusammen- Abb. 42 LAUBEN UND GELÄNDER AUS LATTENWERK 75 Stellungen von mehreren senkrechten , breiten Latten. Man betrachte die Abb. 40, ferner Abb.42, die eine Laube mit daranstoßendem Laubengang von J. Trip darstellt , und das Lattenwerk auf der Abb. 43, welches ein Teil des Abschlußgeländers eines intimen Gartenteiles ist. Auch der bescheidne Laubengang (Abb. 68) diene als Beispiel. Kräftiger Abb. 43 und weniger an das Lattenwerk der Barockzeit erinnernd ist die Holzarchitektur, wie sie Peter Behrens in der Norddeutschen Kunstausstellung in Oldenburg 1905 vorgeführt hat (Abb. 44), und fast ohne Anklang an jene Zeit die Ausschmückung seines Gartens auf der Düsseldorfer Ausstellung 1 (Abb. 45 und 46). Das unbehobelte, sogenannte Naturholz kann man ebenfalls zur Herstellung von Lauben, Laubengängen, Geländern usw. Siehe auch Abb. T 7<5 78 DIE PERGOLA benutzen. Nur darf man dabei nicht den Anschein erwecken wollen, als seien die Holzzusammensetzungen so gewachsen, sondern man verwende die rohen Pfosten als senkrechte Stützen und wagerecht gespannte Balken, und die dünneren Stangen in ähnlicher Weise, wie bei dem Lattenwerk oben ausgeführt worden ist. Abb. 47 diene als Beispiel dafür, daß auch eine aus rohem Holz erbaute Laube ansprechend aussehen kann. Die Verbindung von Mauerwerk und Holz ergibt Lösungen, welche durch ihre größere Festigkeit reicher und behäbiger wirken als Holzbauten. Die Pergola des italienischen Gartens aus gemauerten Pfeilern mit darüber gelegten, behauenen oder rohen Hölzern ist das im Garten am meiste angewandte, derartige Bauwerk. Abb. 48 stellt den Aufgang zu einem höher- - ■J^Sf' v ■ ; »-»^ |~3v*T -'jLäjjF' ' - v •'-•** A\7 && r tWg "Sp&Jut • »•»•»«■ t * 1 %tj ■ "-^^^^B , _ ^* k . 5*f'^^^^S* ......... '.•*'••■ ■iyy/- SM^JgqT- 5?«%*.S i 11 JMS«- . •»*- *" —T" Abb. 47 MOTIVE AUS RENAISSANCEGÄRTEN 79 liegenden, durch eine Stützmauer getragenen Gartenteil aus den königlichen Gärten in Potsdam dar. Das Motiv könnte aber ebensogut in einem reich ausgestatteten Hausgarten Anwendung finden. Ja, in den Gärten, welche zu vornehmen, prunkvollen Villen gehören, ist der ganze Apparat von Balustraden, Treppen, Abb. 48 Stützmauern, säulengetragenen Ruhesitzen usw. am Platze, welche für die Patriziergärten der italienischen Renaissance so charakteristisch sind. Abb. 49 und 50, welche aus Hausgärten von Julius Trip-Hannover herrühren, sind Beispiele dafür. Mir kommt es übrigens mehr darauf an, zu zeigen, wie die bescheideneren Gärten auszustatten sind. Da möchte ich denn durch die Abb. 51 nachweisen, wie durch liebevolles Eingehen auf die gegebenen Verhältnisse auch dem nüchternsten Bauwerk ein gewisser Reiz verliehen werden kann. Das Häuschen, welches die Abb. 51 darstellt, macht sicherlich keinen Anspruch 80 BEHANDLUNG BESCHEIDENER GARTENBAUTEN auf irgendwelche Schönheit. Aber der Holzzaun, die Ruhebank, die niedrige Stützmauer mit den wenigen Treppenstufen und besonders die Umpflanzung nehmen dem öden Backsteinbau das Ungemütliche , Unwohnliche. Es kommt in der Tat in der Wohnung wie im Garten nicht so sehr auf Eleganz Abb. 49 und Reichtum an, als darauf, daß aus ihnen eine Persönlichkeit uns anspricht. Ich kann mir für solch ein Gartenhäuschen kein schöneres Motto denken, als das Verslein, welches Goethe unter eine Abbildung des seinigen im Parke zu Weimar setzte: Übermütig sieht's nicht aus, Dieses stille Gartenhaus. Allen, die darin verkehrt, Ward ein guter Mut beschert. Wieviel Ruheplätze, Lauben usw. soll denn ein Hausgarten haben? — Er kann nie zu viele haben, wenn sie recht verschiedenartig sind. Einmal soll dicht am Hause ein Sitzplatz sein, und zwar so groß, daß die ganze Familie darauf Platz VERSCHIEDENE ARTEN VON RUHEPLÄTZEN 8l hat. Ein schattenspendender Baum, etwa ein Nußbaum, eine Linde, eine Kastanie, breite seine Äste über den Sitzplatz aus. Darunter stehe ein Tisch, eine Bank und eine Anzahl Stühle. Abb. 50 E n c k e, Hausgarten 82 VERSCHIEDENE ARTEN VON RUHEPLÄTZEN Außerdem muß noch genügend Platz vorhanden sein, daß sich die Gesellschaft, welche sich hier zusammenfindet, unbehindert bewegen kann. Unter dem Laubdach eines Baumes sitzt es sich schöner, als unter einem gezimmerten Dache. Ja, am Morgen und am Abend möchte man gar kein Dach über sich haben, sondern man rückt Tisch und Stühle unter den freien Himmel, wenn's der Platz erlaubt. Wenn es aber regnet, will man nicht ins dumpfe Haus hinein, sondern man flüchtet sich lieber in die überdachte Laube. Deshalb ist es empfehlenswert, eine solche im Zusammenhang mit dem Sitzplatz am Hause aufzustellen. Ein richtiges Gartenhaus an dieser Stelle wäre, so nahe am Hause, widersinnig. Dies muß in größerer Entfernung vom Hause stehen, als ein Ziel des Spazierganges im Garten. Doch man will im Garten auch einmal ganz die Enge des Hauses vergessen und sich in die freie Natur hineinträumen. Das geschieht auf dem Sitzplätzchen, das im Buschwerk unter der Laubkrone der Bäume eingerichtet ist. Die Mitte zwischen diesen beiden Arten von Ruhegelegenheiten bilden die Sitzplätze, welche aus der Pflanzung herausgeschnitten, aber mit Heckenwerk oder Stabwerk und Geländern eingefriedigt sind. Sie wollen in die Wildnis der Pflanzung das Behagliche, Begrenzte, Abgemessene, Wohnliche des Hauses hineintragen. Eine ähnliche Verbindung von künstlichem Aufbau und natürlichem Pflanzenwuchs stellen die berankten Lauben und Laubengänge dar. Sie sind lockende Anziehungspunkte für den Besucher des Gartens. Eine Bank ladet schon zum Verweilen ein. Mehr noch eine Laube; sei sie groß, daß eine Gesellschaft darin Platz finden kann, oder biete sie eben Raum für zwei Personen. Ein Weg im Garten hat die Eigenschaft, den Be- r ^^T^^^ 8 4 GÄNGE AUS WILD- UND OBSTBÄUMEN sucher anzulocken. Mehr noch ein Weg, der als Lauben- gang ausgebildet ist. Sein Rankenwerk beschattet die Kiesfläche bis auf spielende Sonnenbilder; das gedämpfte Licht und der angenehme Schatten ziehen uns an; seine Bevorzugung gegenüber anderen Wegen gibt ihm erhöhte Bedeutung. Geschlossener als ein mit Schlingpflanzen bekleideter Laubengang wirkt ein Gang aus gebogenen Linden- oder Buchenbäumen, die den Weg hallenartig überdecken. Er wird so dunkel, daß man Fenster hineinschneiden muß, durch welche wir in den lichten, sonnigen Garten sehen können. Statt der Wildbäume können aber ebensogut auch Obstbäume einen Laubengang bilden, welcher das Nützliche mit dem Angenehmen in vorzüglicher Weise verbindet. Die Abb. =,2 stellt einen derartigen, aus Apfelbäumchen hergestellten Obstgang dar. Die Abb. 53, welche eine Reihe Zwergobstbäumchen aus demselben Garten in der Blüte wiedergibt, läßt die Pracht erkennen, in welche die Obstbaumblüte einen Garten zu kleiden vermag. Daß die Beobachtung der zahllosen Früchte, die dem Gartenbesitzer geradezu in den Mund hineinwachsen, vom Fruchtansatz bis zur Reifezeit eine nicht geringere Freude verursachen, steht außer Zweifel. Wir sehen, wie vielerlei Ruheplätze und Gartenhäuser, Lauben und Laubengänge im Garten möglich sind. Man kann im Hausgarten nicht leicht zu viele haben, wenn sie zweckmäßig sind und in ihrer Ausstattung dem Grade der Wohlhabenheit entsprechen, der im Garten sonst zum Ausdruck kommt. So kann das architektonisch reich ausgestattete Gartenhaus im einfachen Garten gerade so störend wirken, wie die einfache Laube aus Naturholz in dem prächtigen Garten, der zu einem Palast gehört. BRÜCKEN 85 . Abb. 52 Und noch ein Wort über Brücken, Bänke, Ausstattungsgegenstände. Alle Einrichtungen des Hausgartens müssen zweckmäßig sein. Jede Liebhaberei des Gartenbesitzers mag zu ihrem Rechte kommen, aber der Garten soll in allen Teilen wahr bleiben. So ist es sinnlos, eine Brücke zu bauen, wenn man ebensogut ohne eine solche auskommen kann. Im Luisium in Dessau, wo man die ersten Versuche der Landschaftsgartenkunst in Norddeutsch- 86 BRÜCKEN Abb. 53 land gegen das Ende des 18. Jahrhunderts studieren kann, hat man einem langgestreckten Teiche, der noch sehr an den Barock- Kanal erinnert, eine wurmartige Fortsetzung gegeben, nur um die Anwendung einer Bracke zu rechtfertigen. Auch im modernen Garten kann man Ähnliches beobachten, und hier, wo man nicht mehr die Empfindung des naiven Versuches aus der Kinderzeit einer Kunstrichtung hat, wirken derartige Spielereien geradezu lächerlich. Wo dagegen die Brücke die naturgemäße Verbindung zweier Bachufer oder Kanalränder ist, oder wo sonstige, tiefe Einschnitte zu überspannen sind, da soll man sich freuen, ein neues Motiv seiner Gartenschöpfung einverleiben zu können. Bei kleinen Rinnsalen ist der Aufwand einer Brücke nicht gerechtfertigt, hier wende man die Unterführung des Wassers unter dem Wegezuge oder flache Schrittsteine an. 87 3^7^^ 1 = \I in f 7 * L pm^rw t .f<¥^ Abb. 54 88 WASSER IN VERSCHIEDENARTIGER FASSUNG Was nun die Art der Brücken selbst anbelangt, so habe ich die spielerische Birkenholzbrücke bereits abfällig beurteilt. Doch kann in einem ländlichen Garten oder Gartenteil wohl eine Brücke aus unbearbeiteten Hölzern gebaut werden, ähnlich wie man auch Lauben u. dergl. daraus herrichten kann, jedoch nie in der Absicht, natürliche Bildungen dem Auge vorspiegeln zu Abb. 55 wollen. Die Abb. 54 enthält einige einfache Motive für Brücken aus bearbeitetem Holz, wie sie wohl in einen Hausgarten passen. Eine Brücke setzt das Vorhandensein von Wasser voraus. In den meisten Hausgärten wird man keiner Brücke bedürfen, da das Wasser als gefaßtes Becken mit oder ohne Springstrahl, als Brunnen, Wasserspeier u. dergl. vorkommt (Abb. 55) *, 1 Aus dem Behrens-Garten der Düsseldorfer Ausstellung. 8 9 Abb. 56 ^^■^■^H 90 GARTENMÖBEL während Kanäle, Gräben, Bachläufe, Wasserfälle und Teiche seltener sind. Das Wasser ist im Garten in jeder Art willkommen, selbst als kleiner natürlicher Tümpel, besonders wenn er durch Wasser- und Sumpfpflanzen belebt ist, wie auf der Abb. 56. Man sehe auch die Abb. 78, 82, 87, 94 u. 115. Bei den Gartenmöbeln besteht die Zweckmäßigkeit in ihrer Bequemlichkeit und Dauerhaftigkeit. Sie können aber außerdem durch ansprechende Formen gefallen und durch lebhafte Farben von dem Pfianzengrün sich abheben. Wie im prunkvollen, fürstlichen Parke die Marmorbank, so wirkt im Hausgarten die weißangestrichene Holzbank (Abb. 57). Nächst der weißen Farbe ist rot als Anstrich für Gartenmöbel zu empfehlen, während Grün nur da anzuraten ist, wo die Formen eher verdienen verwischt als hervorgehoben zu werden. Neben den Holzmöbeln seien noch die Korbmöbel erwähnt, welche leicht, haltbar und bequem sind. Wie man auf die Auswahl der Möbel für den Garten Sorgfalt verwenden sollte, so ist diese auch für die Wahl sonstiger, nicht pflanzlicher Gegenstände erforderlich, welche den Garten auschmücken sollen. Man braucht sich nur den Garten als ein Stück Wohnung zu denken, so wird man leicht herausfinden, was geeignet ist für den Garten und was nicht. Ebenso wie man die bekannten tönernen, naturalistisch angemalten Hasen und Hunde in der Wohnung geschmacklos nennen würde, so sind sie es auch im Garten. Wohnung und Garten unterscheiden sich als Aufstellungsorte für Kunstgegenstände nur dadurch, daß die Lichtverhältnisse verschieden sind; daß im Garten die Entfernungen der Gegenstände vom Beschauer, den größeren Raumverhältnissen des Gartens und dem geringeren Umschlossensein entsprechend, größer gewählt werden können als in der Wohnung; AUSSCHMÜCKUNGSGEGENSTÄNDE 91 daß daher dort ein anderer Maßstab und andere Technik angewendet werden können als hier; daß ferner der Hintergrund im Garten meist aus grünen Pflanzen ' " besteht; und daß die aufgestellten Gegenstände wetterbeständig sein müssen. Dagegen wird niemand behaupten wollen, daß im Garten eine andere Kunst, ein anderer Geschmack als im Hause gelten solle! Je mehr sich der Gedanke durchsetzt, daß Garten und Wohnung zusammengehören, desto selbstverständlicher wird es sein, den Garten von Geschmacklosigkeiten freizuhalten. Ich möchte nun an einigen Beispielen zeigen, wie sich das über den Hausgarten Gesagte in die Wirklichkeit umsetzen läßt. Bei der Auswahl der einzelnen Gärten wurden möglichst verschiedene