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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
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Zeit sandte ihre Vorboten aus, und es regte sich allenthalben.Zwar ist es natürlich, dass die grossartige Entfaltung der fran-zösischen Literatur zunächst den Blick des Betrachtenden aufsich zieht, allein bei genauerer Prüfung erkennt man leicht, dassauch anderswo grosse fruchtbringende Arbeit gethan wurde. Inder Philosophie schlug man kühne Bahnen ein, und in den Natur-wissenschaften versuchte man neue Methoden der Forschung.Schon unter Richelieu wurde zu Paris ein botanischer Gartenangelegt und einige Jahre später ein Lehrstuhl der Botanik ander Universität gegründet. Auch die Medicin konnte von dieserBewegung nicht unberührt bleiben, obgleich jeder Fortschritt inder eigentlichen medicinischen Wissenschaft, zunächst in derKenntniss des menschlichen Körpers, schwer war, da sich diealtehrwürdig dumme Routine überall hemmend in den Weg stellte.Als der Engländer Harvey im Jahre 1619 den Umlauf des Blutesim Körper nachwies, fand er die heftigste Opposition. In Frank-reich, wo es nur zwei medicinische Hochschulen, die Facultätenzu Paris und Montpellier, gab, wollte man sich lange nicht zuHarvey’s Lehre bekehren lassen. Zwischen den beiden Schulenbestand Eifersucht und Feindschaft, und die Discussionen überden Blutumlauf trugen nicht zur Beruhigung der Gemüther bei.

In Montpellier machte sich das feurige Blut des Südensgeltend und stimmte eher für die Neuerungen günstig. Umsoentschiedener hielt man in Paris an der althergebrachten Wissen-schaft fest. Die Pariser Facultät erachtete sich, als die erste derWelt, und jede Entdeckung, die man anderswo machte, schienihr fast ein Act der Empörung. Und da sie selbst im siebzehntenJahrhundert nichts Neues zu finden wusste, stellte sie die Lehrendes Hyppokrates und des Galenus, die von den Theoretikerndes Mittelalters etwas modificirte Heilkunde der Griechen undRömer, als ein unantastbares Heiligthum hin, als ein Dogma, andem nur zu zweifeln schon als gotteslästerlich galt. Aehnlicherging es freilich zu allen Zeiten und ergeht es auch heute nochin gewissen Kreisen.

Diese Unfruchtbarkeit und Hartnäckigkeit erklärt sich zumgrossen Theil aus dem Bildungsgang, den die jungen Medicinerdamals einschlugen. Noch im siebzehnten Jahrhundert war e s