Druckschrift 
Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

237

Immer noch höre ich das Klirren der Ketten, die rauhen, hei-seren Stimmen. Schlaflos verstrich mir die Nacht, und wenn sichmein schwerer Kopf auch manchmal senkte und das Auge sichschloss, so weckte mich doch alsbald die laute Unterhaltungwieder und erneuerte meinen Ekel.“

In Toulon wurd Delescluze auf einer Brigg eingeschifft, dieihn nach Brest brachte. Damit er nicht entschlüpfte, kettete manihn in seiner Zelle auch noch an. Erst als er in Brest das grosseTransportschiff „La Seine“ bestieg, fand er anständigere Behand-lung, da ihn der dortige Marinepräfect dem Capitän empfahl.Doch blieb noch Bitterkeit genug für ihn, führte ihn doch dasSchiff über das Weltmeer, auf dass er fern von der Heimat dasungesundeste Land der Welt als Aufenthaltsort und Gefängnissfinde.

Das ausgedehnte Gebiet des französischen Guyana hatteschon mehrmals Versuche grösserer Colonisation gesehen. Inder Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte die Pariser Regierungzu einem sonderbaren Mittel gegriffen, einestheils Paris vom Ge-sindel zu reinigen, und anderntheils die Colonie zu bevölkern.Sie veranstaltete eine Razzia und liess ungefähr 13.000 Menschenaufgreifen, aus der ärmsten Classe und zumeist schlechtes Volk.Aber auch brave Leute wurden bei diesem Fischzug gefangen,in manchen Fällen sogar absichtlich, und mit den Anderen überden Ocean geschickt. Unbegreiflicher Weise hatte man aber inGuyana gar nichts zum Empfang der Armen vorgesehen. Diesewurden auf einer Felseninsel gegenüber Cayenne ausgschifft undihrem Elend überlassen. Nach kurzer Frist waren fast Alle zu-grunde gegangen.

Später liess das Directorium der Republik seine Gegnernach Cayenne deportiren. Das schreckliche Klima waltete seinesAmtes so sicher wie die Guillotine, nur quälte es seine Opferzuvor durch Fieber und Krankheiten aller Art.

Auch die neueren Deportationen unter Napoleon III. Hessen dieEinwohnerzahl der Colonie nicht steigen. Der Todesengel hielt zugrausige Ernte. Wenn man aber vielleicht den Schilderungen von De-lescluze nicht glauben will, obgleich er im Ganzen sehr ruhig spricht,so befrage man die Aufzeichnungen Jusselain’s, eines Marine-