Typen berücksichtigt. Vor allem sind solche beschrieben, welche — seien sie reich oder einfach, teuer oder billig — behaglich, gemütlich und wohnlich sind, wogegen alles Prunkvolle vermieden worden ist. Solche gänzlich auf das Prächtige gerichtete Gärten zu schildern, welche ihre Motive aus fürstlichen Palastgärten borgen, lag für mich keine Veranlassung vor. 92 DER PFARRGARTEN lie Dorfpfarre, welche für, etwa ein Dutzend Jahre meiner Kindheit meine Heimat war, hat ungefähr die Lage, wie sie in der Abb. 58 dargestellt ist. Das Pfarrhaus (a) dessen Ansicht vom Hofe aus Abb. 59 zeigt, ist ein bescheidenes, einfaches Gebäude. Aber durch seine Lage zunächst der Kirche, durch das behäbig abgewalmte Dach, durch die freundlich mit weißen Vorhängen und zum Teil mit Blumen gezierten Fenster sowie durch den großen, reicher als die Bauerngärten ausgestatteten, wohlgepflegtcn Garten läßt es seine Bestimmung als Pfarrhaus erkennen. Von der Straße betritt man durch eine schmale Pforte, die zwischen dem großen zweiflügeligen Holztore für das Fuhrwerk und dem Hause angebracht ist, den geräumigen Hof. Dieser ist nach der Straße hin durch eine Mauer, im übrigen fast ganz durch Wirtschaftsgebäude umschlossen, die teils dem Pfarrhofe, teils dem Nachbar zugehören. Über das niedrigste der Nachbargebäude hängt ein riesiger Nußbaum herüber. Er überragt es soweit, daß ein gut Teil Nüsse in den Pfarrhof fällt. Zwischen Scheune (c im Grundplane) und Pfarrhaus stützt den höher gelegenen Garten eine etwa meterhohe Mauer aus Schiefergestein, auf welcher sich noch ein etwa anderthalb Meter hoher, grün angestrichener Lattenzaun mit einer Tür befindet. Durch sie gelangt man, einige Stufen übersteigend, in den Garten. Über den Zaun ragt das Buschwerk, das auch zwischen den einzelnen Latten neugierig hervorlugt. Die Einteilung des Gartens durch die Wege ist die denkbar einfachste, wie sie der praktischen Bewirtschaftung der Flächen z t£ J 0. u W c J LD 1— 6 3 C Ct -1 et X EC Dt ü_ LI 0_ E 3 I I Q iL 'S. Q 0 r 3 9 o o ^ ^ T ry o q 1 9 ?! 6 q _J .'■■V. '.: ',-;•'■' 94 DIE EINTEILUNG DES GARTENS am besten entspricht. Von der Gartenpforte am Hause führt ein gerader Weg durch den ganzen Garten, in einem bescheidenen Pförtchen aus altersgrauen Holzlatten endigend. Tritt man hier zum Garten hinaus, so kommt man auf ein sich zwischen Gemüse- und Feldstücken hindurchwindendes Pfädchen, welches auf die nahe Landstraße führt und von den Bewohnern des Pfarrhauses und deren Freunden gerne bei den Gängen nach und von der Stadt benutzt wird. Einige zu dem Hauptwege parallel und senkrecht laufende Wegezüge vervollständigen das Wegenetz des Gartens. Längs der Wege laufen buchsbaumeingefaßte Rabatten, auf welchen Steinobstbäume stehen. Sie erhöhen die Annehmlichkeit des Spaziergängers, indem sie die Wege lauschig machen, leichten Schatten spenden und in der Blütezeit einen prächtigen Schmuck gewähren, im Herbste dagegen Gelegenheit bieten, beim Lustwandeln Mirabellen, Reineclauden, Zwetschen und Pflaumen zu naschen. Andererseits ist ihr Schatten nicht so stark, als daß er für die auf den Rabatten angepflanzten Ziergewächse nachteilig würde. Dieser Blumenschmuck auf den Rabatten zwischen den Obstbäumen ist sehr reichhaltig und verteilt sich auf viele Monate des Jahres, vom frühen Frühling bis zum späten Herbste. Den Grundstock bilden die ausdauernden Staudengewächse, von denen die Primeln, Aurikeln, Leberblümchen und Doronicum die Blütenpracht eröffnen. Ihnen folgen Diclytra, Schwertlilien, Pfingstrosen, Fingerhut, Rittersporn, Eisenhut usw., bis die Herbstastern den Schluß machen. Dazwischen sprießen die dankbaren Zwiebelgewächse, die meist im Frühjahr erscheinen, ihren prächtigen Blumenflor enthüllen und dann wieder absterben, um den Sommerblumen Platz zu machen und im nächsten Frühjahr wieder von neuem auszutreiben. Besonders sind hier Schnee- DIE BEPFLANZUNG DER RABATTEN 95 Abb. 59 glöckchen, Szilla, Tulpen, Narzissen, Feuerlilien, Türkenbund- und weiße Lilien sowie Kaiserkronen vertreten. Inzwischen sind auf einigen Saatbeeten die Sommerblumen herangezogen worden, so daß jetzt nach dem Abblühen der Zwiebelgewächse Levkojen, Zinnien, Tagetes, Balsaminen, Skabiosen usw. auf die freien Stellen gepflanzt werden können. Schon vorher sind aber auch die prächtigen Blumen, welche zweijährige Kultur erfordern, hier eingepflanzt worden, so daß jetzt Glockenblumen, Nelken u. dergl. den Blumenschmuck vervollständigen. Selbst wenn gerade nur wenige Gewächse in Blüte sind, wirken sie dennoch reich und füllen für das Auge die Beete, da auf den langen Rabatten die blütenlosen Zwischenräume infolge der perspektivischen Verkürzung verschwinden (Abb. 60). Einige durch Bäume und Buschwerk beschattete Plätze bilden die gerne aufgesuchten Zielpunkte der Wege und ersetzen im Sommer vielfach die Räume des Hauses. Da ist zunächst der DER PLATZ AM HAUSE 97 Platz dicht am Eingang, wenige Schritte vom Hause gelegen, durch die Scheunenwand gegen Sonne und Zugwind geschützt (Abb. 61). Er heißt der Eßplatz, womit sein Zweck als Sommer- Speisezimmer angedeutet wird. Er könnte aber ebensogut Wohnplatz genannt werden; denn er wird vom frühen Morgen an von den Frauen des Hauses zu häuslichen Verrichtungen benutzt. Die Scheunenwand ist durch wilden Wein begrünt, welcher malerisch vom Dachfirst herunterhängt. Im übrigen Abb. 61 umschließt ihn dichtes Gebüsch aus Goldregen, Flieder, Jasmin und anderen schönblühenden und wohlriechenden Sträuchern. Die einfache Weganlage und Quartiereinteilung ergaben vor dem Eßplatz eine kleine freie Fläche. Sie ist zu einem Blumen- gärtchen hergerichtet, dessen Beete durch Buchsbaumlinien bezeichnet und durch schmale Kiespfade zugänglich sind. Sie sind mit den für den Privatmann wertvolleren und kostspieligeren Geranien, Begonien, Fuchsien usw. bestanden. Im Hintergrunde Encke, Hauswarten 98 »AM EICHBAUM« des Blumeng; ärtchens, das dicht unter dem Fenster des Wohnzimmers liegt, wuchert üppiges Gesträuch, welches die Grenze nach der Kirche zu verdeckt, nur ein kleines Pförtchen, die nächste Verbindung zwischen Kirche und Pfarrhaus freilassend. Der zweite große Platz heißt »am Eichbaum«. Er liegt unter einer mächtigen Eiche an der Grenze des Gartens nach der Landstraße zu und ist nach dem Garten hin ebenfalls durch dichtes Gebüsch abgeschlossen (Abb. 62). Doch finden sich hier meist unsere einheimischen Gehölzarten, wie Schneeball, Alpenjohannisbeere, Heckenkirsche, Hartriegel usw., die unter dem Schatten des Eichbaumes gedeihen und mit diesem vereint an die Vegetation des deutschen Mischwaldes erinnern. Die Grenze ist hier eine Ligusterhecke, über welche hinweg man von der rings um den Eichenstamm laufenden Bank einen Ausblick nach der Landstraße hat. Ist der Charakter des Eßplatzes lauschige Abgeschlossenheit und Intimität, so vermittelt dieser Sitz die Verbindung mit der Außenwelt. Etwas höher als die Landstraße liegend, bietet er den ganzen Tag über ein lustiges Bild, wie es eine Landstraße nur hergeben kann. Dabei ist man durch einige Feldstücke weit genug davon getrennt, um vor Staub und sonstiger Belästigung verschont zu bleiben. Ein dritter Platz ist die sog. Lindenlaube. Acht große Lindenbäume und eine Anzahl Tannen sind mit allerlei Buschwerk zu einer mächtigen Baumgruppe zusammengewachsen. Im Innern bildet das Lindenastwerk ein domartiges Gewölbe, in welches das Tageslicht nur gedämpft eindringt, so daß dieser Ort stets etwas Feierliches an sich hat. Hier ist der Festplatz des Gartens, der ins Freie verlegte Festsaal des Pfarrhauses, dessen Decke ein grünes Laubdach ist, welches von glatten Lindenstämmen gleich wie von Säulen getragen wird. Um sein LINDEN- UND ROSENLAUBE 99 Abb. 62 festliches Aussehen zu erhöhen, werden bei Familienfesten bunte Papierlaternen in die Bäume gehängt. Sie bereichern das Gesamtbild bei Tage durch ihre bunten Farben und dienen des Abends zur Beleuchtung des Platzes. Endlich befindet sich am Ende des nach der Kirche zu verlaufenden Querweges als Blickpunkt eine Rosenlaube. Sie ist nur am frühen Morgen und im Frühjahr, so lange man den Sonnenschein sucht, ein angenehmer Aufenthalt. Der Hauptreiz ist aber der Blütenschmuck in der Rosenzeit. Der Mutter zu Ehren heißt sie Luisenlaube. Der Garten ist ringsum von lebenden Hecken umgeben, bis auf die früher erwähnte Grenze nach dem Hofe und die nach der Kirche zu, wo ein Holzgeländer zwischen Steinpfeilern den Abschluß bildet. IOO BEWIRTSCHAFTUNG DER FLÄCHEN Von den durch die Wege und die sie z. T. einfassenden Blumenstreifen gebildeten Feldern werden die dem Hause näher liegenden als Gemüseländereien bewirtschaftet, während die weiter abliegenden Grasflächen sind, welche als Bleiche und zur Heugewinnung dienen. Sie sind in Zwischenräumen von acht, zehn und mehr Metern mit Obstbäumen bestanden, wobei das Kernobst bevorzugt ist, da sich hier die Kronen nach Belieben ausdehnen können. Wenn ich noch gedenke der Rosenpflanzung auf der Rabatte i des Plänchens, des Weinspaliers am Hause, der Erdbeerbeete, welche auf einigen Rabatten längs der Wege die Blumen ersetzen, der Himbeer- Johannisbeer- und Stachelbeerreihen, die einzelne Felder trennen oder die Blumenrabatten nach den Gemüsestücken hin abschließen, so glaube ich die letzten Striche an meinem Bildchen eines mitteldeutschen Pfarrgartens auf dem Lande getan zu haben. Weshalb aber habe ich denn dies Bildchen überhaupt zu malen versucht? — wird mancher Leser erstaunt denken. Der Garten ist ja so furchtbar einfach. Gehört er denn in ein Buch über den Hausgarten des 20. Jahrhunderts: Ist er nicht vielmehr veraltet und abgetan? — Wer jemals den Reiz eines solchen Gartens empfunden hat, wird mit mir anderer Meinung sein. Seine Vorzüge sind gerade das Einfache, dem Zweck Entsprechende, Ungesuchte, Wahre, jeglichem Protzentum Abholde. Und indem er neben seinen praktischen Zwecken durch seine Eigenart den Besitzer charakterisiert und den ganz individuellen Ausdruck einer bestimmten Lebensauffassung, ja den Stempel einer Persönlichkeit trägt, ist er in gewissem Sinne auch ein Kunstwerk. IOI DAS HAUSGÄRTCHEN MEINES FREUNDES P. IN E. freund P. ist Professor einer höheren Schule in einer Industriestadt. Seine ganze Sehnsucht ist ein eigenes Haus, wäre es auch noch so klein, und ein Gärtchen, das er seinen Gewohnheiten und Liebhabereien entsprechend benutzen könnte. Die Stadt mit ihren zahllosen Fabriken dehnt sich im wesentlichen längs der schmutzigen Fluten des Flusses aus. Ihre Wohnviertel dagegen lehnen sich an die bewaldeten Hänge an. Ganz draußen an der äußersten Peripherie haben einige Bauunternehmer Mietshäuser für eine Familie errichtet, welche, wenn auch echte Erzeugnisse des fadesten Bauunternehmergeschmackes, eine Kolonie von eigenartigem Gepräge bilden, abseits von dem hastigen Getriebe der Geschäftsstadt. Lehrer, Beamte, kleine Rentner wohnen hier. Auf der Straße, die nur selten von einem Wagen befahren wird, spielen die Kinder, während die Väter in ihren Mußestunden hemdärmelig, mit der langen Pfeife im Munde, kannegießern oder in den Gärtchen herumhantieren. Hier hat mein Freund gefunden, was er suchte. Das Gärtchen hinter dem Hause (Abb. 63} ist 212 qm groß. Die Grundrißskizze zeigt, daß der Unternehmer eigentlich zwei Häuser auf dem kleinen Grundstück erbauen wollte; denn es berührt zwei Straßenfronten. Aber im nächsten Jahrzehnt wird die zweite Straße sicherlich noch nicht ausgebaut werden, und so sieht man denn jetzt über den Gartenzaun hinüber auf die viehbeweideten Matten und Waldstücke des herrlichen Hügellandes. 102 HflLEEflRTCHEN IE5 PTOFE55DR5 P IN E. ERKLÄRUNG «.WOHNHAUS B.V0F7EARTEN C.VDöELBflUER U.PEFfEQLO E.HÜHNEfThGF F.KiN_DERBRF?TCHEN ES ITZ PLATZ H.