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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
Entstehung
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Wieviel des Bösen hat man nicht von Alters her über dieAerzte gesagt! Satiriker und Possendichter fanden stets neueVeranlassung, ihren Spott über sie zu ergiessen und wussten dasalte Thema immer neu zu variiren. In der Schilderung derquacksalbernden Heilkünstler mischt sich zum Hohn oft nochein gewisser Galgenhumor, der wohl durch die unästhetischeWeise, mit welcher diese Herren ihre Opfer quälen, hervorge-rufen wird. Goethe’s Mephisto urtheilt herb von der Theologieund der Jurisprudenz, aber bei der Charakteristik des ärztlichenBerufes lässt auch er den Schalksgeist spielen. Moliere geht nochviel übler mit den Aerzten um. Figuren, wie die der Herren Dia-foirus, Vater und Sohn, oder des Holzhauers Sganarelle, derdurch eine Tracht Prügel genöthigt wird, als Arzt aufzutretenund gerade so viel leistet, wie seine Collegen vom Fach, sindMeisterwerke komischer Zeichnung und auch heute noch überausergötzlich. Um wieviel wirksamer mussten sie zur Zeit Moliere’sselbst sein, als das Publicum wahrheitsgetreue, wenn auch possen-haft verzerrte Porträts in ihnen sah? Denn was wir heute fürEinfälle eines übersprudelnden Humors zu halten geneigt sind,war die schärfste Satire auf wirklich bestehende Verhältnisse.

Dass dem so sein konnte, scheint uns Anfangs kaum glaub-lich. Wir kennen das Zeitalter Ludwig XIV. als eine Zeit hohergeistiger Blüthe, und fragen erstaunt, ob solche Verhältnisse, wieMoliere sie schildert, in Wirklichkeit bestanden haben können?Das zu untersuchen und die Thätigkeit eines vielbeschäftigtenfranzösischen Arztes vor 200 Jahren etwas genauer zu betrachten,sei die Aufgabe der folgenden Blätter.

Das siebzehnte Jahrhundert rüstete sich auf allen Ge-bieten des Wissens zu energischem Fortschritt. Die moderne

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