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nie auch nur die leiseste Neigung für sie empfunden. Der Geistder armen Frau umnachtete sich später, und sie wurde im Jahre1671 nach Schloss Chateauroux gebracht, das sie bis zu ihremTode (1694) nicht mehr verliess.
Conde’s Sohn, Heinrich Julius von Bourbon, Herzog vonEnghien — „Mr. le Duc“, wie sein officieller Titel lautete —war geistig begabt, wie sein Vater, allein seine Fähigkeiten warennicht im Gleichgewicht. Bald übersprudelnd lustig, bald schwer-müthig, immer aufgeregt, war er von Ehrgeiz gequält, ohne dochErnst und Ausdauer zu männlichem Thun zu besitzen. Das Be-wusstsein, nichts leisten zu können, verbitterte ihn. Saint-Simonschildert ihn in seinen Memoiren als einen kleinen mageren Mannmit lebendigen glänzenden Augen, geistvoll, gebildet und muthig.„Aber niemals blieben solche Gaben so unbenutzt, niemals dienteeine so lebendige Phantasie nur dazu, sich selbst und andere zuquälen. Mit keinem anderen Menschen war es ja so dornenvollzu verkehren; kein Anderer zeigte sich ja so habsüchtig, so un-gerecht und hochmüthig, so kriechend gegen die Richter, soknechtisch gegen die Minister, so verächtlich unterwürfig gegenden König. Unnatürlich als Sohn, grausam als Gatte, schreck-lich als Vater, abscheulich als Herr, gefährlich als Nachbar,ohne Freunde, eifersüchtig und argwöhnisch, war er dabei einMann, dem Niemand wiederstehen konnte, wenn er mit Liebens-würdigkeit, Feinheit, schmeichelnder Kunst und seiner natürlichenBeredsamkeit vorging.“
Saint-Simon konnte glühend hassen, und das Bild, das ervom Herzog entwarf, beweist die grimmige Abneigung, die ihngegen denselben beseelte. Aber wenn man das herbe Urtheilauch vielfach mildert, es bleiben genug Züge übrig, die uns er-schrecken. Zudem widerspricht die Geschichte, soweit sie sichmit des Herzogs Person befasst, der strengen Auffassung Saint-Simon’s nicht. Conde wünschte vergebens, seinen Sohn auch alsErben seines kriegerischen Ruhmes glänzen zu sehen. DerHerzog zogzwarmitzu Feld, setzte sich auch kaltblütig dem Feueraus, interessirte sich aber nicht weiter für den Kampf. Sein Ehrgeizwar auf ein anderes Ziel gerichtet. Er strebte mit allen Kräftendarnach, zu dem engsten Kreis des Königs zugelassen zu werden,