Vorwort.
Während der zwei Jahrhunderte, die von der Thron-besteigung Heinrichs von Navarra bis zum Sturze der Monarchiein den Stürmen der Revolution verstrichen, besass Frankreichdie Vorherrschaft in Europa. Durch straffes Zusammenfassenseiner Kräfte stieg es zu einer Zeit empor, in der die Gross-mächte, die ihm bis dahin mit Erfolg den Vorrang streitig ge-macht hatten, den entgegengesetzten Weg verfolgten und inVerwirrung oder Erschlaffung versanken. König Ludwig XIV.sah seinen Willen lange Zeit ausschlaggebend in allen euro-päischen Verwicklungen. Aber das Ansehen Frankreichsmachte sich nicht allein in der grossen Politik geltend, unddie Erfolge seiner Waffen hätten nicht genügt, ihm eine so her-vorragende Stellung zu geben. Wichtiger und tiefer greifendwar der Einfluss, den die Franzosen auf das geistige und so-ciale Leben der Völker gewannen. Wurden sie doch in dieserZeit in Literatur und Kunst für Europa massgebend. Franzö-sische Sitten, französische Ideen herrschten überall, wo sicheine gebildete Gesellschaft zusammenfand, und .FrankreichsSprache war mehr als je die Sprache der Vornehmen und desinternationalen Verkehres in Europa. Man kann darum das sieb-zehnte und achtzehnte Jahrhundert als die französische Periodeder Weltgeschichte bezeichnen.
Eingeschlossen von der Zeit der Renaissance und der Re-formation einerseits und von unserem Jahrhunderte andrerseits,weist diese Epoche eine eigenthümliche Cultur, ein eigengear-tetes Leben auf, das für uns umso wichtiger sein muss, weil
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