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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
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meistgefeierten Sophisten der heutigen Pariser Bühne und denvon ihm sehr gering geschätzten Grossmeistern des „Romanexperimental“ Boileau’s enge und strenge Kunstlehre (III.152 ff.), mit starken Vorbehalten, vorzog. Denn ein so gerechterund einsichtiger Lobredner der classischen Literatur FrankreichsLotheissen auch ist, so begeistert er Moliere als echten, grossenNationaldichter verherrlicht, so überlegen und liebevoll er Des-cartes, Lafontaine, Labruyere, Kanzelredner und Bukoliker, Mo-ralisten und Memoirenschreiber, Madame de Lafayette und Frauvon Sdvigne, kennzeichnet: blind gegen die Schäden der Zeit,gegen die Schwächen der Literatur ist er nie. Die Gegenströ-mungen, Spötter und Separatisten, kommen zu ihrem vollen Recht,und im Schlusswort sagt er kurz und scharf:

„Als das siebzehnte Jahrhundert zur Neige ging, herrschteder Gewissenszwang und die Inquisition, galt die Tortur als eintreffliches Mittel der Justiz, klebte der Bauer an der Scholle alsLeibeigener oder war zu hartem Frohndienst verpflichtet. Aberein neuer Geist ging durch die Welt. Bayle eröffnete den Kampf,der bald allgemein werden sollte. Ein Jahr, nachdem er seinen„Commentaire philosophique“ geschrieben, kam Montesquieu zurWelt; als er sein „Dictionnaire historique et philosophique“ be-gann, wurde Voltaire geboren. So sah das scheidende siebzehnteJahrhundert noch die Männer erstehen, welche in grösseremKampfe errangen, was Bayle selbst nur vorahnend ersehnte.“

Auch damit bekennt sich der gereifte Denker am Ausgangeseines Hauptwerkes wiederum zu Anschauungen, welche er imEingänge seines Erstlingswerkes bereits verkündigt hatte. Loth-eissen, ein deutscher Patriot, wie irgendeiner, stand gleichwohloder eben deshalb nicht blos treu zu den „Ideen von der Gleich-heit aller Bürger vor depi Gesetze, von den unveräusserlichenMenschenrechten“, er wollte auch nichts von dem „neuerdingswachgerufenen, uralten Hass der Völker hören, den man längstbeseitigt glaubte. Auf die Dauer“ — so schrieb er unmittel-bar nach dem deutsch - französischen Kriege — „wird es nichtgelingen, diese grosse Errungenschaft des vorigen Jahrhundertesin Frage zu stellen und die Idee der Humanität, der Gemein-samkeit aller menschlichen Bestrebungen, unter die an sich be-