festgehalten, Gewährt und beinahe ununterbrochen wieder her-vorgerufen werden. Deshalb ist alles Denken, dem Stoffe, derMaterie, d. i. den Objekten des Erkennens nach, ein nach höhe-ren Gesezen modifizirtes Vorstellen, und' jeder Gedanke einenach idealen Formen ausgebildete Vorstellung, aber eben des-halb dennoch keine Sinneserkenntnis, so wenig als das Kunst-gebilde des Malers eine Färbung der Leinwand genannt wer-den kann, obschon alles daran nur Farbe ist.
Aber nur ein erkennendes Verbinden und Trennenunserer Wahrnehmungen ist ein Denken. Fehlt dies Merk-mal , so wird unsere geistige Thätigkeit zu einem bloßen Fan-tasiren herabsinken. Denn auch die Einbildungskraft, Ima-gination oder Fantasie sezt eine Menge Erinnerungen, eineMenge in unserem inner» Wesen gesammelte Bilder wahrge-nommener Objekte auf die bunteste Weise zusammen, odertrennt die also verbundenen nach Willkür und Laune. Aberbei dieser Art des Bildens und Schaffens erkennen wir nichts,das da außer unserer Imagination eristirte, bei dieser »ÄschenAktion erzeugen wir keine Vorstellung von einem außer unse-rem Wahrnehmungskreise liegenden und unabhängig von un-serer Geistesthätigkeit wirklich bestehenden Gegenstände, son-dern weben uns lauter Combinalionen, denen kein Objekt inder Natur entspricht. Sezt aber irgend eine glükliche Fan-tasie, vom Genius angehaucht, ein Gebilde zusammen, dasihr Träger hierauf als einen wirklich epistirenden Gegenstandin der Natur antrifft, sowie z. B. Columbus Amerikagesunden oder der französische Astronom Leverrier denNeptun entdekte, so ist diese Geistesarbeit — obwol ohneäußere Wahrnehmung des geahnten Gegenstandes unternom-men — dennoch kein bloßes Fantasiren mehr, sondern einwahrhaftes, tiefeS Denken, und diese Männer, sowie vieleandere große Geister haben ihre herrlichen Entdekungen nichtetwa wie die Poeten in glüklicher Laune und nach Willküroder im Feuer der Begeisterung geträumt, sondern sie ha-ben sie durch ihren richtig kombinirenden Verstand — obwol