sicher scheint es zu sein, dass La Bruyere jede allzu rücksichts-lose Behandlung abzuwehren verstand* Empfindlichen Kränkungenblieb er desshalb doch ausgesetzt, und persönliche Erfahrungenmögen ihm die Veranlassung gegeben haben, in dem Abschnitt„von der Gesellschaft“ (Nr. 54) zu sagen: „Wer gesellschaft-lich so hoch über den Anderen steht, dass er vor jeder scharfenAntwort sicher ist, sollte niemals einen verletzenden Witzmachen“.
In dieser und in ähnlichen Aeusserungen zittert noch dieErregung über eine nicht abzuwehrende Beleidigung nach. Aberwir wollen nicht so weit gehen, wie Allaire, der für die meistenAussprüche La Bruy&re’s die bestimmenden Vorfälle kennen will.Er kommt dabei zu hübschen Conjecturen und sinnreichen Ein-fällen, wobei er nur vergisst, sie als Einfälle und nichts weiterhinzustellen. Er berichtet z. B. einmal von der Galanterie desjungen Herzogs für Mlle. de Nantes, seine Braut, und lässt danndas schöne Wort La Bruyere’s folgen: „Ein schönes Gesichtbietet das schönste Schauspiel, und die süsseste Harmonie istdie Stimme der Geliebten“ — gleich als wisse er, dass LaBruyere im Glück seines Zöglings die Anregung zu seiner Be-merkung gefunden habe, was uns nach Allem, was wir wissen,mehr als zweifelhaft erscheint.
Prinz Heinrich Julius von Condfi starb in traurigem Zu-stande im Jahre 1709, und um das unerquickliche Bild desFamilienlebens noch trüber zu machen, begannen die Kinderalsbald nach seinem Tode einen hässlichen Prozess um die Erb-schaft. Ludwig III. von Bourbon-Conde, der nun das Hauptseines Hauses wurde, litt an epileptischen Anfällen und folgteseinem Vater schon ein Jahr später in’s Grab. Der Tod ver-schonte das Geschlecht der Condö so wenig, wie die NachkommenLudwig XIV.
Für die Conde war die Zeit des Heldenthums vorüber. DieNachkommen der Männer, die wir in der vorstehenden Skizzegezeichnet haben, traten nur noch wenig im öffentlichen Lebenhervor. Erst als während der Revolution ein Prinz des Hausesdie ausgewanderten Adeligen in Coblenz sammelte und einenFeldzug gegen die Republik plante, wandte sich ihnen die