Meine lieben Langen Freunde!
L^er lebendige Gedanke des zur Erkenntnis undWeisheit emporstrebenden menschlichen Geistes zeigte sichden Hellenen im Bilde einer erhabenen Jungfrau, die ausden übersinnlichen Gefilden des Himmels auf unsere ErdeHerabstieg, mit liebreicher Miene unter den Menschenwandelt und all Diejenigen in sanft klingender Rede un-terrichtet, die sich mit Ehrfurcht um sie versammeln.Wir sehen die Unsterbliche auch jetzt noch oft mit ihrerewig heiteren Stirne und dem lieblich siralenden Aug inden anmutigen Gärten unserer Metropole wandeln undihre köstlichen Gaben Jedem ertheilen, der durch edleBildung und feine Sitte ihres Umganges sich würdigbezeigt.
Ihr könnet, meine Theuren! die hohe Gestalt in allihrem Reize erschauen, wenn ihr im ersten Stral derMorgensonne in aufmerksamer Stille die Schattengängeund Höhen des Belvederes besucht und da die Musen,ihre Schwestern betrachtet, die zu beiden Seiten der mitt-leren Perspektive am grünen Teppiche prangen. Wie bis-weilen der Andächtige, wenn er sein Auge lang und in-brünstig auf das dunkle Kreuz des göttlichen Mittlers ge-richtet, dies Zeichen des Heils nun auch am blauen Him-mel erblickt, so wird euch nach der sinnigen Betrachtungjener holden Beschüzerinnen der schönen Künste auchNoema, die erhabene Lenkerin des ernsteren Denkens,