so
»Was den ersten Theil deiner Frage betrifft, so dürfte dieAntwort wol nicht schwierig sein. Unser Urtheil wird richtigausfallen, wenn wir das Verhältnis eines Dinges so bestim-men und aussprechen, wie es in der That und unabhängigvon unserem Vorstellen bestehet, wenn es somit als eineThatsache unsers Denkens und Wahrnehmens, als einFaktum unserS Bewußtseins gelten kann, und mit der Naturder Säche übereinstimmt. Hören wir z. B. die Briten sa-gen, die Deutschen seien ein Volk der Denker, so ist ihr Ur-theil wol richtig, weil wir aus der neuen Geschichte wißen,daß von Jakob Böhme bis Schelling wirklich viel genialeKöpfe in Deutschland sich erhüben, die man wegen ihrer ori-ginelen Denkweise bewundert. Was aber den zweiten Theildeiner Frage betrifft, Verehrenswerthe! so wird seine Losungetwas schwieriger sein.« — »Jedennoch« sagte ein anderervon den Schülern — »müßen wir es versuchen, uns hierinzu genügen. Ich meine daher, es wird Jemand dann von ei-nem Gegenstand richtig urtheilen, wenn er ihn vorher auf-merksam ins Auge faßt, ihn Mit Muße und ohne Übereilungbetrachtet, die Merkmale an ihm genau zu erheben sucht» dieErscheinungen an ihm mit Fleiß und zu widerholten Malenbeobachtet, ihn mir scharfem Blike prüft, ihn mit andernDingen zusammenstellt und nach all seinen Eigenschaften ver-gleicht, um seine Verhältniße deutlich und mit einem Gradevon Sicherheit zu erkenne», sie so zum Bewußtsein zu brin-gen , wie sie .an sich sind, aufdaß unser Urtheil — nach derFederung TheofrastS — richtig ausfalle.«
»Wol!« erwiderte Noema mit beifälliger Miene, —das ist allerdings der rechte Weg, gesunde Urtheile sich zubilden, seine Aussprüche mit Wahrheit zu paare», seine Ge-danken, seine Kenntniße auf festen Grund zu bauen. Dies giltsowol von den Äußerungen und Bemerkungen im gemeinenLeben, als von den Behauptungen in der Wißenschaft, wounsere Urtheile als Säze, Positionen, Sentenzen, Thesen,Dogmen, Principien und Maximen erscheinen. Im Leben