Druckschrift 
Die theologische Fakultät der Universität Berlin in Vergangenheit und Gegenwart
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

die Lauterkeit seines Charakters ein merkwürdig günstigesUrteil fällt. Das hier ausgesprochene Urteil möchten wirverallgemeinern:Man hat sich sehr zu hüten, die persön-liche christliche Stellung eines Mannes ohne weiteres nachseinen wissenschaftlichen theologischen Aufstellungen zu be-messen.

Als der alttestamentliche Theologe Oehler, den Delitzschmit Rechteinen Theologen nach Gottes Herzen genannt hat,im Sommer 1845 erstmals in Breslau seine Vorlesung überdie Theologie des Alten Testaments eröffnete, schloss erseine Ansprache mit den Worten:Auf Christum, den einenMeister, hinzuweisen, ist die heiligste, verantwortungsvollstePflicht, aber auch die Weihe und Freude des theologischenLehramtes. Der Lehrer der Theologie darf keinen höhernWunsch suchen als den, dass er solche Schüler finde, diezu ihm sprechen dürfen: wir glauben hinfort nicht um deinerRede willen; wir haben selbst gehört und erkannt, dass dieserist wahrlich Christus, der Welt Heiland. Wenn alle theo-logischen Dozenten diese goldenen Worte unterschreiben undes so ihr Bestreben ist, nurChristum zu treiben, kanndie akademische Lehrfreiheit, mit welcher der Protestantis-mus steht und fällt, nimmer schlechte Früchte treiben. Indiesem Sinne sei jeder theologischen Facultät, insbesondereder auf der Alma Mater Berolinensis aus warmem Herzenein Vivat, crescat, floreat in sempiternum! zugerufen.