ÜBERDECKTE LHUBE J.L«UEENBRNE K.BiRKE L.WF,55EFJ BEERE ENTWORFEN V. VERFASSER S > Abb. 63 VERSCHIEDENE WÜNSCHE DES BAUHERRN 103 Zu der geringen Größe und der eigenartigen Gestalt des Grundstückes kommt die Vielseitigkeit der Bedürfnisse unseres Bauherrn, um die Aufgabe, hier einen Garten zu schaffen, interessant und dankbar zu machen. Da ist zunächst ein Hühnerhaus zu beachten, welches, bereits vorhanden, mit allerlei Hühnerrassen bevölkert werden soll, jedoch seiner Bauart nach nicht ansprechend genug ist, um gänzlich unverdeckt bleiben zu können. Es ist durch ein einfaches, pergolaartiges Gerüst vom Garten getrennt, welches mit Schlingpflanzen verschiedener Art bezogen ist und den freundlichen Abschluß des eigentlichen Gartens nach NO. bildet (Abb. 64). Ein Kaninchenstall und ein großer Bauer für Ziervögel haben in dem kleinen Hofraum Platz gefunden. Sie sind an die Hauswand angelehnt, und zwar so, daß sich über dem Kaninchenstall das Vogelhaus erhebt, getrennt durch einen flachen, geräumigen Wachtelkäfig, dessen Insassen die Wecker unseres früh aufstehenden Freundes sind. Durch diese Anordnung ist ein Stück der langweiligen Rückwand des Hauses gemütlich unterbrochen und belebt, und das Vogelhaus steht so hoch, daß es, von dem Sitzplatz im Gärtchen aus gesehen, in Augenhöhe hervorlugt. Endlich soll ein kleiner Wassertümpel mit steinigem Ufer und geeigneter Bepflanzung zur Aufnahme von Fischen, Unken, Salamandern usw. hergerichtet werden, um dem Naturforscher Gelegenheit zu Beobachtungen an diesen Tiergattungen zu geben. Neben diesen besonderen Anforderungen soll das Gärtchen natürlich all den Bedürfnissen entsprechen, welche jeder Hausgarten befriedigen sollte. Hierher gehören Sitzplätze für die verschiedenen Tageszeiten, darunter auch einer, der für eine kleine Gesellschaft Raum bietet; ferner genügend Platz zum io4 DIE NACHBARGÄRTEN Abb. 64 Spielen der Kinder, auch ein Eckchen, das sie selbst bewirtschaften können; und vor allem vierlerlei Gewächse, Gesträuch und Kräuter, welche vom frühen Frühjahr an Blumen hervorbringen, und in solcher Menge, daß die Frau des Hauses mit selbstgepflücktem Blumenstrauß die Wohnung auszuschmücken vermag. Die meisten Gärtchen der Nachbarschaft sind kleine Zerrbilder des landschaftlichen Gartenmotives, deren Hauptstück ein Rasenplatz ist. Ringsherum führt ein krummer Weg, so schmal, daß er nur von einer Person begangen werden kann. Wäre er breiter als siebzig cm, so würde die »Rasenfläche« allzuklein werden; denn von dem Gebüsch längs der Grenzen läßt sich auch keine Handbreit mehr abzwacken, da die Zweige der dicht am Zaun stehenden Sträucher schon jetzt in den Weg hineinhängen. Eine oder zwei Ecken haben eine Laube aufgenommen. ABSCHLUSS GEGEN DEN HOF 105 z. T. auf einem Erdhaufen stehend, welcher stolz der »Berg« genannt wird. Unser Garten dagegen besitzt keinen Grasplatz, auch keine unregelmäßigen, krummen Wege. Er will kein Miniaturpark sein, dessen Herrlichkeiten von schmalen Pfaden aus bewundert werden, sondern ein Wohnraum, der in der schönen Jahreszeit zugleich Studierzimmer des Hausherrn, Empfangszimmer der Hausfrau, Spielzimmer der Kinder und gemeinsames Eßzimmer ist. Von dem kleinen Hofraum ist die etwa dreiviertel m höher liegende und im ganzen noch ungefähr einen halben m ansteigende Gartenfläche durch eine Stützmauer getrennt. Sie trägt einen meterhohen Zaun aus Holzlatten. Gegenüber der Haustür ist die Pforte, durch welche man auf einem kleinen Treppchen in das Gärtchen gelangt. Die Gestalt der Gartenfläche bedingte naturgemäß die Einführung zweier Achsen, deren Abb. 65 .,'-■ " ■ ,.;. •/ f.-- i l:- 106 EINTEILUNG U. BEPFLANZUNG D. VORDEREN TEILES Schnittpunkt durch die Mitte eines Rosenbeetes bezeichnet ist. Im vorderen Teile baut sich auf der Mittelachse eine platzartige Erweiterung und ein gerader Weg auf, der diesen Gartenteil halbiert. Der Platz (Abb. 65) ist so groß, daß ein Tisch und eine Anzahl Stühle bequem darauf stehen können. Er ist am frühen Morgen und am Abend besonders beliebt. Nach allen Richtungen hin hat man von ihm angenehme Aussichten. Nach dem Hause zu sieht man zwischen höheren Büschen das Vogelhaus mit seinem lustigen Treiben (vergl. die Abb.). In entgegengesetzter Richtung geht der Blick über den beiderseits mit bunten Blumen eingefaßten Weg auf das Rosenbeet und dahinter auf die Laube (Abb. 66). Im NO. hemmt die üppig mit Schlinggewächsen überwucherte Pergola den Blick, und im SW. ist der Weg durch eine Bank abgeschlossen, welche halb versteckt ist zwischen Buschwerk und Farnkraut. Rechts und links von dem in den hinteren Garten führenden Hauptweg stehen zehn Rosenhochstämme, darunter wachsen Staudengewächse, nach der Höhe angeordnet. Zuerst beiderseits eine Einfassung von Primeln. Dahinter nach NO. Akelei, Bartnelke, Glockenblume, Flammenblume, Eisenhut. Den Beschluß machen fünf Stämmchen Johannis- und Stachelbeeren. Hinter diesen entlang führt in der Richtung der Treppe, welche den Eingang bildet, ein fünfzig cm breites Pfädchen, scherzweise der Männerweg genannt, weil ihn Frauen seiner geringen Breite wegen nur mit Vorsicht betreten dürfen. Er ist mit Federröschen eingefaßt. Auf der SW-Seite des Hauptweges, die nur Morgensonne hat, sind solche Stauden bevorzugt, welche im Schatten gedeihen, wie Leberblümchen, Maiblume, Christrose, Fingerhut, Schwertlilie. Ja, auch Waldmeister ist angesiedelt, so daß die Kräuter zur Maibowle gleich an Ort und Stelle gepflückt werden können. EINTEILUNG U. BEPFLANZUNG D.VORDEREN TEILES 107 Abb. 66 Hinter diesen ausdauernden Kräutern steht allerlei Gesträuch, wie Jasmin, Spiersträucher, Forsythia usw. An der Ecke nach dem Sitzplatze zu steht ein Fliederbaum, ebenso gegenüber auf der anderen Wegseite. Diese werden, je älter sie werden, im Verein mit einem dritten Fliederbaum und einem Schneeball, welche auf der schmalen Rabatte an der Hofgrenze stehen, den Platz einrahmen und nach und nach immer gemütlicher machen. Außer den zwei genannten Bäumchen trägt diese Rabatte eine Reihe Johannis- und Stachelbeerbüsche und eine Einfassung aus Aurikeln. Wir kommen nun in den hinteren Gartenteil. Da ist zunächst hinter dem Hühnerhof eine kleine mit zierlicher Holzeinfriedigung versehene Ecke als Kindergärtchen eingerichtet. io8 EINRICHTUNG DES HINTEREN GARTENTEILES Die Holzwand an der Nordgrenze des Gartens (Abb. 6 7) ist mit Spalierobst bekleidet. In der etwas schattigen Ecke, am Kindergärtchen steht eine Schat- tenmorelle, dann folgen ein Pfirsich und zwei Birnen. Davor sollen noch Apfel-Schnur- bäumchen gepflanzt werden. Die Rabatte, auf der das Spalierobst und die Schnurbäumchen stehen, ist mit Erdbeeren eingefaßt. Im übrigen dient sie als Anzuchtsbeet für Sommerblumen und Pflanzen zweijähriger Kultur, wie Nelken u. dgl. Die Grenze des hinteren Gartenteiles nach Süden zu ist durch Strauchwerk, wie Berberitzen, Blasenstrauch, Haselnuß, Rotdorn, Seidelbast, Kerrien und Deutzien verdeckt, welches bis dicht an den Weg reicht. Die Westgrenze nach der projektierten Straße zu ist zu einem Laubengang (Abb. 68) ausgenutzt. Er läuft in der Nordwestecke in ein mit einem Holzdache überdecktes Gartenhäuschen aus. Dies war im Garten vorhanden, als er in seiner Abb. 67 EINRICHTUNG DES HINTEREN GARTENTEILES 109 jetzigen Art eingerichtet wurde, und war sehr willkommen, da es Gelegenheit zum Sitzen bietet, wenn es regnet oder wenn die Witterung zu kühl ist, um ganz imFreien zu sitzen. Sie ist mit wildem Wein berankt. Eine davor gepflanzte Birke (vgl. Abb. 66) unterbricht in angenehmer Weise den Horizont und macht das Gartenhaus- Abb - 68 chen lauschiger, indem sie es mit ihren schlanken Zweigen wie mit einem Schleier fast verbirgt. Durch die verhältnismäßig geringe Höhe des Häuschens war auch die Höhe für den 2,50 m breiten Laubengang gegeben. Er ist nicht ganz so hoch als breit, wodurch er fast etwas gedrücktes erhält, was ihn aber gerade behaglich macht. Wilder Wein und Waldrebe bedecken ihn. Diese Zusammenstellung ist besonders im Herbste schön, wenn die eisgrauen Fruchtstände der Waldrebe zwischen dem roten Weinlaube hervorleuchten. Es ist nun noch das vor dem Laubengang gelegene mittlere HO EINRICHTUNG DES HINTEREN GARTENTEILES Abb. 69 Gartenstück zu beschreiben. Dieses ist durch ein schmales Pfäd- chen in zwei Teile getrennt, deren vorderer das schon früher erwähnte Rosenbeet aufnimmt, während auf dem hinteren zwischen Froschlöffel, Pfeilkraut, Tannenwedel und anderen Sumpfpflanzen ein kleiner Wassertümpel angebracht ist, dessen Insassen von dem schmalen Pfädchcn oder vom Laubengang aus beobachtet werden können (Abb. 6g). Eine schlanke Weide erhebt sich am Rande des Wasserspiegels und überdeckt zugleich einen Teil des Laubenganges. Anschließend an die Steine an diesem Wässerchen, welche den Salamandern und Unken als Schlupfwinkel dienen, liegen noch mehrere Felsblöcke, die den Standort einer kleinen Sammlung von Alpenpflanzen bezeichnen. Im übrigen ist das ganze Mittelstück des hinteren Gartenteiles mit einem bunten Durcheinander von Mri GESAMTEINDRUCK 11 I Stauden und Sommerblumen bestanden, die auch den Wassertümpel so dicht umgeben, daß nur der ihn sieht, welcher ihn sucht. Dadurch, daß auf den 1,5 m breiten Wegen, auf den Plätzen, in dem Gartenhäuschen und in den Laubengängen Raum genug zum Umhergehen für mehrere Personen und zum Spielen für die Kinder ist, macht das Gärtchen durch das Vielerlei, das es beherbergt, nicht den Eindruck, als ob die Raümverhältnisse unzureichend wären für die gestellte Aufgabe. Das Gärtchen erweckt vielmehr die angenehme Empfindung eines behaglich ausgestatteten Wohnraumes, es paßt zu meinem Freunde in seiner Schlichtheit und Vielseitigkeit. I 12 DAS GÄRTCHEN DES HERRN J. IN C. uch das kleinste Gartenfleckchen kann zweckmäßig, behaglich und ansprechend sein. Das Gärtchen, welches die Abb. 70 im Grundrisse darstellt, ist etwa 13 m lang und im Durchschnitt 7 m breit. Der Verwalter eines öffentlichen Parkes hat sich das Gartenstückchen an seiner Dienstwohnung als Haus- \ o Abb. 70 garten eingerichtet. Die Abb. 71 zeigt das Gärtchen im Zusammenhange mit dem VVohnhause von der Straße aus. Man kann von da aus nicht in den Garten sehen, da er etwas höher liegt und durch eine Hecke abgeschlossen ist. Ein Holzgeländer, nach Art der italienischen Pergola zur Aufnahme von Schlingpflanzen eingerichtet, vollendet den Abschluß nach der Straße und bietet, von innen betrachtet, fensterähnliche Rahmen, mit denen man vom geeigneten Standpunkte aus allerlei Bildchen UMSCHLIESSUNG UND ZUGANG 1 1- Abb. 71 umschließen kann. Wohl der hübscheste Ausblick ist der nach der nahen Kirche, welche auch auf der Abb. 74 im Hintergründe zu sehen ist. Nach dem Parke zu umschließt dichtes Gehölz das Gärt- chen, so daß es mitten zwischen der belebten Straße und der viel besuchten öffentlichen Anlage ruhig und abgeschlossen daliegt. Vom Hause führt über ein Miniaturhöfchen, das auch den Hundezwinger beherbergt, ein plattenbelegter Weg zum Garten (Abb. 72). Ein anderer, ebenso befestigter Steig bildet die Verbindung von Haus und Park (Abb. 73). In seiner räumlichen Beschränkung und sauberen Haltung erinnert die Anordnung dieses Höfchens und der schmalen mit Platten gepflasterten E n c k e , Hausgarten 5 ii 4 EINRICHTUNG DES GARTENS Abb. 72 Pfade an holländische Häuslichkeit, wie wir sie bis nach Ostfriesland hinein finden, und wie sie z. B. Pie- ter de Hooch so behaglich darzustellen verstanden hat. Das eigentliche Gärtchen ist im wesentlichen ein länglich viereckiger Kiesplatz, von drei hohen Bäumen wie mit einem Dach überdeckt, so daß es einer luftigen, hohen Laube gleicht. Auf den Abb. 75 und 71 sieht man den Stamm des vorderen Baumes, eines Ahorn, durch dessen Laubwerk die Sonne nur spielende Lichter hindurchsenden kann. Im übrigen machen drei Gegenstände die Haupteinrichtung des Gärtchens aus, eine Laube, Abb. 74, ein Wasserbecken mit Fontäne und eine Steinbank mit einer kleinen Statue im Hintergrund (Abb. 75). Die Laube, welche das Gärtchen in zwei Teile trennt, ist nach der Straße zu gänzlich, im übrigen nur bis zur Brusthöhe geschlossen. Sie dient der Familie als behaglicher Aufenthalt; sei es, daß des Abends nach getaner LAUBE UND WASSERBECKEN "5 Arbeit im trauten Kreise Zwie- sprach gehalten werden soll; sei es, daß die Hausfrau am Tage ihre Arbeit verrichten will; denn sie kann von der Laube aus ebensowohl den Zugang zu dem Hause beobachten, als auch die Kinder beaufsichtigen, für welche der hinter der Laube befindliche Raum als Spielplatz mit einem Sandhaufen ausgestattet ist. Das Wasserbecken ist von einem Beete umgeben, auf welchem Farnkräuter, Funkien und andere Blattpflanzen gedeihen. Zu dem erhöht angebrachten kleinen Fontänenbecken führen fünf Efeubänder hinauf. In diesem erhebt sich ein kleiner Springstrahl, dessen Wasser an fünf Stellen aus kleinen Röhrchen hinabrieselt, mit möglichst geringer Wassermenge ein angenehmes Plätschern hervorrufend. Die Steinbank ist aus praktischen Rücksichten mit einem Holz- i-iK *jg •m* ^1 Httl * -'** 1 1 ' •&'■ ' '-VA. . ] ***** Abb. 73 ■^■■■i^^^^l 116 DIE STEINBANK belag versehen. Links und rechts wird sie von je einem dichten, kugelig- beschnittenem Buchsbaum umfaßt. Dahinter stehen säulenförmig anstrebende Taxusbüsche *. Sie bilden den Hintergrund für eine kleine Figurengruppe, eine Frauengestalt mit einem Kinde darstellend. Baumartige Traubenkirschen 2 vervollständigen das Bildchen. Vor den heckenartigen Pflanzungen längs der Grenzen sind Blumenstreifen angebracht, welche mit den blühenden Gewächsen der einzelnen Jahreszeiten ausgestattet werden. Dabei müssen freilich solche bevorzugt werden, welche einigen Schatten vertragen können. Weitere Einzelheiten sind aus den photographischen Ansichten zu ersehen, welche ebenso wie die Schilderung zeigen möchten, daß auch auf beschränktestem Räume ein schönes, zweckmäßiges Gärtchen möglich ist. 1 Taxus hibernica. 