32 I< Buch. 1. Kap. Die Geheime Hofkammer und ihre Vorläufer.
bei Gelegenheit einer im übrigen sehr ungereimten Anschuldigunggegen Canstein gestand — er warf ihm ganz im Sinne der ständischenOpposition die Zinserhöhung vor, die Canstein hier wie in Kleveden Ffandinhabern der kurfürstlichen Domänen gegenüber durchgeführthatte —, dem Kammerpräsidenten einmal 1000 Thaler gegeben zuhaben, um, wie der Herr Ankläger mit köstlicher Naivität hinzufügt,„mit ihm in Richtigkeit zu kommen" *.
Die Angelegenheit hat sich bis in das Jahr 1677 geschleppt, fürdie Kammerverwaltung aber war Canstein natürlich schon von Beginndes Prozesses an ein toter Mann. Nach ihm hat man wiederumkeinen Fachmann für dies Amt finden können; im Oktober 1674wurde der Geheime Rat Friedrich von Jena vom Kurfürsten auf-gefordert, es zu übernehmen 2 . Jena, ein energischer Mann von durch-dringendem Verstand und schroffen Formen 3 , war bisher fast aus-schliefslich mit auswärtigen und ständischen Geschäften, und jedenfallsnie mit den Finanzen befafst gewesen. Da er auf jenen Gebietenvielfach mit grofsem Erfolg thätig gewesen war, mochte ihm um soweniger daran liegen, sich in ein ihm völlig fremdes Ressort einzu-arbeiten. Er stellte denn auch dem Kurfürsten mit beweglichenWorten vor, wie wenig qualifiziert er für die ihm übertragene Funktionsei, er habe „niemals von Haushaltungssachen Profession gemacht"und „stehe nicht einmal seinem eigenen Privatwesen wohl vor" 4 . DerKurfürst hatte auch ihm, wie schon Canstein, zugesichert, dal's dieAngelegenheiten seiner Verwaltung zwar im Geheimen Rat vorzu-tragen, die Beschlüsse aber von ihm zu redigieren seien. Jena nun,der sich seiner scharfen Art wohl bewufst war, meinte, dafs dies Avntzu verwalten „bei so vielerlei Humoren und Einmischungen" geradeihm, wie dem Kurfürsten bekannt sei, unmöglich sein werde. Warnun auch Jena, wie die meisten von den Beamten Friedrieh Wil-helms, die sich sträubten, eine ihnen übertragene Stellung einzunehmen,mit seiner Bitte abschläglich beschieden worden, so waren doch diebeiden von ihm vorgebrachten Einwendungen berechtigt. Dafs es dem
1 Die Geheimen Räte an den Kurfürsten 11. Nov. 1674.
2 Kurfürstliches Reskript vom 28. Okt. 1674 (s. u. Akten Nr. 4).
3 Als solchen lassen ihn vor allem die kurfürstlichen Reskripte an Schwerinaus der Zeit, als dieser den Kampf mit den preufsischen Ständen zu führen hatte,erscheinen (abgedruckt bei Orlich III S. 70—165); sie sind sämtlich von Jenakonzipiert (s. Urk. und Aktenst. XV S. 506 Anm. 1 und vielfach sonst).
4 Jena an den Kurfürsten 22. Nov. 1674 (s. u. Akten Nr. 5).