Druckschrift 
12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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823
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Wilrkmberg. 823

sie dauerte entschlossen und energisch auch ließ sich weder durch Drohungen rinschüchtern,noch durch patriarchalisches Wohlwollen bestechen und hat den Versuch gewagt, zu zeigen,wie weit es in Deutschland möglich sei, der Charte Wahrheit und Recht zu verschaffen.Eine besondere Auszeichnung der Opposition war neben Talent-n und Intelligenz diesittliche Kraft ihres Charakters. Sie enthielt durchgehend Männer, deren Gesin-nung sich in jedem Conflicte als rein und lauter erprobt hatte, die zu den besten der Nationzählten und fern von dem egoistischen falschen Spiele des Ehrgeizes Recht und Freiheit austiefster Ueberzeugung ihrer Seele liebten und vertheidigten.

Die letzte Instanz, das Volk selbst, sprach durch die Wiederwahl der Opposition seinUrtheil, obgleich die Regierung keine Anstrengungen unterließ, im Besitze der einflußrei-chen Mittel, die sie durch ihre Stellung jedes Mal vor der Gegenpartei voraus hat, dieministeriellen Candidaten durchzufttzen. Der heftigste Wahlkampf fand in der Haupt-stadt selbst Statt, wo Uhland und der Präsident des Obertribunals, Herr Volley,auf der Liste standen. In das Gewissen der Wähler drückte hier das besondere Gewichtdes Hofes, der die Erwerbsquelle eines großen Theils der Bürger war und dessen Entfer-nung in Aussicht stand. Beide Candidaten bekamen die gleiche Stimmzahl, und es hätteUhland als jüngerer dem ministeriellen Deputaten weichen müssen; doch ergab sich, daßfür diesen ein zweideutiges Stimmrecht ausgeübt worden war, und so trat Volleyzurück. Die Regierung verweigerte Uhland den Urlaub, ec legte seine Professur in Tü-bingen nieder. Das Gleiche thaten Pfizer und Römer, die seither im Staatsdienste ge-wesen waren.

Am 20. Mai 1833 trat die neue Ständeversammlung zusammen. Der Oppositionstellte sich die ministerielle Partei als eine compacte Masse und einiger in ihrer Taktik ge-worden, entgegen und erfüllte durch kluges Laviren an den Klippen den Wunsch der Regie-rung, die Debatten zumeist auf Berathung des Budgets zu beschränken und die Petitio-nen der Minister für ihre Departements, ungeachtet des Widerspruchs der zu großen Aus-gaben für die Ministerien des Kriegs und des Auswärtigen, mit schwachecMajocität durch-zusetzen. Die Wendung in der Zeitgeschichte und ihr reaktionärer Charakter reizten nimmerzum Liberalismus und dem politischen Märtyrerthum, und wer bisher schwankend zwischen-inne stand, neigte sich auf die Seite, wo die Gefahr gar nicht, der Schutz gewisser undder Gewinn für sein Leben großer war. Treu um ihre Fahne stand die Opposition.Blieb auch Römer's Antrag auf eine Habeascorpusacte er betraf die Garantieen derpersönlichen Freiheit, veranlasst durch die in Würtemberg vorgenommenen politischen Un-tersuchungen und Verhaftungen und auch Schvtt's Motion für die Preßfreiheit, ob-wohl die Kammer mit 64 Stimmen die Censur als verfassungswidrig erklärte factisch ohne Erfolg, so waren sie doch bedeutsam als Rechtsverwahrungen und Pro-testationen des konstitutionellen Geistes. Der Landtag schloß mit Abstimmung über dasBudget, welches von 19, dem Kerne der Opposition, verworfen wurde. Bemerkens-werth ist Römer's Votum.Es ist im Lause unserer Verhandlungen viel getadelt, ja essind arge Dinge gesagt worden. Aber was hilft dieser Tadel, wenn man ihm nie Folgegiebl? Was mich betrifft, so wüßte ich es mit meinen Begriffen von Logik, Eid undPflicht nicht in Einklang zu bringen, wenn ich einem den unerläßlichsten Bedingungen deskonstitutionellen Princips so wenig entsprechenden Regierungssysteme durch Bewilligungder zu Fortsetzung der eingeschlagenen Bahn erforderlichen Mittel meine Zustimmung er-

theilen würde. --Ich mache daher von dem in §. 181 der Berfassungsurkunde klar

ausgesprochenen Rechte Gebrauch und verwerfe das Budget."

Im folgenden Jahre versammelte sich der vertagte Landtag und beschloß seine Sitzun-gen, deren Charakter sich mehr und mehr verflachte und zu jener trostlosen Resignationhinüberleitete, die wenige Jahre darauf die Gemükber ergriff. Zwar fachte Pfizer' sMotion, den Bundesbeschluß über die Schiedsgerichte betreffend, einige Flamme aus denverglimmenden Kohlen, doch wurde der Antrag auf Druck der Motion verworfen. Diezweite Session der sechsjährigen Wahlperiode fand im Jahr« 1836 Statt und beschäftigtesich zumeist mit den Gesetzen der Ablösung von Frohnen und der Entschädigung für dieaufgehobenen leibeigenschastlichen Leistungen. Was für einen konstitutionellen Staat in