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Frankreich beim Ausgange des sechzehntenJahrhundertes.
«Damals war Alles erlaubt, nur nicht gut reden und guthandeln“, sagte ein Chronist von der Zeit, in welcher die Re-ligionskriege das französische Volk spalteten und die PariserBluthochzeit die feindlichen Parteien mit ingrimmigem Hassegegen einander erfüllte. ’)
Das Wort ist furchtbar, aber kaum zu stark. In Parteienzerrissen, von Fanatismus durchglüht, sittlich verwildert, schienFrankreich unter der Herrschaft des armseligen Heinrich III.seiner Auflösung entgegenzugehen und theilungslustigen Räu-bern als Beute zu verfallen.
Die acht Religionskriege, welche fast dreissig Jahre langdas Land verheerten, hatten einen umso gefährlicheren Charakter,als sie nicht allein den Gegensatz zwischen Katholiken undProtestanten zum Austrag bringen sollten, sondern auch an-deren. geheimen, aber mächtig wirkenden Beweggründen ent-sprangen. Es galt zunächst, die hochfliegenden Pläne des Bür-gerthums zu vereiteln. Denn der dritte Stand war wohlhabendgeworden und strebte in gesteigertem Bewusstsein nach Ein-fluss auf die Leitung des Staates. Da waren ferner die Guisen,aus dem Lothringer Fürstenhaus, welche nach der Krone vonFrankreich strebten. Denn König Heinrich III. war kinderlos
*) Lestoile, Registre-Journal de Henri III, ed. Champollion-Figeac etAime Charapollion fils (Collection Michaud et Ponioulat) 1837. Jahr 1578.S. 78, Spalte 2.