2 Prunus Padus. ■—fc Abb. 74 n8 EIN GARTENENTWURF 2,50 m. Dieser Umstand gab Veranlassung, zwischen Hof und Garten eine 1,50 m hohe Stützmauer zu errichten und annähernd in der Mitte des Gartens eine 1 m hohe Böschung anzubringen, so daß zwei fast wagerechte Gartenteile von verschiedener Höhenlage entstehen, welche durch Treppenanlagen untereinander und mit dem tiefer liegenden Hofe verbunden sind. Infolge der Anordnung des Hofes zwischen Haus und Garten, welche sich nicht ie Abb. 76 stellt den Grundriß eines Hausgartens von etwa 1130 qm Flächeninhalt dar. Wie die Abb. 7 auf S. 20 zeigt, welche denselben Garten in Parallelprojektion wiedergibt, fällt das Gelände nach Südosten, also nach dem Hause zu, um a Abb. 76 BEZIEHUNGEN DES GARTENS ZUM HAUSE 119 ändern ließ, da der Hofraum zeitweise für Geschäftszwecke benutzt wird, war es schwer, zwischen der schmucklosen Hinterfront des zweistöckigen Hauses und dem Garten enge Beziehungen zu schaffen. Immerhin besteht bei der Gartenanlage insofern eine Bezugnahme auf das Haus, als die Hauptgartenachse auf den Hauseingang zuführt. Tritt man durch diesen aus dem Hause auf den Hof, so ladet der vor =~ uns liegende Trep- _ penaufgang, welchem durch die ihn überdeckende Pergola etwas Lauschiges verliehen ist, zum Besuch des Gartens ein (Abb. 77)- Der Garten ist so angelegt, daß man von den Fenstern des Hauses angenehme Einblicke hinein hat. Doch sind man- Abb - 77 cherlei Einrichtungen getroffen, welche es ermöglichen, sich unbeobachtet im Garten aufhalten zu können. Diesem Zwecke dienen die Pergolabauten rechts am Eingange, der gegenüberliegende, durch Gebüsch verdeckte Sitz, der Laubengang, das sich daran anschließende Brunnenplätzchen und das Gartenhaus. Für beide Gartenteile ist der gemeinsame Hauptweg ge- 120 WASSERBECKEN MIT PERGOLA wissermaßen das Rückgrat. Während im oberen Teile dieser Weg auch als Achse für die weitere Einteilung benutzt wurde, ist im vorderen Teil eine senkrecht zum Hauptwege laufende Achse für die Gliederung maßgebend. Die den Eingang überdeckende Pergola führt am Ende der Treppe, dem Wege rechts folgend, um ein rechteckiges Wasserbecken herum bis wieder auf den Hauptweg zurück, wo eine zweite Treppe zu dem höheren Gartenteile führt (Abb. 78). Hinter dem Wasserbecken ist die Pergola zu einem etwa 3,5 X 4)5 m großen Sitzplatz erweitert. Von hier aus geht der Blick zwischen den Pfeilern der Pergola hindurch über das Becken, zu dem ringsum zwei Stufen hinabführen, und in dessen Mitte das Wasser quellartig hervorquillt. Weiterhin sieht man über einen Grasplatz, den ein Efeustreifen einfaßt, bis die Strauchpflanzung an der Grenze den Blick hemmt. Weil im Nachbargarten an dieser Stelle viel Gehölz steht, konnte diese Grenzpflanzung im eigenen Garten ziemlich schmal sein, denn die Bäume des Nachbars geben Abb. 78 SONSTIGE EINRICHTUNG DES UNTER-GARTENS i 2 I dieser Szene den denkbar schönsten Abschluß. In der Achse ist ein Stückchen Mauer zwischen zwei Pfeilern errichtet und mit einem Dach aus roten Ziegeln abgedeckt. Darunter ist eine Holzbank angebracht, welche Platz für zwei Personen bietet. Aus dem Grün seiner Umrahmung hervorlugend, ist dieses architektonische Motiv eine angemessene Betonung der Achse für den Untergarten (Abb. 79). Die nicht mit Gebüsch bepflanzten Stücke dieses Teiles sind Grasflächen, auf denen einzelne Büsche schönblühender Straucharten' symmetrisch verteiltsind. Die Treppe nach dem Obergarten findet unten ihren Abschluß durch zwei Hortensienbüsche, welche in weißangestrichene, rechteckige Holzkübel gepflanzt sind. Oben wird sie durch eine Abb. 79 Taxushecke begrenzt, in welcher durch kreisbogenförmige Ausschnitte und dahinter aufsitzende Kugeln der Aufgang hervorgehoben ist. Diese Hecke ist die Bekrönung einer grasbewachsenen Böschung, welche den höher gelegenen Teil abstützt. An ihr führt ein Weg entlang. Er läuft nach Norden zu in 1 Forsythia und japanische Quitte, Cydonia japonica. 122 DER OBERE GARTEN ein von Bäumen und Sträuchern beschattetes Sitzplätzchen mit einer Bank aus; nach der anderen Richtung endigt er an einer Treppe, die zu dem Laubengange hinaufführt (Abb. 80). Die Treppenwangen tragen zwei Statuen, welche sich vorteilhaft von den grünen Wänden des Laubenganges abheben. Der obere Garten wird nach Süden durch den Laubengang, Abb. 80 nach Norden und Westen durch Mauern begrenzt. Der Liebhaberei des Besitzers entsprechend ist er hauptsächlich mit Rosen bepflanzt. Breite Rabatten mit niedrigen Rosen fassen den Hauptweg und den Weg am Gartenhaus ein, die Hauptflächen sind mit Rosenhochstämmen und -halbstämmen bestanden. Längs der Nordostgrenze ist die Mauer mit Pfirsich- ■■DBHBI GARTENHAUS UND LAUBENGANG 123 und Birnspalieren bezogen. An der nach Nordwesten gelegenen Mauer stehen Äpfel und Kirschen, welche weniger Sonne bedürfen. Vor dem Gartenhäuschen (Abb. 81), das mit einem Tisch und einigen Stühlen ausgestattet ist, wurde durch Ausrunden der Beetecken ein freies Plätzchen gewonnen, dem zwei Akazienbäume Schatten spenden. Die schmalen Landstreifen, parallel zum Hauptwege, tragen schönblühende Stauden für die verschiedenen Jahreszeiten, die Beete rechts und links vom Gartenhause dienen zur Aufnahme einiger Jo- hannis- und Sta- chelbeerstämm- chen. Sie sind mit Erdbeeren eingefaßt und im übrigen mit Küchenkräutern bepflanzt. Der beliebteste Spaziergang des Gartens ist der Laubengang. Er ist aus Linden gebildet, die bald nach der Pflanzung 124 DER BRUNNENPLATZ, SPAZIERGÄNGE UND SITZPLÄTZE den Gang vollständig" bedecken. Durch einige Fenster blickt man in den sonnigen Garten mit seinen Rosen und anderen vielfarbigen Blumen hinein. Nach Südosten ist er nischenartig abgeschlossen. Eine Bank ladet zum Verweilen ein. Über den schattigen Kiesweg hinweg", auf welchem runde Sonnenbilder spielen, blickt man nach dem anderen Ende des Ganges, das im hellsten Lichte liegt; denn das Laubdach hört 5 m vor der Grenzmauer auf, so daß hier eine Art Gartenzimmer entsteht, dessen Wände dichte Lindenhecken, dessen Dach der blaue Himmel ist. In der Achse des Ganges ist ein Wandbrunnen eingebaut, dessen Plätschern die auf der Bank Ausruhenden freundlich umkost, während das Wasser des Beckens zum Begießen der Gewächse geschöpft wird. Zu der straffen Regelmäßigkeit der Heckenwände bildet eine locker überhängende Weide einen malerischen Gegensatz. Ihr entspricht auf der anderen Seite des Brunnens höheres, weiter zurückstehendes Gehölz des Nachbargartens (Abb. 82). Was diesen Garten zu einem rechten Hausgarten macht, ist die Erfüllung der Wünsche, die sein Besitzer mit Recht hegte: Der Spaziergänge und Sitzplätze sind sicherlich genug vorhanden. Unter dem festen, gezimmerten Dache des Gartenhauses, unter dem dichten Lindenlaubdach, unter der Schlingpflanzen - überwucherten Pergola, unter dem leichten Schatten blütenreicher, duftender Akazienbäume, unter dem Gezweig überhängenden Buschwerkes, unter dem freien Himmel am Brunnenplatz ist Gelegenheit zum Ausruhen gegeben. Das belebende Wasser hat im plätschernden Brunnen und im steingefaßten Becken Verwendung gefunden. Dabei dient praktischerweise das dem Brunnen entströmende Wasser zugleich I2 5 Abb. 82 I2Ö DIE BEPFLANZUNG zur Speisung der in der Mitte des Wasserbeckens im Untergarten sprudelnden Quelle. An natürlich wachsendem Strauchwerk und an Bäumen mit schlanken Stämmen ist kein Mangel. Auch hat ein ausreichender Teil der Gehölze so sonnigen Standprt, daß schönblühende Arten, wie Flieder, Weigelien, Deutzien, Rosen Spiersträucher u. a., welche nur im hellen Sonnenschein dankbar ihre Blüten entfalten, mit Nutzen angepflanzt werden. Können hier schon vielerlei blühende Zweige zur Ausschmückung der Wohnung abgeschnitten werden, so liefern die verschiedenen Staudenrabatten noch mehr Blumen für diesen Zweck. Besondere Sorgfalt aber ist der Rosenzucht gewidmet; denn der Besitzer ist ein Rosenfreund. Die Rose will Sonne haben, soll sie erblühen. Deshalb fehlen im Obergarten die hohen Bäume und schattenspendenden Sträucher bis auf die beiden Akazien, deren Schatten nicht in den Rosengarten fällt. Aber auch die Freude am Blühen und Gedeihen verschiedener Obstarten und an der eigenen Anzucht von allerlei Küchenkräutern gewährt der Garten. Da er mehr Ziergarten als Nutzgarten sein sollte, ist Obst nicht in größerer Menge, aber doch in mancherlei Art vorhanden. Pfirsiche, Äpfel, Birnen und Kirschen wachsen am Spalier. Ein Aprikosen- und zwei Pflaumenbäume erheben sich an sonniger Stelle über niederes Gebüsch im Untergarten. Weinstöcke beranken nebst anderen Schlingpflanzen die Pergola. Stachelbeeren, Johannisbeeren und Erdbeeren, auch einige Himbeeren sind zu beiden Seiten des Gartenhauses zu finden, wo außerdem 20 qm Küchenkräuter, Salat, Karotten und dergleichen vorhanden sind. Durch den Hauptweg und den Laubengang sind beide Gartenteile zu einem einheitlichen Ganzen zusammengezogen. Jedem »f»\. -ßZTJP VERGLEICHUNG BEIDER GARTENTEILE 127 Teil ist jedoch ein besonderer Charakter eigen. Der Untergarten enthält viele Gesträuche und grasbewachsene Flächen. Im Hochsommer, wenn die Blütezeit der Bäume und Sträucher vorüber ist, sieht das Auge hier nur die verschiedenen Töne des Pflanzengrün von der lichten Färbung des kurzgehaltenen Rasens bis zum Dunkelgrün des Efeus und der Eibenhecke. Oben aber genießt das Auge die Farbenpracht der Rosen und der zahlreichen Blumen, welche die Beete füllen. So vielerlei der Garten auch beherbergt, es ist zu charaktervollen Szenen vereinigt, die sich alle zu einem einheitlichen Ganzen harmonisch zusammenfügen. 