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12 (1848) [Schl - Zwe]
Entstehung
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Universitäten. 625

besonders wichtig geachtet wurden, nehmlich (aus dem Vorgang« der alexandrinischen En-cyklopädisten) die sogenannten sieben freien Künste: Grammatik, Dialektik, Rhe-torik (das sogenannte trivium) und Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (gus-(irivium); und so lag es schon von selbst in dieser Beschränktheit auf Specialinteresse undLehrmonopol eines besonderen Standes, daß in diesen Trivialschulen, an die sich Semina-rien für Gesang und Kirchenmusik (die berühmtesten derselben waren die zu Metz undSoissons) schlossen, von eigentlicher Wissenschaft noch keine Rede sein konnte.

Bald trat jedoch ein Wendepunkt ein, von welchem aus die Entstehung der Uni-versitäten im neuen Sinne datirt, in welchem dieselben mit Recht bezeichnet werdenalsdas großartigste, eigenthümlichste Institut der neuen Welt und der christlich - germa-nischen Menschheit, bestimmt zur freien, selbstständigen Ausbildung und Förderung dergesammten höher« Bildung und zur wissenschaftlichen Leitung der ganzen Cultuc".

Im 1t. und 12. Jahrhunderte traten nehmlich Männer auf, welche solche Wissen-schaften, von denen man in den Kloster- und Stiftsschulen Nichts wußte, oder die dortgelehrten auf eine ganz neue eigenthümliche Weise lehrten, Männer, welche, aus reinemWissensdrange getrieben, durch ihre Begeisterung zahlreiche Schüler um sich freiwillig zuversammeln verstanden, und welche, was besonders zu beachten, dem Laienstandeangehörten. Hiermit war der Grund zur Emancipation des forschenden Geistes ausden Fesseln des Aucloritätszwanges so wie der Beschränktheit auf andere fremde-Zwecke, und somit zur eigentlichen Wissenschaft gelegt, die nur auf dem Boden der Frei-heit, und nur wenn sie um ihrer selbst willen getrieben wird, wahrhaft gedeihen kann.Ohne hier in das Nähere hierüber eingehen zu können, erwähnen wir nur kurz, wie inParis die Philosophie und Theologie durch Abälard, in Bologna durch Jrne-rius die Wissenschaft des römischen Rechts, in Salerno dagegen durch den durchReisen im Oriente unterrichteten getauften Juden Eonstantin aus Carthago die Medicin die bisher ebenfalls von der Geistlichkeit mit Gebeten, Beschwörungen, Amuleten undReliquien rc. bestritten wurde eingeführt ward, und daß sehr bald der große Ruf dieserMänner den für wissenschaftliche Bildung fähigen Theil der edleren Jugend aus ganzEuropa um sich versammelte. So entstanden wiederum hohe Schulen, hervocge-gangen aus reinem Wiffenstriebe, ganz so wie ursprünglich bei den Griechen, daher auchganz anders wirkend und hierdurch zugleich praktisch oder historisch die heut zu Tage leidernur zu oft verkannte Wichtigkeit des reinen wissenschaftlichen Interesses bestätigend.Das Eigenthümliche dieser hohen Schulen in äußerer Hinsicht bestand, wie bemerkt, inder Verweltlichung der Wissenschaft, indem jene ersten Lehrer dem Laienstande ange-hörten und somit der Geistlichkeit ihr früheres Monopol entrissen. Doch lag es in derNatur der Sache, daß damals zu dieser Emancipation der Wissenschaft von der Kirche,oder vielmehr von dem kirchlichen Beamtenstande, nur erst der Grund gelegt werden konnte,und diese hohen Schulen (zumal sie in den Kreis ihrer Lehrgegenstände die Theologie unddas kanonische Recht zogen, welche nach der damaligen Stellung der Kirche zum Staat«der kirchlichen Oberaufsicht unterworfen sein mußten) fortwährend eine kirchlich« Beziehungbehielten, wenn sie auch zu keiner Zeit als rein kirchliche Anstalten betrachtet worden sind.Zugleich erhielten dadurch jene hohen Schulen Antheil an der Unabhängigkeit vomStaate, der damals ganz unter der Kirche stand, und unterschieden sich hierdurchwesentlich von den heidnischen Hochschulen. Noch mehr geschah Dieses dadurch, daßsie, die anfangs einen völlig freien Verein bildeten, nach germanischer Sitte ingeschlossene Innungen zusammen und so den übrigen Vereinen, die zusammen denStaat ausmachten, gegenübertraten. Die hohen Schulen constituirten sich und wurdendann anerkannt als universitatsI, d. h. Gemeinden, Genossenschaften, Evapora-tionen; sie bildeten eine geschlossene Gelehrteninnung oder Zunft (deren Glieder dannweiter in Nationen sich eintheilten), wie der Name Universität, der seiner ursprüng-lichen Bedeutung nach keineswegs die Gesammtheit der Wissenschaften be-zeichnen sollte, ganz bestimmt ausdrückt. Doch darf nicht vergessen werden, daß der großeHohenstaufe Kaiser Friedrich II. auf die von ihm gestiftete hohe Schule zu Neapel(1224) Lehrer für alle Wissenschaften berief. Schon zufolge dieser ZusammensetzungStaats-Lertt»». Xll. 4V