Zweiter Abschnitt. Die Anfänge der Geheimen Hofkammer (1684—97). 41
und Untersuchungen an Ort und Stelle in engeren Kontakt zu treten x .Denn wie weit war man doch bisher noch von einer straffen Cen-tralisirung der gesamten Verwaltung entfernt gewesen.
Noch 1684, als es sich darum handelte, den Provinzialbehördendie Übernahme der Gesamtleitung der Kammerverwaltung durchKnyphausen anzukündigen, waren unter den Adressaten nur fünfAmtskammern. Nur in der Kur- und Neumark, in Pommern, Magde-burg und Ravensberg war bis dahin die regelrechte Form der mitt-leren Verwaltungsinstanz durchgeführt. In Kleve bestand wohl eineAmtskammer, aber sie, wie die in Halberstadt und Minden funktio-nierenden Kammerbeamten, wurden doch nur als Annex der Re-gierungen betrachtet, an die denn auch das Cirkularreskript gerichtetwar 2 . Preufsen aber nahm vollends eine Sonderstellung ein, dieHerren Regimentsräte in Königsberg mufsten in allen Formalienimmer mit besonderer Delikatesse behandelt werden 3 ; es war viel,dafs man in diesem Falle aufser ihnen auch den preufsischen Kammer-meister benachrichtigte. Er hatte dennoch von allen Beamten dieserVerwaltung die subordinierteste Stellung. Waren nun aber auch dieRegierungen nirgends mehr, selbst in Preufsen nicht, wie zu Anfangder Regierung Friedrich Wilhelms die Bollwerke der ständischen undpartikularistischen Opposition gegen das kurfürstliche Regiment, sowaren sie doch durchaus noch nicht so von monarchischen undcentralistischen Tendenzen erfüllt, dafs ihre Hineinziehung in dieGeschäfte einer Verwaltung, die diesen am meisten zu dienen berufenwar, irgend wünschenswert gewesen wäre. Und selbst da, wo manauf keinerlei Hindernisse politischer Natur bei ihnen gestofsen wäre,konnte ihre Zwischenstellung nur eine unnütze Verlängerung undErschwerung des Geschäftsganges herbeiführen. Sie zu umgehen unddiese Schäden zu mildern war eben jene Vermehrung der Stellenzahlbei der Centralinstanz und die durch sie ermöglichte Anstellunghäufiger Inspektionsreisen das zweckmäfsigste Mittel.
Ist Knyphausen, getragen von dem Vertrauen seines Herren, alsofrisch ans Werk gegangen, so ist es doch zur vollen Ausgestaltungseiner Pläne erst nach dem Regierungswechsel gekommen. Friedrich
1 „Von den Untersuchungen und Verrichtungen [soll er] ausführliche Rela-Wones erstatten" heifst es in der Bestallung für Neuhausen vom 18. Oct. 1687.
2 Circularreskript vom 30. Mai 1684.
3 S. o. S. 11.