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Erheben wir uns übrigens nicht zu sehr über diese medi-cinische Kunst, denn sie blüht fort bis in unsere Zeit. Noch Ca-vour wurde durch fortgesetztes Aderlässen von seinen Aerztenumgebracht, und Blutentziehen ist noch heute eins der belieb-testen Mittel in den südlichen Ländern.
Mit der gleichen Leidenschaftlichkeit, mit der er für denAderlass eintrat, kämpfte Patin gegen den Gebrauch des Anti-mons, das damals sehr beliebt war, gegen die Chinarinde, derenheilsame Kräfte um jene Zeit entdeckt wurden.
„Das Kina-Kina-Pulver“, schrieb er, „findet hier keinenGlauben. Die Narren stürzten sich darauf, weil es theuer war,aber da die Wirkung ausblieb, spottet man nun darüber.“(30. December 1653.) Dafür aber theilte er manchen Volksglauben,wie z. B. dass eine Lungenentzündung für Rothköpfe absolut tödt-lich sei, und zum Beweis erzählte er die Geschichte eines Mannes,der an einem Lungenkatharrh starb. Er hatte schwarze Haare.Dessen Frau aber hatte rothes Haar; sie erkrankte an einerLungenentzündung und war nicht zu retten. Ein Secretär desKönigs wurde von der gleichen Krankheit befallen. Seine fünf-undsiebzig Jahre hätten ihm nicht geschadet, aber er war rothvon Haaren, und so musste er sterben.
Wir können hier in die Details des damaligen Heilverfahrensnicht weiter eingehen. Nur auf einen Punkt möchten wir nochhinweisen. Patin erkundigt sich einmal bei Falconet (27. Juni1651), wo eigentlich Vichy läge, und welche Quellen der Ort habe.Vichy war aber zu'jener Zeit schon ein besuchter Badeort, unddie Unwissenheit Patin’s erstaunlich. Hätte man ihn nach den Heil-quellen befragt, welche die alten Römer gebraucht haben, er hättegewiss Bescheid gewusst.
Zum Schlüsse möchten wir noch auf die Menge von Skizzenund kleinen Bildern aus dem Leben — „dem Trictrac der Welt,“wie Patin einmal sagt (Spon, 27. August 1658) — aufmerksammachen. Er zeigt einmal mit Behagen auf zwölf Carmeliter-Patres,die wegen Uebertretung der Fastengesetze verhaftet wurden. DiePolizei drang nächtlicherweile in’s Kloster, hielt Haussuchungund fand in der Zelle eines Mönches allerlei tröstliche Vorräthe,zweiundzwanzig Rebhühner — man sieht, Patin rechnete genau