128 DER GARTEN DES HERRN BAURAT S. IN N. ]ie günstigsten Bedingungen für einen Hausgarten sind da gegeben, wo ein kunstsinniger Bauherr nach seinem eigenen Geschmack auf einem schön gelegenen Gelände sich Wohnhaus und Garten auf einmal einrichtet; wenn Bauherr, Architekt und Gartenkünstler bei der Schaffung des Entwurfes gemeinsam dafür sorgen, daß ein einheitliches Ganzes aus einem Guß entsteht, alle bemüht, der Sache zu dienen ohne persönliche Eitelkeit. Unter solchen Umständen ist dieser Garten entstanden. Der LEITGEDANKE. LAGE DES GARTENS 129 Besitzer war Bauherr und Baumeister in einer Person. Der Leitgedanke für den Garten war der, daß es eben ein Hausgarten im besten Sinne des Wortes werden solle, in dem sich behaglich wohnen lasse, der aber frei von gespreizter Repräsentation und von protzenhaftem Reichtum sein müsse. Von diesen Gesichtspunkten aus hat der Verfasser unter Berücksichtigung der Eigentümlichkeiten des Geländes diesen Garten geschaffen. Wenn derselbe hier in etwas ausführlicherer Weise besprochen und durch eine größere Zahl von Abbildungen erläutert worden ist, als es bei den anderen der Fall war, so geschah es, einmal um darzutun, wie reich an malerischen Szenen ein Garten sein kann, sodann um zu zeigen, daß die höchsten Reize, die ein Garten aufzuweisen vermag, vielfach aus der glücklichen Vereinigung von architektonischen und natürlichen Gartenmotiven erwachsen. Das Gelände ist an dem nördlichen, steilen Ufer des malerischen Griebnitzsees gelegen und umfaßt 3780 qm, davon entfallen auf den Garten ungefähr 3400 qm (Abb. 83). Auf zwei Seiten wird der Besitz von Nachbargärten begrenzt, an einer führt die Straße entlang und mit der vierten stößt er an das Wasser. Zwischen Straße und See ist ein Höhenunterschied von über 15 m, ein Umstand, der manchem als ein Mangel erschienen wäre, welcher aber tatsächlich einer künstlerischen Ausgestaltung nur günstig war. Das Gelände ist nicht gleichmäßig geneigt, sondern es zerfällt seiner Höhenlage nach in drei Teile, den oberen, mäßig abfallenden, den unteren, annähernd ebenen am Wasser und den zwischen beiden liegenden, steilen Abhang. (Siehe den Höhenplan Abb. 103.) Das Grundstück enthielt glücklicherweise zahlreiche Bäume, besonders im westlichen Teile, welcher zumal am Abhänge waldähnlichen Bestand aufwies. Encke, Hausgarten 9 ?*^?3l^^V^' •. 130 UMGEBUNG. BLICK VON SW. AUF DAS HAUS Abb. 84 Die malerische Umgebung zeigt die Abb. 15 auf S. 28, welche einen Ausblick auf den See darstellt. Aut der Abb. 84 sieht man die Villa vom anderen Ufer aus. Wir machen nun einen Spaziergang durch den Garten, entsprechend der Reihenfolge der beigegebenen Photographien. Die Abb. 85 ist von der Laube an der Südwestecke des Grundstückes aufgenommen. Man hat hier einen Blick auf die Westseite des Hauses, umrahmt durch eine mächtige Akazie. Wir verfolgen den Weg, der auf dem oberen Teile fast wagerecht zum Hause zurückführt, dabei zur Linken abermals einen Ruheplatz berührend, welcher einen Ausblick auf eine Brücke und die Häuschen des nahen Dorfes bietet. Nachdem wir einige Stufen hinabgestiegen HECKENPLATZ UNTER DEN BIRKEN Abb. 85 sind, betreten wir einen vorgeschobenen Sitzplatz, der mit einer Taxushecke umgeben und von Birken überschattet ist. Von hier blicken wir in den oberen Gartenteil zurück, wobei die 132 HECKENPLATZ UNTER DEN BIRKEN Abb. 86 Treppe, an einer Seite auf Felsgestein stoßend, auf der anderen durch eine Stützmauer mit Steinbrüstung" sich anlehnend, ein HECKENPLATZ UNTER DEN BIRKEN reizvolles Bildchen ergibt, das noch gewinnt durch das auf dem Eckpfosten stehende Figürchen (Abb. 86). J 34 HAUSBRUNNEN UND TERRASSENANLAGE Wir befinden uns jetzt auf dem wagerecht längs des Hauses verlaufenden Wege, der zwischen dem Wohnhaus und dem steilen Abhänge hinführt. Seinen Abschluß bildet eine scheinbar in den hie und da zutage tretenden Fels gehauene Treppe, wie die Abb. 87 zeigt. Hier sieht man auch ein Stück der zu der Halle emporführenden Treppe, vor welcher der behaglich plätschernde Hausbrunnen angebracht ist. Die Mitte der Halle ist die Achse einer Terrassen- und Treppenanlage, welche sich 5CbHJTT DURCt)DieflO)SE DER TcRFTOSETj-B .lllllfr'l Ulf II lilTlII lll Abb. 88 bis an den ebenen Teil am See erstreckt. Man könnte sich darüber wundern, daß sie nicht etwa auf der Wohnhausachse sich aufbaut, doch lagen zwingende Gründe für die zur Ausführung gelangte Anordnung vor. Vor dem Hause befand sich herrlicher Baumwuchs, den man nicht leichten Herzens opfern wollte, auch erhielt der waldartige Teil durch die Verschiebung der Terrassenanlage vor die Halle eine größere Ausdehnung. Die Abb. 88 stellt einen Schnitt durch die Achse der Terrassen- HAUSBRUNNEN UND TERRASSENANLAGE J 35 Abb. 89 anläge dar. Steigt man die am meisten nach Osten gelegene der beiden Treppen hinab, welche die naturgemäße Fortsetzung 136 OBERE TERRASSE ■<*»■■>• * < !JvJ «r _* «w^^^^ '? .^p?^^ i ■ y ' ' P *. ': i^w^mt* ¥1* - iirfjwfw^V'^"""^j *•- 3*?c^P^,- jt^'^i *■ ■ ■ML *^V"» flP$ 7 ( Abb. 90 der oben erwähnten, in den Fels gehauenen Treppe bildet, so erhält man den Anblick der Abb. 89. Links im Vordergrund die westliche Treppe, darüber die mit Lattenwerk versehene, lustig berankte Hauswand, rechts das mit buntblühenden Klematis übersponnene Geländer am Abhang und im Hintergrund auf gestrüppbewachsenem Vorsprung der oben erwähnte, heckenumsäumte Platz unter den Birken. PERGOLA 137 Von dieser zweiten Terrasse führen nach rechts und links ziemlich stark abfallende Wege, welche in die beiden Enden einer Pergola einmünden. Diese vermittelt den Zugang zur dritten Terrasse. Die Abb. 90 gibt einen Ausblick von dem Laubgang aus auf diese hermengeschmückte Terrasse, von welcher wiederum Treppen nach dem letzten Absätze der Terrassenanlage führen. Der Laubgang ist aus kräftigen Akazienstämmen hergestellt und mit dünneren Hölzern nach Art der italienischen Pergola überdeckt. An der Bergseite stützt eine Mauer aus Kalkstein den steilen Abhang, auf der anderen Seite dient eine Holzbrüstung als Schutz, über die der Blick in den tieferen Gartenteil und auf den See geht. Zur Berankung sind allerlei ausdauernde, holzige Schlinggewächse, wie Pfeifenstrauch, Waldrebe und wilder Wein benutzt. Im ersten Jahre hatten Zierkürbisse als Ersatz für die noch jungen ausdauernden kV' )3 W*' ^' r r •'»■ * •: ^ **«*i - •* 'm - f 1 vv..'.' ' ' ' . >*- Abb. 91 i38 PERGOLA Abb. 92 Pflanzen Verwendung gefunden, wie auf der Abb. 91 zu sehen ist. Nachdem wir die letzten Treppen hinabgestiegen sind und uns nach dem um wenige Stufen erhöhten Heckenplatz am Ost- TERRASSENABSCHLUSS. WASSERLAUF 1.39 ende des Gartens begeben haben, bietet sich die Ansicht der blumengeschmückten unteren Terrassenanlage dar, die in einem Wasserbecken endigt, in welches das Wasser aus der Mauer hinabrieselt. Die Abb. 92 gibt den ganzen Terrassenaufbau wieder. Auf Abb. 93 sehen wir die Einzelheiten der Brunnenausschmückung und die unterste Treppenanlage, im Hintergrunde links den Heckenplatz mit weißangestrichenen Holzbänken und einer Sandsteinfigur. Wir verfolgen nun den geraden Weg am Seeufer entlang. Zunächst fesselt uns ein murmelndes Wässerchen, das unterhalb von dem Westende des Laubenganges zutage tritt und sich tief in die felsige Böschung hinein ein Bett gewühlt hat. Freilich scheint der Bach nur zur Regenzeit während der Schneeschmelze so stark zu sein, daß er so schwere Arbeit vollbringen kann; denn jetzt im Sommer bedecken allerlei Kräuter das Gestein, das Wasser hie und da ganz verhüllend (Abb. 94). — So könnte man meinen! In Wirklichkeit ist der Bachlauf künstlich. Er ist die notwendige Entwässerung des oberen Gartenteiles bei Regenwetter und wird außerdem von dem aus dem Hausbrunnen überfließenden Wasser gespeist. Das Wasser staut sich am Wege zu einem kleinen Tümpel, wird durch eine Rohrleitung unter dem Wege hindurchgeleitet und fließt dann in den See ab. Man vergleiche auch die Abb. 29, welche dieselbe Szenerie wenige Monate nach der Herstellung aufweist. Ist man hier auch nur wenige Schritte von dem architektonischen Aufbau entfernt, so sieht man doch nichts mehr davon, wie die etwas hinter dem kleinen Wasserfall, allerdings vom Wasser aus aufgenommene Photographie (Abb. 95) zeigt. Auf der Abb. 96 sieht man links im Vordergrunde die großblättrigen Staudengewächse, die den Bachlauf umsäumen. Dahinter ragt der Stamm einer prächtigen Linde hervor, unter ■ 140 l . r hjl. ■ UlS ';'' L " t 1 ™ • • t^iHP -*v ;»"< . '.;•. i -'S '. 1 v .•ä ■p;. '- *x<»& • r vV,-' »,: j »/5-W •^'YVl> -, ■ '//«r, 1 t '"#■ - : '# * ■^ sf n WS» fr *$ \ > -■Y- V \ « . \ 6 Abb. 94 142 ■ Abb. 95 welcher ein großer Sitzplatz eingerichtet ist. Die Figur im Hintergrund bezeichnet das Ende des geraden Weges und des ganzen Gartens. Von da geht es rechts zur Anlegestelle für h: - > : '• y & , ■4 . • ■ .v. ; *;/ • ■ -■'■ ; j . .. •i ■;'... Kl -'•■'•>H • j > "t-i '' x 1 - * p t. , i *'*.- * *, d h"' * ■P, Abb. 96 Boote, links führt der Weg zum oberen Teile des Gartens zurück. Ehe wir diesen erreichen, erblicken wir zur Linken eine tiefe 144 -—*» <ä ..vfO' /#£ sÄ«"^ :** #• rj Abb. 97 l ■ WALDSCHLUCHT H5 Waldschlucht, die mit einer Holzbrücke überspannt ist. Hier ging früher eine gemauerte Rinne zu Tal, welche vor der Bebauung dieses Geländes das Tageswasser der höher liegenden Teile in den See abführte. Durch Schaffung von Vorsprüngen und Einbuchtungen wurde sie zu einer malerischen Schlucht ausgebildet, wobei natürlich der vorhandene Baumwuchs nach Möglichkeit geschont wurde. Der waldartige Bestand tritt bis an die steilen Ränder heran, die Schlucht stets in ein mildes Dämmerlicht hüllend. Den Boden bedecken alle möglichen schattenliebenden Kräuter. Im Frühjahr spießen hier Anemonen, Leberblümchen, Himmelschlüssel und Waldmeister. Später erblühen Tausende von Maiblumen, deren Blätter im Vereine mit den vorgenannten Kräutern den Boden der Schlucht begrünen, bis im Herbste das goldige Laub der Birken und Ahorne und das braune Buchenlaub herniederfällt und den Waldblumen eine warme Winterdecke schafft. Um den zehn m hohen, steilen Abhang hinaufzugelangen, mußte der Weg im Zickzack geführt werden, wodurch eine Überbrückung der Schlucht notwendig wurde. Die Brücke hat eine Spannweite von 8m. Sie wurde aus Stämmen hergestellt, welche auf dem Grundstücke selbst gewonnen waren. Die Ausnutzung der gegebenen Verhältnisse verhalf so zur Gestaltung einer malerischen Naturszene; denn der Blick von der Brücke aus läßt die Schlucht, von halber Höhe aus betrachtet, besonders wirkungsvoll erscheinen (Abb. 97). Jenseits der Brücke kann man in den Laubgang gelangen, der sich hier wie in der Abb. 91 dem Auge darbietet. Wir biegen aber nach rechts ab und kommen durch einen lichten Birkenhain (Abb. 98), am steilen Abhang vorbei, zu dem oberen Gartenteile, von welchem wir ausgegangen waren. Wir können Encke, Hausgarten IO ] 46 * • ... / l % ■ _k*w k.' ? •1' 1 -i tv^E-it» ■'""-«". j Jf' "- ^ '" .:;-«,; .3S^ V - J &'*~ Abb. 9S 148 ".' ^'^ (1 & s ' '■ % *#> 1 ■'* 5** - 1'"». st*' ... v ) - ■La .^fc -&f m*- WEüEBk f* ''' £\| *" TW? • ■* «B»'' § Abb. 100 aber auch im Zickzack weitergehen und haben dann die Treppe mit dem Figürchen und den Balkon des Hauses vor uns (Abb. 99). Vor dessen Mitte angelangt, bieten sich uns zwei Blicke NUTZGÄRTCHEN 149 dar, die zu den reizendsten des ganzen Gartens gehören: über den mehrerwähnten, heckenumschlossenen Sitzplatz nach dem See (Abb. 100) und über die Grasfläche nach der großen Akazie, unter welcher auf einem riesigen Felsblock eine Vase Aufstellung gefunden hat (Abb. 101). Weiter hinten lugt ein Pfört- chen aus dem Gebüsch hervor, durch welches man auf schattigem, schmalem Wege zur Stadt gehen kann. •V 1 ' < - •■> j -*• WM Wf- """M . ,-» SR* ■' ■'*'' - ' i ■ V ; V ■ ."