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mehrere Stunden. Leicht Wjar es nicht, seinem Vorträge zufolgen, der vieles voraussetzte, oft auf verschlungenen Pfadensich bewegte und hohe Anforderungen an das Denkvermögenstellte. Auch bequemte er sich seinen Zuhörern nicht an.Als er einstmals gebeten war, des Nachschreibens halberlangsamer vorzutragen, erwiderte er, wer dies wünsche, thätebesser, andere für jüngere Zuhörer berechnete Vorlesungenzu besuchen; es seien in Berlin Dozenten genug, um diesemBedürfnis zu entsprechen. Wie er so als akademischer Lehrernicht eigentlich für grosse Massen populär wurde, sondernfür Geübtere und Denkmutige geschaffen war, so hat er sichauch dem Verkehr und den Fragen und Anliegen der Stu-dierenden niemals in dem Masse wie Neander hingegeben.Gleichwohl genoss er bei ihnen grosse Verehrung, die be-sonders an seinem Geburtstage sich aussprach. In ein aus-nehmend enges Verhältnis trat er zu Twesten, mit dem erbis zu seinem Tode im Briefwechsel stand. Im Tagebuchdes jungen Studenten heisst es u. a.: „Schleiermacher schätzeich über alles; heute schloss er seine Encyklopädie, die michwieder mit Leih und Seele zum Theologen gemacht hat.“ —„Es ist ein eignes Gefühl der Liebe, welches einen ergreift,wenn man etwas Wahres, Helles, Lichtverbreitendes liestoder hört. Dies Gefühl habe ich, wenn ich Kant lese oderSchleiermacher höre .... jetzt begreife ich recht, wie mandazu kommen kann, auch in Nebendingen jemanden nachzu-ahmen: fast bin ich geneigt, mir einen braunen Kock machenzu lassen und schwarze Unterbeinkleider zu tragen, weilSchleiermacher so geht.“ —
Neben dem Philosophen Hegel war Schleiermacher diehöchste geistige Autorität in Berlin; man nannte sie Salzund Pfeffer. Zu einer Annäherung zwischen beiden kam esfreilich nicht. Der Kantianer Sch.leiermach.er urteilte, es seiwohl ziemlich sicher, dass Hegels Schule niemals „ans Brettkommen“ werde, während Hegel spottete, wenn Religion dasGefühl der schlechthinigen Abhängigkeit sei, so sei der Hunddas religiöseste Wesen.
Als Schleiermacher, rüstig bis ans Ende und unermüd-lich thätig — Humboldt hat einmal von ihm gesagt, dass ergar kein Alter gehabt habe, — nachdem er nur sechs Tagean der Lungenentzündung gelitten, am 12. Februar 1834 dieAugen geschlossen hatte, schrieb Wilhelm von Humboldt anCharlotte Diede in den „Briefen an eine Freundin“: „Berlinhat in diesen Tagen einen Verlust erlitten, den man mit Wahr-heit einen gleich grossen für die Religion und Philosophienennen kann.“
Wenn wir hier die Bedeutung Schleiermachers für diewissenschaftliche Theologie wie für das kirchliche Leben