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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
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deutungsvolle, aber immerhin einseitige Lehre der Nationalitätenunterzuordnen.“

Diesen Gedanken hing Lotheissen nicht nur in Tagen ju-gendlicher Ueberschwänglichkeit an: er bewährte sie, unbeküm-mert um die Schlagworte der Zeit, in einem arbeitreichen Leben.Sein schönes Streben fand erfreulicherweise auch in Frankreichvolle, wohlverdiente Anerkennung. Seine Literaturgeschichtewurde von angesehenen Fachgenossen im „Journal des De-bats“, im „Temps“ und in zahlreichen kritischen Zeitschriften mitunbedingter Zustimmung eingehend besprochen. Bewältigte dochdas Werk in systematischer, zusammenfassender Darstellungeinen Vorwurf, den sich die Laharpe, Sainte-Beuve, Nisard, Sacy,Paul Albert etc. nur monographisch, in Porträts, Skizzen, Vor-trägen, zurechtgelegt hatten. Sehr natürlich, dass die Meisterder französischen Kritik, Dank ihrer Art und Kunst, da unddort glänzender, blendender, epigrammatischer wirken können.Lotheissen dagegen gibt sich durchweg methodischer, jedemGeistreichthuen mit überputzten Antithesen, Aphorismen etc., ab-hold. Seine durchsichtige, schmucklose Prosa vergönnt sich nurselten ein sinniges Gleichniss aus dem Naturleben : man merkt,dass es dieser Darstellung vor Allem um die Sache selbst zuthun ist. Schön und wahr hat Charles Joret diese VerdiensteLotheissen’s in seiner Anzeige der Moliere-Biographie gewürdigt:„M. Lotheissen dit quelque part que le jugement d’un etrangerest precieux pour la connaissance des hommes comme des oeuvreslitt4raires; rien de plus vrai et c’est precis6ment pour cela que sonetude si pleine d’une Sympathie constante, si impartiale et d’unesi rare compötence ne sera pas seulement accueillie de ses com-patriotes mais merite encore d’etre lue et möditee chez nous.“So mancher anerkannte und aufstrebende französische Ge-lehrte hielt es denn auch für Ehrenpflicht, bei einem Aufenthaltin Wien dem Kenner und Freund seiner heimatlichen Literaturpersönlich näher zu treten. Und Lotheissen waltete in seinemHauswesen als der freundlichste, jedem Gast mit derselbenwahren Herzenshöflichkeit begegnende Wirth. Seine Frau wareine der beliebtesten, gewinnendsten Erscheinungen unserer Ge-sellschaft, eine Dame von ausserordentlicher Belesenheit, deren