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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
Entstehung
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Geschmack und ernster Sinn sie zur besten, zuverlässigsten Rath-geberin ihres Gatten machte. Leider ward dies innige „consor-tium totius vitae“ durch furchtbare Schicksalsschläge zerstört: einSohn Lotheissen’s starb im schönsten Knabenalter und seine Frauwurde durch ein tückisches Leiden vorzeitig den Ihrigen ent-rückt.

Lotheissen hat sein Geschick getragen mit männlicher Ge-lassenheit. Dass und wie tief er darunter litt, fühlte Jeder, derdas Glück hatte, dem sanften Manne näher zu treten. Viel Wortehat er darüber nie verloren, dazu hatte er zuviel an Andere zudenken, für Andere zu sorgen. Selbstlos, in des Wortes weitesterBedeutung, sorgte und wirkte er für die Seinigen. Neidlos —wiederum in des Wortes edelster Bedeutung — förderte und an-erkannte er jede ehrliche, wenn auch noch so unscheinbare,Leistung in seinem engeren Fache. Hilfreich und wohlwollendbegegnete er Jedem, Fremden oder nahen Freunden, Anfängernund fertigen Meistern, die Zufall oder Neigung in seine Nähebrachten. Wo er sich persönlich zeigte, im Pariser Archiv wieim Heim Cherbuliez’, in Genf und Wien, in Berlin, wie aufseinem bescheidenen Bauerngütchen, dicht bei der Ruine Star-hemherg im Piestingthale, gewann er Aller Herzen durch seinerSitten Freundlichkeit, durch den Geist reinster Menschenliebe,die unaustilgbar — nicht blos als Redensart — in ihm lebte undheutzutage, wie er bei unserem letzten Gespräche klagte, immerseltener wird.

Die deutsche Gelehrtenwelt wird das Andenken des i-ed-lichen Forschers, des lauteren Charakters dauernd in Ehrenhalten.

Auf die Bahre des Verewigten waren von FreundeshandPalmzweige, als Sinnbild des Friedens, gelegt worden; seinfrisches Grab auf dem protestantischen Friedhofe bei Matzleins-dorf schmückten Immortellenkränze, gewidmet von seinen treuenSchülern.

Anton Bettelheim.

Wien, Ende Mai 1889.