*^ - Abb. 101 Die letzte Ansicht (Abb. 102) führt uns auf die Ostseite des Hauses, wo ein kleines Nutzgärtchen eingerichtet ist. An die Halle lehnt sich ein kleines Gewächshaus, welches zur Pflege von Dekorationspflanzen zur Ausschmückung der Wohnräume benutzt wird. Zur Überwinterung der größeren Palmen, Drazänen usw., die im Sommer auf dem Dache der Halle aufgestellt sind, dient ein Raum des Hauses im Erdgeschoß nach dem See hin. ■ Abb. 102 ARCHITEKTONISCHE U. LANDSCHAFTLICHE LÖSUNGEN i 5 1 Wir haben unseren Rundgang durch den Garten beendet. Der Leser, welcher sich der Mühe unterzogen hat, uns auf unserer Wanderung auf dem Grundplane (Abb. 103) zu folgen und dabei an den einzelnen Standpunkten mit uns Halt gemacht hat, um die Abbildungen mit dem Texte zu vergleichen, dürfte ein ziemlich anschauliches Bild des Gartens erhalten haben. Er wird vielleicht der zu Anfang meiner Schilderung gemachten Behauptung zuneigen, daß die intimsten Gartenreize durch eine geschickte Vereinigung von architektonischen Motiven mit Naturobjekten erzeugt werden. Eine eingehende Prüfung der örtlichen Verhältnisse, wird aber ebenso lehren, daß eine streng Abb. 103 m I 52 ARCHITEKTONISCHE U. LANDSCHAFTLICHE LÖSUNGEN architektonische Anordnung- im ganzen Garten nur nach einer an Vandalismus grenzenden Zerstörung des vorhandenen Baumwuchses möglich gewesen wäre. Dies beweist, daß über die Art der Gärten von Fall zu Fall entschieden werden muß. Im vorliegenden Beispiel dürfte wohl auch der eifrigste Verfechter des Architekturgartens nicht mit rein architektonischen Lösungen ausgekommen sein, wenn er die natürlichen Reize des Geländes erhalten wollte. i5; VORGÄRTEN nter Vorgärten versteht man die meist schmalen Gartenstreifen zwischen den Häusern und der Straße. Sie fallen mittelbar auch unter den Begriff »Hausgarten«, da sie mit dem Hause im engsten Zusammenhange stehen. Sie verdanken ihr Dasein der Absicht, die gegenüberliegenden Häuserfronten möglichst weit auseinanderzurücken, ohne übermäßig breite Fahrdämme und Bürgersteige einrichten zu müssen. Die so entstehende breite Straße ist gesunder als eine schmale Straße ohne Vorgärten, sie ist auch billiger herzustellen als eine gleichbreite Straße, welche nur in Fahrdamm und Bürgersteige eingeteilt ist. Das Einfügen von Pflanzengrün belebt und bereichert das Straßenbild, ein Umstand, der auch für die Alleepflanzung in den Straßen spricht. Neben diesen Vorzügen, welche die Vorgärten der Allgemeinheit bieten, sind andere für die Anwohner wichtig. Lärm und Straßenstaub werden von den Häusern leichter ferngehalten, die Wohnungen, zumal der unteren Stockwerke, bekommen etwas Abgeschlossenes, indem sich geeignete Pflanzung zwischen Straße und Haus schiebt, und indem es den Leuten auf der Straße unmöglich gemacht wird, bis dicht an das Haus heranzutreten. Die Vorgärten sind deshalb für Wohnstraßen erwünscht. In Geschäftstraßen sind sie dagegen unter Umständen unbequem. Der Geschäftsinhaber will, daß die Leute die Auslagen seiner Schaufenster aus der Nähe betrachten können. Es ist ihm lieb, wenn die Vorübergehenden dicht an seinem Hause vorbeigeführt werden, da die Gelegenheit sie häufig zum Kaufe verführt. Sein Firmen- 154 VORBEDINGUNG. BREITE schild soll womöglich von der anderen Straßenseite gesehen und nicht durch davor befindliche Pflanzung verdeckt werden. Also einmal ist der Charakter der Straße als Wohnstraße Vorbedingung für die Anlage von Vorgärten. Sodann kommt die Breite der Straße in Betracht. Daß Vorgartenstraßen von Bauflucht zu Bauflucht eine gewisse Mindestbreite haben müssen, ist selbstverständlich. Immerhin mag darauf hingewiesen werden, daß stille Wohnstraßen mit niedrigen Häusern Fahrdämme von möglichst geringer Breite und ziemlich schmale Bürgersteige haben können, so daß noch Raum für Vorgärten übrig bleibt. Falsch ist es dagegen, wenn man Vorgärten um jeden Preis einrichten will und diese im Verhältnis zu der Höhe der Häuser zu schmal macht. Bei ganz niedrigen Häuschen, wie man sie in Arbeiter-Heimstätten, Sommerfrischen u. dergl. antrifft, genügt oft schon ein 2 m breiter Vorgartenstreifen. Und dies um so mehr, wenn die Häuschen nicht dicht zusammenstehen.. Bei offener Bauweise handelt es sich eben nur um schmale Verbindungsstücke der Gärten, in welchen die Häuser liegen. Deshalb kann hier die Vorgartenbreite geringer sein als bei geschlossener Bauweise. Hier sollten die Gärtchen vor mehrstöckigen Häuserreihen mindestens 5 m breit sein. Bei der Verbindung von Vorgärten mit Alleepflanzung in den Straßen hat man früher manche Fehler gemacht, weil über die Ausschmückung des Straßenbildes durch Grün noch zu wenig Erfahrungen vorlagen. Man tat häufig des Guten zuviel und pflanzte auf schmalen Bürgersteigen große Baumarten vor die Vorgärten. Das Begehen von baumbepflanzten Fußsteigen von geringer Breite ist unbequem. Für die Vorgärten kommt noch de Übelstand dazu, daß die Straßenbäume ihnen Licht und Luft neh- STRASSENPFLANZUNG 155 men, so daß ihre sachgemäße Ausschmückung unmöglich gemacht wird. Die Mindestbreite eines baumbepflanzten Bürgersteiges in einer Vorgartenstraße sollte 4 bis 4 IJ 2 m betragen. Dabei dürfen nur solche Baumarten zur Anpflanzung kommen, welche sowohl in den Wurzeln wie in Abb. 104 der Krone nur mäßigen Umfang erreichen und womöglich eine lichte Belaubung haben, wie Akazien, Birken, Rotdorn, auch Kugelulmen 1 , Baumhasel 2 , Zürgelbaum 3 . Die Abb. 104 stellt eine Straße mit 4,5 m breiten Bürgersteigen dar, welche mit Rotdorn bepflanzt ist. Ein Vorgarten ist nur dann eine Zierde, wenn er mit üppigem Pflanzenwuchs ausgestattet und sorgfältig gepflegt ist. Ein mit einem Eisengitter, das verbogen und verrostet ist, eingefriedigter Streifen, der zur Ablagerung von Schmutz dient und als Spuren einer früheren Bepflanzung nur eingegangene oder zerstörte Gewächse aufweist, ist ebensowenig eine Zierde für das Wohnhaus wie für das Straßenbild. Ein Vorgarten muß vielmehr richtig 1 L'lmus umbraculifera, 2 Corylus colurna, 3 Celtis occidentalis. 156 BELICHTUNG DES VORGARTENS eingerichtet und ordentlich gepflegt werden, soll er Daseinsberechtigung haben. Die Vorbedingung für die sachgemäße Herstellung einer Vorgartenanlage ist die Rücksichtnahme auf die gegebenen Verhältnisse, besonders auf die Belichtung des Gartenstückes. In Straßen, die von Norden nach Süden laufen, sind beide Seiten in gleicher Weise mäßig der Sonne ausgesetzt; in Ost-Weststraßen dagegen hat die eine Vorgärtenreihe eine heiße Südlage, die andere eine sehr schattige Nordlage. Je breiter die Straße und je niedriger und je weiter auseinanderstehend die Häuser sind, desto freier und günstiger ist die Lage der Vorgärten. Hohe Häuser, enge Straßen, geschlossene Bauweise, Alleepflanzung in der Straße bedingen eine ungünstige, gedrückte, dumpfige Lage. Auf der Sonnenseite gedeihen Blumen, Rosen, schönblühende Sträucher und Bäume, Rasen und fast alle Schlingpflanzen. Hier kann man leicht einen üppigen Pflanzenwuchs und reiche Blütenfülle erzeugen. So können selbst auf dem beschränkten Räume, wie ihn ein Vorgarten bietet, die Gehölze in ihrer Blüte einander folgen. Hier ein Beispiel: Im März schon blühen die gelben Forsythia 1 und die farbenprächtigen Magnolien 2 , denen rasch die weißblühenden Pflaumenarten 3 folgen. Dann kommen die gelb- und rotblühenden Johannisbeerarten 4 , die japanische Quitte 5 mit ihren Scharlachblüten, der Schneeball 6 , der Flieder 7 , der Rotdorn 8 , der Goldregen 9 , dann die Päonien 10 und alle Rosenarten, zwischen deren erster und zweiter Blüte die blauen und weißen Klematis ihre herrlichen Blüten entfal- 1 Forsythia suspensa, F. Fortunei, 2 Magnolia Yulan, 3 besonders Prunus Pissardi, 4 Ribes aureum, R. sanguineum, R. Gordonianum, 5 Cydonia japonica, 6 Viburnum Opulus roseum, 7 Syringa vulgaris, S. chinensis, 8 Crataegus Oxya- cantha fl. rubro pleno, 9 Cytisus Laburnum, IO Paeonia sinensis, P. arborea. ■■ DER VORGARTEN ALS WOHNGARTEN 157 ten. Später erscheinen noch die Hortensien-Arten und der Eibisch'). In den schlecht belichteten Lagen dagegen kommen nur noch einzelne Pflanzenarten fort, nämlich solche, welche wir in der Natur im Schatten des Waldes, unter dem Drucke hoher Bäume antreffen, und welche gegen die ungünstigen Einflüsse der Stadt wenig empfindlich sind. Da die Vorgärten meist nur geringe Breite haben, werden sie selten wie ein Hausgärtchen hergerichtet, in welchem man sich längere Zeit behaglich aufhalten kann. Unmöglich ist dies jedoch nicht immer. In meinem früheren Wohnorte war der Vorgarten meiner Wohnung unser Hausgärtchen. Es war 8 m breit. Das Haus war zweistöckig. Von dem Balkone des von uns bewohnten Hochparterres führte eine Treppe in den Vorgarten. Vor dem Balkone lag ein Rosenbeet, um das im flachen Bogen ein 1 T / 2 m breiter Weg führte, so daß in den zwei äußeren Ecken so viel Platz übrig blieb, um zwei Plätzchen auszusparen, von denen das eine als Sitzplatz, das andere als Kinderspielplatz mit einem Sandhaufen benutzt wurde (Abb. 105 u. 106). Um ein solches Gärtchen ungestört benutzen zu können, war die Verwendung von dichtwachsendem Strauchwerk und von undurchsichtigen Hecken notwendig. Was von freien Flächen übrig blieb, diente als Blumenbeet. Es waren besonders Staudengewächse angepflanzt, welche, nachdem sie einmal angeschafft sind, ohne Kosten alljährlich von neuem Blätter und Blüten entwickeln. Die Benutzung des Vorgartens als »Wohngarten« gehört jedoch zu den Seltenheiten. Hier war die größere Breite und der Umstand, daß ich nur über den Vorgarten verfügen konnte, 1 Hibiscus syriacus. i58 VORGÄRTEN AN STRASSENEINSCHNITTEN die Ursache dafür. Es können aber auch noch andere Fälle vorkommen. Man denke sich zum Beispiel eine in das Gelände eingeschnittene Straße, welche die Anbringung ziemlich hoher Stützmauern nötig macht. Die Oberfläche des Gartens liegt dann höher als die Straße, sie wird über das Straßengetriebe hinausgehoben, sobald sie höher als i*/, m, die ungefähre Augenhöhe des Menschen liegt. Dann steht der intimen Ausgestaltung des Vorgartens nichts mehr im Wege; denn von der Straße aus sieht man nur die Silhouette der Pflanzung, nicht die Einrichtung des Grundrisses. Beide Fälle dürften jedoch selten sein, da sehr breite Vorgärten mit Recht nicht üblich, und da große Höhenun- P l i i l Abb. 105 terschiede zwischen Straßenfläche und Vorgarten nur in hüo-e- liger oder gebirgiger Lage vorkommen. Die Vorgärten dienen daher gewöhnlich nur dem Straßenbilde zum Schmuck und dem Hause zur Repräsentation. Sind sie ziemlich breit, so kann wohl am Hause ein Weg entlang führen. Notwendig ist es aber kaum, da die wenigen Verrichtungen, die im Garten erforderlich, auch ohne Weg möglich sind, zumal wenn Rasen Verwendung gefunden hat. Hie und da versucht wohl einer, seinen Vorgarten als eine Art Park anzulegen mit gewundenen Wegen oder gar EINRICHTUNG 159 Berg und Tal in der Grasfläche. Daß daraus nie etwas Annehmbares entstehen kann, liegt auf der Hand, da die Gartenfläche viel zu klein, und da sie außerdem noch geradlinig zwischen Straße und Haus eingezwängt ist; ganz abgesehen Abb. 106 davon, daß derartige Zwerglandschaften, die man nur besehen, aber nie betreten darf und kann, an sich lächerlich sind. Die Regelmäßigkeit der Grundfläche, die meist symmetrische Anordnung der Vorsprünge und Fenster des Hauses fordern im i6o EINRICHTUNG UND BEPFLANZUNG Gegenteil zu regelmäßiger Grundrißgliederung des Vorgartens heraus. Heckenwerk, Einzelgewächse von regelmäßigem Bau, wie Zypressenformen, Taxus-, Buxus- und Magnolienbüsche, geradlinige Rabattertstreifen und geometrische Beetformen ordnen sich dem Aufbau des Hauses unter. Einige höhere, möglichst kugelige oder pyramidenförmige Baumkronen, symmetrisch rechts und links von der Hausachse, etwa zu beiden Seiten des Einganges oder des Risalites angebracht, verschmelzen den Garten noch mehr mit der Architektur des Hauses. Man findet eine derartige Anordnung sehr häufig, kann dabei aber auch manche Fehler beobachten. Oft trifft man zu viele Bäume darin an. Ich erinnere nur an die zahllosen Kugelakazien, welche oft in Abständen von 3—4 m längs des Hauses stehen. Was hat man sich denn wohl bei ihrer Anpflanzung gedacht? Eine Kugelakazie erreicht, wenn sie nur so weit als nötig beschnitten wird, in nicht zu langer Zeit einen Durchmesser von 4 m. Dann berühren sich die Kronen, und rings um das Haus legt sich, von dünnen Stämmen getragen, ein etwa 5—6 m hoher, 4 m dicker Laubkranz. Merkt der Besitzer oder sein fachmännischer Berater, was er angestellt hat, so beginnt er, die Bäume alljährlich ihrer Zweige zu berauben, und da die Akazie der am spätesten austreibende Baum ist, so steht über ein halbes Jahr lang eine Reihe Besen vor dem Hause, aus denen sich für den Rest des Jahres grüne Kugeln entwickeln, die ebenso häßlich sind wie die laublosen Besen. Sie gleichen eher einem hölzernen Baum aus der Spielzeugschachtel als einem wirklichen Baum mit malerischem, natürlichem Astbau. Mein Beispiel ist noch nicht das krasseste; denn ich habe einen Vorgarten in einer Großstadt gesehen, in dem man statt VERWENDUNG VON BÄUMEN Iöl Kugelakazien die riesige Baumform der Platanen zu der oben geschilderten Anordnung verwendet hat. Wenn diese erst groß sind, wo bleibt dann das Haus, welches zu dem Vorgarten gehört? Der entgegengesetzte Fehler ist der Mangel jeglichen Gehölzes im Vorgarten. Da, wo man die Fassade mit Schlingpflanzen stellenweise begrünt hat, ist ja auch ohne höhere Baumformen eine schickliche Verbindung zwischen Vorgartenstreifen und Haus geschaffen. Es gibt auch