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Arbeit seines Manneslebens gewesen. Schon hier war es dieHauptaufgabe „des grössten Menschenfischers unter denakademischen Lehrern dieses Jahrhunderts“, wie er selbstsagte, „für den Herrn zu erobern.“ Dieser Richtung seinerThätigkeit entsprach und entstammte das kleine Büchlein,in welchem er 1823 den Ertrag seines gesamten bisherigenLebens zusammenfasste und welches wohl das durchschlagendsteseiner ganzen weitverzweigten litterarischen Thätigkeit ge-wesen ist, „die Lehre von der Sünde uud von dem Ver-söhner“. Es wurde neunmal aufgelegt und in sechs Sprachenübersetzt Aus der grossen Zahl der Studierenden, auf welcheTholuck in Berlin segensreich wirkte, seien nur genanntJulius Müller, der ihm später in den dogmatischen Ab-handlungen den schuldigen Dank widmete, sowie der Ver-fasser der „Reden des Herrn Jesu“, Rudolf Stier, dem ermit Friedrich von Meyers erklärter heiliger Schrift ein fürseine ganze Theologie bedeutungsvolles Weihnachtsgeschenkmachte. Als Tholuck nach Halle ging, trat He ngstenberg,damals noch Lizentiat, sein Erbe an. Zeitlebens bliebenbeide Männer freundschaftlich verbunden, selbst als der weit-herzige Tholuck den kirchlichen Bahnen des jüngerenFreundes nicht mehr folgen konnte. Dieser, seit 1828ordentlicher Professor und bis zu seinem Tode 1869 inBerlin thätig, hat seine Lebensaufgabe, die Niederkämpfungdes Rationalismus, der „Theologie, des natürlichen Menschen“,mit unbeugsamer Energie durchgeführt. Insbesondere durchseine bereits 1827 begründete Evangelische Kirchenzeitungwar er eine der einflussreichsten theologischen Persönlich-keiten seiner Zeit. Neben vielen Luftstreichen hat er hiermanche vortreffliche, wohlgezielte Hiebe gegen den Rationalis-mus in der Kirche und an den Universitäten, „diesen ge-borenen und geschworenen Feind Christi und seiner Kirche“geführt. In vielen Kreisen galt seine Stimme wie ein Orakel,und sein Urteil über jede auftauchende kirchliche Frage, zumalin den jedesmaligen Neujahrsartikeln, wurde mit Spannungerwartet. Als 1830 ein von dem damaligen Gerichtsdirektor,späteren Präsidenten von Gerlach, welchem der StudentHävernick, nachmals Professor in Rostock und Königsberg,den Stoff aus den Kollegien zugetragen hatte, verfassterArtikel die Professoren Wegscheider und Gesenius in Hallewegen Verführung der theologischen Jugend denunzierte, dasagte sich der mildherzige Pektoraltheologe Neander unterBerufung auf die akademische Lehrfreiheit, das pietätloseHerausreissen einzelner Reden aus dem Zusammenhänge unddas öffentliche Mitteilen derselben tadelnd, von der Evan-gelischen Kirchenzeitung los. Fünfzehn Jahre später pro-testierte gegen ihre starre Intoleranz eine mit 87 Unter-