Druckschrift 
Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234

liehen Höhen umrahmten Bucht nach dem Garten von Saint-Mandrier! Ein unvergesslich schönes Bild! Wenn nur nicht trübeErscheinungen inmitten der sonnigen Freude immer wieder ernstgestimmt hätten!

Als im Jahre 1773 die Galeerenflotte, die noch aus neunFahrzeugen bestand, aus der Liste der königlichen Kriegsschiffeausgeschieden wurde, war ihr Ende gekommen. Neun Jahrespäter, 1781, wurde das Arsenal zu Marseille aufgelöst, die Ge-bäude verkauft und Toulon zum einzigen Waffen- und Rüstplatzder französischen Flotte im Mittelmeere erhoben, nachdem esMarseille schon lange in dieser Hinsicht überflügelt hatte. Auchdie Galeerensklaven wurden damals nach Toulon geschickt, undda man sie nicht mehr zum Rudern brauchte, verwandte mansie zu den schwersten Arbeiten beim Schiffbaue in den Docksund im Hafen. Ein Theil des letzteren wurde durch hohe Mauernvon der übrigen Welt abgeschieden und bildet seitdem dasBagno — eine Welt für sich, in der unerbittliche Strenge waltetund der Schrecken herrscht.

Von Zeit zu Zeit sahen wir, während wir das Gewühl derfreien Menschen auf den Quais und die Bewegung der Schiffeauf dem Wasser verfolgten, ein Boot pfeilschnell durch dieMenge der Schifferbarken dahinschiessen. Männer in rothenJacken und sonderbaren rothen Mützen führten darin unter derAufsicht eines uniformirten Wächters die Ruder — es warenGaleerensklaven, wie sie der Volksmund auch heute noch nennt.Manchmal führt sie ein Auftrag doch aus dem Bagno heraus,und ihr seltsamer Anblick störte uns, wie schon gesagt, dieFrühlingsfreude. Freilich nur uns, denn das Volk war an ihreErscheinung gewöhnt und beachtete sie nicht weiter.

Eines Nachmittags trat ich, mit einem Erlaubnissscheinder Commandantur versehen, durch das feste Thor in jene Weltder Sühne, das Bagno. Der Gegensatz des heiteren Sonnenlichtes,das die Menschen, die Docks und die Schiffe in denselben um-spielte, mit dem finsteren Wesen der Menschen selbst, wirktewahrhaft bedrückend. Auf den weiten Plätzen des Bagno sahman einige Tausend Verbrecher an der Arbeit. Da hörte mankein fröhliches Summen, wie es sonst wohl die Arbeit mit sich