Monumentalbauten, welche die weiche Wirkung des Baumgrüns schlecht vertragen. Aber in den meisten Fällen wäre eine Staffage aus Baumwerk entschieden schön. (Vgl. die Abb. 107.) Statt dessen sieht man von außen nur ein eisernes Gitter, hinter welchem das Haus sich abhebt. Dann möchte man gerne das Eisengeländer beseitigt und das Haus an die Straße gerückt sehen. Die symmetrische Anordnung von Bäumen im Vorgarten ist aber nicht immer von günstiger Wirkung, denn bei Villenbauten von unsymmetrischem Grundriß wird man lieber einzelne Bäume so aufstellen, daß das Bauwerk in möglichst malerischer Weise umrahmt wird. Ich habe bereits an anderer Stelle gezeigt, daß die Aufstellung einzelner großer Bäume auch im regelmäßig gestalteten Garten ohne Rücksicht auf dessen Symmetrie von guter Wirkung sein kann. Diese Anordnung empfiehlt sich besonders in den Vorgartenstraßen ohne Alleepflanzung. Eine solche Straße sieht dann besonders gut aus, wenn das Laubwerk einzelner Bäume über das Geländer in die Straße hineinhängt. Man pflanze mittelgroße Baumarten in einzelnen Stämmen dicht an den Zaun. Für die Fassaden kann so die günstigste Wirkung erzielt werden, da man den Standort der Bäume ganz danach einrichten kann, wie sie Encke, Hausgarten 11 IÖ2 VERWENDUNG VON BÄUMEN am besten zum Hausepassen. Man denke sich eine Straße von maßiger Breite, bei der hier und da in regelloser Willkür das Grün bald höher, bald weniger hoch über die Eisengitter hinüberragt, die Fassaden in der günstigsten Weise freilassend, so wird sich das schönste Straßenbild ergeben, welches heute für diesen Straßentypus denkbar ist. Besonderer Wert ist dabei auf die richtige Auswahl der Baumarten zu legen. Nur vereinzelt dürfen es ganz hohe Bäume sein, wie Ulmen, Platanen, Linden, Ahorn, Eschen. Vielmehr müssen die kleineren Baumarten vertreten sein, zumal solche von lockerem Wuchs und lichter Belaubung, wie Birken, gewöhnliche Akazien, Weiden, Ebereschen und die den Begriff Baum und Strauch vermittelnden Halbbäume, wie Goldregen, Faulbaum, Weiß- und Rotdorn und Holunder. Ich kann mir gar nichts Schöneres denken, als einen alten Holunder mit seinem malerischen Astbau, seinen wagerecht geschichteten Laubmassen Abb. 107 EINFRIEDIGUNG 163 und den kräftigen weißen Blütenständen, der in die Straße hineinragt. Aber auch straff in die Höhe wachsende Baumformen, die uns an die Zypressen des Südens erinnern, sollten hier und da anzutreffen sein. Eine Pyramidenpappel, Pyramideneichen und -Ulmen sind wirkungsvolle senkrechte Striche in dem immerhin wollig weichen, deutschen Baumschlage. Eine derartige Anordnung der höher werdenden Pflanzung hat auch das Gute, die langen Eisengitterreihen angenehm zu unterbrechen. Bekanntlich schreiben die meisten Bauordnungen die Begrenzung der Vorgärten durch eiserne Gitter auf Steinsockeln von etwa 50 cm Höhe vor. Der leitende Gedanke bei dieser Anordnung war der, das Gartengrün dem Straßenbilde zugute kommen zu lassen und der Errichtung häßlicher Bretter- und Lattenzäune vorzubeugen. Daß aber die Eisengitter, die man als Vorgartenbegrenzung antrifft, durchweg schön sind, kann niemand behaupten. Aus der geschmacklosen Zeit der bedingungslosen Anwendung des Gußeisens stammen viele. Andere sind mit der Absicht möglichster Materialersparnis entworfen. Nun wäre gegen diese ganz einfachen Gitter nichts einzuwenden, weil man bei gut bepflanzten Gärten die Eisenstäbe in dem Laubwerk der Gesträuche kaum sieht, wenn nicht gemauerte Tor- und Eckpfosten auf das Mißverhältnis zwischen dem massiven Steinpfeiler und dem dürftigen Eisengitter aufmerksam machten. Ich meine nun, daß man mit der Zeit dahin kommen wird, dem Holzzaun wieder größere Verbreitung zu geben, zumal in Verbindung mit Mauerwerk. Ein netter, weiß angestrichener Lattenzaun auf Steinsockel zwischen Steinpfeilern sieht immer lustig und gemütlich aus (Abb. 108). Ein Pfeiler, der sich gewissermaßen zu einem Stück Mauer ausgewachsen hat, auf welchem das Laubwerk der Bäume des Vorgartens 164 EINFRIEDIGUNG ruht, oder über den die zierlichen Ranken der Schlingpflanzen hinabrieseln, oder von dessen weißer Putzfläche sich rote Rosen oder blaue Klematis abheben, ist stimmungsvoller und deutet besser das Behagen des dahinter liegenden Wohnhauses an als kaltes Eisengitter, sei es an sich noch so kunstvoll (Abb. 109). Und wie gemütlich waren die Gartentüren aus Lattenwerk, in Holzrahmen eingespannt, wie sie uns aus den Tagen der Kindheit bekannt sind. Abb. 10S Eine nicht minder malerische Wirkung entsteht in den schon vorher erwähnten Bergstraßen, bei welchen das Vorgartengelände höher als die Straße liegt. Welch reizvolle Bildchen entstehen bei der Höhenvermittelung der Straße und des Hauses durch Treppenanlagen, die nach Art der Weinbergstreppen in das Gelände und die Stützmauer einschneiden, so daß letztere, rechtwinkelig abbiegend, gleichzeitig die Wangen der Treppe bildet! Die malerischen Lösungen, wie sie die Abb. 110 aus Wertheim am Main zeigt, dürften allerdings selten möglich sein. PFLEGE I6 5 Abb. 109 Ich habe vorhin von den verrosteten und schiefstehenden Zäunen gesprochen, welche man, wenn glücklicherweise auch selten, hie und da antrifft. Sie begrenzen vielfach solche Vorgärten, die ebenso den Mangel an Pflege verraten, wie die Einzäunungen. Ein Hauptgrund dafür ist die Verwendung von Pflanzen, die dort nicht gedeihen können. Ein zweiter ist der Mangel einer sachgemäßen Pflege. In manchen Fällen ist es den Gartenbesitzern und den zur Pflege bestellten Leuten bei dem besten Willen nicht möglich, die Pflanzungen nach künstlerischen Grundsätzen zu behandeln. Gehört dazu doch zuweilen ein fast rigoros scheinendes Entfernen von Pflanzenindividuen, welche das Gesamtbild stören, obgleich sie an sich sehr schön sind. Ein weiterer Übelstand ist der, daß die nebeneinanderliegenden Gärtchen ohne Rücksicht aufeinander unterhalten i66 PFLEGE Abb. 110 werden. Dieser macht sich um so mehr geltend, je ungünstiger die äußeren Verhältnisse für das Pflanzenvvachstum sind. Man hat deshalb in Essen an der Ruhr (ob auch anderswo, ist mir unbekannt) die Vorgartenflächen an die Stadt abgetreten, wogegen letztere die Pflege der Vorgärten dauernd übernommen hat. Will ein Besitzer seinen Vorgarten reicher unterhalten haben, als der Durchschnitt ist, so zahlt er dafür einen entsprechenden Betrag an die Stadt. Man ersieht hieraus, daß das Streben nach einheitlicher Wirkung der Vorgärten bereits praktische Folgen hat. Nun ist selbstverständlich nicht zu wünschen, daß statt einer einheitlichen, harmonischen Ausgestaltung eine gleichmäßige Ausschmückung erreicht wird; denn das hieße den Teufel durch Beelzebub austreiben. ERSATZ FÜR VORGÄRTEN UND STRASSENPFLANZUNG 167 Übrigens sind die heute beliebten Vorgärten und die Alleepflanzung auf den Bürgersteigen nicht die einzigen Lösungen der Aufgabe, Straßen mit geschlossener Bauweise durch Grün auszuschmücken. Die Essener Einrichtung beweist, daß viele Hausbesitzer keinen großen Wert auf den Vorgarten als ihnen selbst gehörige Gartenfläche legen, die sie ihrem eigenen Geschmacke entsprechend ausgestalten wollen, daß sie vielmehr daran nur die im Eingange des Abschnittes aufgezählten Vorzüge der Vorgärten schätzen. Da wäre vielleicht in manchen Straßen der Wegfall der Vorgärten anzuraten, um an deren Stelle folgende Einrichtung zu setzen. In der Straßenmitte liegt der Fahrdamm. Rechts und links von den Bordsteinen geht ein Laufweg von etwa 1 m Breite entlang. Daran schließen sich Pflanzstreifen von ungefährer Vorgartenbreite und zwischen diesen und den Häusern liegen die Bürgersteige. Vor jedem Hause oder vielleicht vor jedem zweiten Hause führt ein schmaler Zugang durch die Pflanzung, um den Verkehr zwischen dem Fahrdamm und den Bürgersteigen zu vermitteln. Der Pflanzstreifen ist mit einem etwa 80 cm hohen Eisengitter eingefriedigt, wie dies bei anderen städtischen Schmuckanlagen üblich ist, um sie vor der Zerstörungssucht der Jugend und der Beschädigung durch Hunde zu schützen. Eine solche Einteilung hätte den Vorzug, daß sie gleichzeitig Ersatz für die Alleepflanzung wäre, ohne die Nachteile der Alleen für das Straßenbild und die Vorgärten aufzuweisen. Die höheren Bäume, die nicht alle von gleicher Art sein dürften, würden, dem Schattenbedürfnis entsprechend, verteilt, doch so, daß auf die Architektur der einzelnen Häuser Rücksicht genommen würde. Bei der Allee ist dies ausgeschlossen, da jede Lücke in der Reihe unschön ist. Hier dagegen 1 68 ERSATZ FÜR VORGÄRTEN UND STRASSENPFLANZUNG ließen sich nachträglich manche Bäume entfernen, andere anpflanzen. Die Anwendung unregelmäßig bepflanzter schmaler Streifen hat schon Pückler für Landstraßen empfohlen. In Magdeburg hat man sie als Trennung von Fuß- und Reitweg angewandt. Ihr würden an sich Schwierigkeiten nicht im Wege stehen. Allerdings würden bei dieser Einrichtung die Fußgänger dicht an den Häusern vorbeigeführt, andererseits würden diese aber vor dem Staub und Lärm des Fahrdammes durch die Pflanzstreifen getrennt. Der Vorgarten erfreut sich nach dem Gesagten nicht des Interesses, welches der Hausbesitzer an dem eigentlichen Hausgarten nimmt. Gerade der Gartenfreund, der in seinem Hausgarten wohnt, wird dem Vorgarten nur ein geringeres Maß von Aufmerksamkeit schenken als dem Hausgarten. Allein im öffentlichen Interesse wird die geschmackvolle Anlage und sachgemäße Pflege der Vorgärten stets eine Notwendigkeit bleiben. i^^BHMHi 169 GARTENHÖFE )ine gartenmäßig ausgestaltete Fläche, welche rings von Gebäuden umgeben ist, pflegt man gewöhnlich als Gartenhof zu bezeichnen. Der Gartenhof ist wohl die älteste Art des eigentlichen Hausgartens. Das Atrium und Peristylum des römischen Hauses, der Hof des gegen die Außenwelt abge schlossenen orientalischen Hauses, der ganz oder teilweise vom Kreuzgang umschlossene, mittelalterliche Klosterhof, sie sind Beispiele für Gartenhöfe. Wege zum Lustwandeln, Sitze zu längerem Verweilen oder zu kurzer Rast, Kühlung spendendes, behaglich plätscherndes Wasser, schattengebende Bäume, zumal in heißen Gegenden, Blumenschmuck und Pflanzengrün sind die Anforderungen, welche an jene historischen Gartenhöfe gestellt wurden. Sie sind im wesentlichen bis jetzt dieselben geblieben, sofern nicht besondere Verhältnisse das eine oder andere Bedürfnis wegfallen oder neue hinzukommen ließen. Auf der Abb. 111 sieht man den Hof des Wallraf-Richartz- Museums in Cöln im Grundriß. Infolge baulicher Veränderungen in dem Museum waren die Gartenanlagen des Hofes zerstört worden. Bei der Wiederherstellung ist ihnen die im Plane vorgeführte Gestaltung gegeben worden. In der Mitte des Hofes erhebt sich ein Zypressenhain 1 , welcher ein Wasserbecken mit einfachem Springstrahl und vier Steinbänke 2 beschattet. Die Wege sind mit Buchsbaum eingefaßt. Dahinter 1 Biota Orientalis, Chamaecyparis Lawsoniana und Thuja occidentalis var. Lobbi haben als bei uns winterharte Vertreter der Zypressenform Verwendung gefunden. 2 Wasserbecken und Bänke sind noch nicht fertiggestellt. 170 LICHTHOF IN EINEM MUSEUM laufen Blumenrabatten entlang, deren Grenzen wiederum durch Buchsbaumlinien bezeichnet werden. Die in den Ecken entstehenden Quadrate tragen bald Pyramiden, bald auf Stämmchen Abb. in ruhende Kugeln von Buchsbaum über einem Untergrund von kleinblättrigem Efeu. Die Rabatten sind zum Teil mit einem bunten Gewirr von Stauden und Sommerblumen bepflanzt, zum ^HBH^BBB^^BmMi VERSCHIEDENE WIRKUNG GERADLINIGER EINTEILUNG i 7 1 Abb. 112 Teil mit einer einzigen Blumenart je nach der Jahreszeit gefüllt. An den Gebäuden hat sich hie und da ein Strauch angesiedelt, und Schlingpflanzen klimmen an dem Mauerwerk empor. Die vier von einem Teile des Zypressenrundteiles und von Blumenrabatten umschlossenen Flächen sind mit Gras bewachsen. Abb. 112 zeigt die Wirkung eines dieser blumenumpflanzten Wege, während Abb. 113 einen Blick quer über die Grasfläche bietet. Eine Vergleichung der beiden Bildchen läßt erkennen, wie mannigfaltig die Wirkung derartiger geradlinig begrenzter Gärtchen ist. Während Abb. 112 die straffe Anlehnung der Gartengestaltung an das Bauwerk zum Ausdruck bringt, erkennt man aus Abb. 113, daß diese Einrichtung gleichwohl malerische Verwickelungen erzeugen kann, wie sie aus der Verschiebung der einzelnen Gegenstände gegeneinander und deren teilweiser Verdeckung durch andere, davorstehende entsteht. 172 KLOSTERHÖFCHEN Abb. 113 Die Abb. 114 ist ein Projekt für ein ähnliches Höfchen. Hier ist keine allseitig symmetrische Anordnung gewählt, sondern eine Längsachse der Einteilung zugrunde gelegt worden. Der mittlere Teil ist um 30 cm vertieft worden und hat ein rechteckiges Wasserbecken mit halbkreisförmigem Abschluß aufgenommen, an den sich ein schmaler Zuflußkanal anschließt. Das Becken ist in Stein gefaßt. Steinstufen führen auch hinab zum Wasser und zu dem höher gelegenen Hofteile. Zwischen den Pfeilern der Kapelle ist ein Ruheplatz vorgesehen, welcher dadurch etwas abgeschlossener gestaltet ist, daß Heckenwände die Fortsetzung der Stützpfeiler bilden. Außer einigen Bänken nimmt das Plätzchen einen Wandbrunnen auf, dessen Wasser den Zulauf zu dem Becken speist. Das diesen nischenartigen Platz begrenzende Mauerwerk ist dicht mit Efeu überwuchert. ■■■■■■^■■I MMhMMMBHIBHMHH^^^^^H^^H ^^^^■■■iH KLOSTERHÖFCHEN 17: Auf den Beeten stehen in regelmäßiger Anordnung eine Anzahl hochstämmiger Rosen. Im übrigen sind sie dicht mit Blumen gefüllt. Auf der Wegverbreiterung, dem eben geschilderten Sitzplatze gegenüber, sind vier Holzkübel mit Hortensien- 01 1JH 5 6 £ 8 9 lOlt) Abb. 114 büschen aufgestellt. Die Flächen rechts und links von dem Sitzplatze sind mit Gesträuch bestanden, ebenso wächst das Geäst der Baumpflanzungen jenseits des überdeckten Ganges in den Hof hinein. Die ihn umschließenden Mauern sind auf der ■ i74 HÖFE IN MIETSHÄUSERN Sonnenseite mit Rosen, auf der Schattenseite mit Waldrebe und wildem Wein berankt. Die strenge Symmetrie, welche bei der Einteilung der kleinen Anlage beobachtet ist, wird nur dadurch unterbrochen, daß an dem Zulauf zu dem Wasserbecken eine malerische Weide steht (Abb. 115). Während diese beiden Beispiele von Gartenhöfen sehr stark an alte Vorbilder gemahnen, sehen die Innenhöfe der großstädtischen, vielstöckigen Wohnhäuser meist anders aus. Da viele Mieter, die einander kaum kennen, in einen derartigen Hof hineinsehen können, so verliert er den Charakter als Wohnraum, wie er den eben beschriebenen Höfen und solchen bei Häusern für eine Familie in hohem Grade eigen ist, und dient lediglich der Repräsentation. Es wird daher in den meisten Fällen weniger darauf ankommen, Wohngelegenheit zu schaffen, als einen freundlichen Gesamteindruck zu erzielen und dem Auge recht viel Grün zu bieten. Die Eingänge des Hauses, das Bedürfnis für einen freien Platz zum Teppichreinigen u. dgl., bisweilen die Anbringung einer Müllgrube, sind Momente, welche die Einteilung beeinflussen. Eben so selten, wie solche Höfe den Erwachsenen zum Aufenthalt dienen, können sie von den Kindern zum Spielen benutzt werden, da die meisten Hausbesitzer in derartigen Mietshäusern den Kindern längeres Verweilen auf dem Hofe untersagen. Ein Hausgarten in meinem Sinn ist ein solcher Hof nicht, auch wenn er gartenmäßig ausgeschmückt ist. Anders ist es, wenn bei dem Entwürfe von Häusergruppen ein oder mehrere Wohnhöfe vorgesehen werden. Dann muß durch Baumwuchs, Lauben u. dgl. dafür gesorgt werden, daß die Ruheplätze den Blicken der Hausbewohner entzogen i75 176 GEEIGNETE PFLANZENAUSWAHL werden, ähnlich wie dies in dem Gartenentwurf S. 118 geschehen ist. Da die ungünstigen Wachstumsbedingungen in dem engen Hof einer großen Stadt die Bepflanzung erschweren, sieht man selten für die Dauer berechnete, praktische und schöne Hofanlagen. Es dürfen nur solche Gewächse angepflanzt werden, welche verhältnismäßig wenig empfindlich sind gegen den Lichtmangel und die Verunreinigung der Luft durch Staub und den Schornsteinen entströmende Gase und Rußmengen. Von größeren Baumarten sind als besonders brauchbar die Ulme und der Götterbaum zu nennen. Auch Platanen, Linden und Ahorn kommen, wenn auch erst in zweiter Linie, in Betracht. An großen Bäumen ist aber meist geringerer Bedarf als an kleinen Gehölzen. Unter diesen gibt es eine bedeutend größere Auswahl, gedeihen doch sehr viele sogenannte Unterholzsträucher, die wir im tiefen Waldesschatten antreffen, auch im Schatten hoher Hauswände. Hierher gehören als höher wachsende Holunder 1 , Schneeball 2 , Kornelkirsche 3 , Maßholder 4 und Faulbaum 5 , als niedrig bleibende Alpenjohannisbeere 6 , Liguster 7 und Schneebeere 8 . Auch manche immergrünen Gehölze kommen hier bei schöner Entwicklung fort, besonders die Stechpalme 9 , der Buchsbaum 10 , der immergrüne Liguster 11 , die Eibe 12 , in wärmeren Teilen Deutschlands auch Kirschlorbeer 13 , Aucuba 14 und das japanische Pfaffenhütchen 13 . Großer Wert ist auf die gänzliche oder teilweise Berankung der Hauswände mit Schlinggewächsen zu legen. Backstein- 1 Sambucus nigra, 2 Viburnum Opulus, 3 Cornus mas, 4 Acer campestre, 5 Prunus Padus, 6 Ribes alpinum, 7 Ligustrum vulgare, 8 Symphoricarpus race- mosa, ° Hex aquifolium, IO Buxus arboresceus, ll Ligustrum ovalifolium, 12 Taxus baccata, * 3 Prunus Laurocerasus, * 4 Aucuba japonica, *' Evonymus japonicus. GEEIGNETE PFLANZENAUSWAHL 177 rohbauten sollten, wenn sie aus gewöhnlichen Hintermauerungssteinen hergestellt sind, stets gänzlich begrünt werden. Aber auch eine Wand aus Verblendsteinen mit sorgfältig verputzten Fugen wird durch das Grün schicklich verteilter Schlingpflanzen wesentlich verschönt. Um diesen einen Halt zu geben, schlägt man Haken in die Fugen und spannt Draht dazwischen. Anders verfahre man bei Putzflächen. Hier wird die Verwendung von Holzlattenwerk mit grünem, rotem oder blauem Anstrich schon deshalb den Vorzug verdienen, da dieses auch schon ohne Pflanzenwuchs eine schöne Flächengliederung ermöglicht. Bei der Auswahl der Schlingpflanzen müssen die schattenvertragenden, wie wilder Wein und Waldrebe bevorzugt werden; an sonnigen Stellen dagegen gedeihen edler Wein, Rosen, Glycinen und manch andere schönblühende Rankgevvächse. Die Begrünung des Hofes durch Gras zu bewirken, ist nicht zu empfehlen, da es sich nur wenige Monate lang hält. An seiner Stelle sind Maiblumen, Farnkräuter oder Veilchen zu verwenden. Selbst Blumen können in bescheidenem Maße angepflanzt werden, wenn man sich auf die mehrfach erwähnten, schattenvertragenden Stauden- und Zwiebelgewächse beschränkt. Wenn aber das hier aufgezählte Pflanzenmaterial nicht gedeihen will, dann liegt die Schuld weniger an Licht- und Luftverhältnissen, als an der unzureichenden Beschaffenheit des Bodens und der mangelhaften Pflege. Schon im eigentlichen Hausgarten hängt der Erfolg von der sachgemäßen Einrichtung und guten Pflege ab. Unter den überaus ungünstigen Verhältnissen eines Großstadthofes ist dies in erhöhtem Maße der Fall. Die Abb. 7, 76 bis 82, 114 und 115 sind Entwürfe des Verfassers; 15, 18, ig, 20, 26 bis 29, 37, 43, 47, 51, 56, 57, 63 bis 69, 83 bis 103, 105, 106, m, 112 und 113 sind vom Verfasser entworfen und ausgeführt. Die Abb. 8 (aus Kloster Bronnbach im Taubertal), 25 (aus einem botanischen Garten), 40 (aus Veitshöchheim), 41 und 110 (aus Wertheim a. M.) und 109 (aus Soest) verdanke ich Herrn Fritz Bauer in Magdeburg; 1. 2 und 9 Herrn Professor J. Hoffmann in Wien, 3, 44, 45 und 46 Herrn Professor Peter Behrens in Düsseldorf; 42, 49, 50 und 108 Herrn städt. Gartendirektor und Privatdozent an der technischen Hochschule Julius Trip in Hannover; 70 bis 75 Herrn städt. Garteninspektor Jung in Cöln; 52 und 53 Herrn Landschaftsgärtner Dahs in Jüngsfeld; 30 (aus Groß Trianon) Herrn Kurt Winkelhausen in Cöln. 14, 16 und 17 sind einem Pfarrgarten im Westerwald entnommen; 10, 21, 22, 23, 24, 3 1 , 3 2 > 33, 35, io 4 und 107 sind in Cöln durch Herrn städt. Obergärtner Scherer aufgenommen. DRUCK VON BREITKOPF & HÄRTEL IX LEIPZIG EUGEN DIEDERICHS VERLAG IN JENA Bücher zur Naturvertiefung Walt Whitman, Grashalme. Brosch. M. 5.—, geb. M. 6.— Wilhelm Holzamer: Wir fühlen eine Vereinigung von Rousseau und Nietzsche, wir fühlen die Wesentlichkeit des »Cherubinischen Wanders- mannes« von Angelus Silesius, wir fühlen die schöpferisch geniale Anarchie von Goethe-Prometheus und die überzeugende jugendliche Glut Schillers. Wir geben uns dem Pathos und der Andacht einer tiefen Religiosität hin, die eingeflossen ist in den Sinn der Schöpfung und der dieser Sinn die neue Göttlichkeit bedeutet, die ein neues Menschentum schaffen will. Henry D. Thoreau, Waiden oder Leben in den Wäldern. Brosch. M. 5. — , geb. M. 6.— Hermann Hesse: Wem der Auf- und Untergang der Sonne, die Wiederkehr der Jahreszeiten, das Leben der Bäume, Tiere, Lüfte nicht eine Dekoration sondern eine Welt des Lebens und unerschöpflicher Wunder ist, der muß dieses Buch lesen. Wer Freude an See, Wald und Bach hat, wer Pflanzen, Gesteine und Tiere liebt und gern beobachtet, der findet in »Waiden« einen unausdenkbar tiefen, immer quellenden Born der Freude. Die amerikanische Literatur, so kühn und so großartig sie ist, hat kein schöneres und tieferes Buch aufzuweisen und die Weltliteratur bietet wohl Vollendeteres und Glänzenderes, aber nichts Innigeres und Reineres. Richard Jefferies, Die Geschichte meines Herzens.. Mit Einführung von Ellen Key. Brosch. M. 3.—, geb. M. 4.— Ellen Key: So wie für seinen großen Landsmann und Vorgänger Blake war für Jefferies die Allnatur, ihre Formen und ihre Triebe heilig, und der Mensch selbst — aber nicht seine Werke oder Gebote — am heiligsten. Den ganzen Menschen, die Einheit von Seele und Sinnen, alle Kräfte, alle Anlagen, alle Freuden verehrten sie beide. Blütenkranz des Heiligen Franciscus von Assisi. Mit Buchausstattung von F. H. Ehmcke. Brosch. M. 6.—, in Perg. geb. M. 8.— A. Brunnemann: Noch heute lernen wir von ihm, uns eins zu fühlen mit der Natur, alles Lebendige alliebend zu umfassen, das reinmenschliche Element aus aller Erstarrung in Formelwesen und Dogmatismus zu erlösen und Mensch und Natur zu vergöttlichen. EUGEN DIEDERICHS VERLAG IN JENA Schriften zur künstlerischen Kultur Hermann Muthesius, Kultur und Kunst. Gesammelte Aufsätze über künstlerische Fragen der Gegenwart. Brosch. M. 4.-, geb. M. 5.— Inhalt: Kultur und Kunst. Die moderne Umbildung unserer ästhetischen Anschauungen. Über häusliche Baukunst. Zeichenunterricht und »Stillehre«. Die »Wiederherstellung« unserer alten Bauten. Hermann Obrist, Neue Möglichkeiten in der bildenden Kunst. Essays. Mit einem Lichtdruck. Brosch. M. 3.—, kart. M. 3.60 Inhalt: Wozu über Kunst schreiben, und was ist Kunst? Hat das Publikum ein Interesse, das Kunstgewerbe zu heben? Ein künstlerischer Kunstunterricht. Volkskunst? Die Zukunft unserer Architektur. Zweckmäßig oder phantasievoll? Neue Möglichkeiten in der bildenden Kunst. Paul Schultze-Naumburg, Häusliche Kunstpflege. 11. Tausend. Brosch. M. 3.—, geb. M. 4.— Inhalt: Ziele. Ästhetik der Mietswohnungen. Mittelstand. Vom Prunk. Die Wände. Decken. Boden. Türen und Fenster. Öfen. Die Mietswohnung. Vorhänge. Teppiche. Möbel. Alte Möbel. Bilder. Tafelgedeck. Beleuchtungskörper. Geschenke. Plastik. Dilettantismus. Spielzeug. Sammlungen. Das Buch. Pflanzen. Blumentisch. Blumen. Haustiere. Kultur des menschlichen Körpers. Der Fuß. Das Korsett. Kleider. Sehmuck usw. Paul Schultze - Naumburg, Kunst und Kunstpflege. Brosch. M. 2.—, geb. M. 3.— Inhalt: L'art pour l'art .... Ziele moderner Kunst. Naturalistischer Stil. Dekorative Malerei. Kopie und Imitation. Bildende Kunst und Sittlichkeit. Das Variete der Zukunft. Künstlerische Photographien. Spiele und Spielzeug. Jugendlektüre. Kunstunterricht. Menschliche Schönheit. Das moderne Haus. Albert Dresdner, Der Weg der Kunst. 2. Tausend. Brosch. M. 6.—, geb. M. 7.50 Inhalt: Die Kunst als Deuterin und Gestalterin des Lebens. Das Ende der Renaissance. Fontainebleau und die moderne Landschaft. Millet und Meunier. Menzel und Böcklin. Das neue Ideal. Der Impressionismus und seine Zeit. Die Begründung des Impressionismus und seine Leistungen. Die Überwindung des Impressionismus. Schöne Menschen. Die Frau und ihre Tracht. Kunst und Erziehung. Der Tanz als bildende Kunst. I -%.. IC*. II ■