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Turnen, Lurveret, Turnkunst.
trieben werden kann, Wetteifer und einen Wetteifer in Anstrengung und Ausdauer, einEhrgefühl, das auf dem Können und Vollbringen des Guten, auf der Herrschaft desWillens über den Körper beruht, einen Eifer, der alle Schlaffheit an sich selbst haßt, anAnderen verachtet und darum gewiß weder nachahmt noch schont.
„Frisch, fromm, fröhlich, frei,
Das ist die ächte Turnerei!"
Daß sie dies sei, hat die Erfahrung gezeigt, eine Erfahrung, die eben als eine viel-verkannte bezeichnet wurde, die aber sich nicht wegdemonstriren läßt. Wer mit unbefan-genem Auge das Treiben und Wesen der Tucngemeinden in den Jahren 1815 bis 1819betrachtet hat, der wird ihnen das Zeugniß nicht versagen können, daß sie jenem Wahl-spruche treu geblieben sind, und daß das jetzt lebende Geschlecht ein anderes und ein besseressein würde, wenn nicht unglückliche Verhältnisse störend dazwischen getreten wären. Hätteman damals die Turnerei in den Schulunterricht eingereiht, so würde sie nicht als etwasaußer und neben dem Staat und als etwas ihm gegenüber Stehendes ausgetreten sein, siewürde ihm gedient haben, wie sie ihm — so darf man hoffen — in naher Zukunft die-nen wird.
Die Vorwürfe, welche man, abgesehen von angeblicher Benutzung für unmittelbarstaatsgefährliche Bestrebungen (dieser Vorwurf traf nie sie selbst, sondern nur einzelnenMisbrauch!), gegen das Turnen erhoben hatte, sind längst für unbegründet erkanntworden.
Daß Gottesfurcht und Sittlichkeit durch sie gefährdet werden, das hat die Thatwiderlegt und mußte es widerlegen, denn es ist nach ihrem innersten Wesen unmöglich.
Daß sie die Jugend trotzig und ihre Sitten derb mache — ist das ein Vorwurf?Sollten wir nicht gern den Trotz der Jugend in den Kauf nehmen gegen erhöhtes Selbst-gefühl? . . , .
Die Sitten unserer heutigen Jugend schwanken so sehr zwischen Zierbengelei undburschikoser Bierlümmelei, daß eine gründliche durchgreifende Umwandlung höchst wün-schenswerth wäre. Eine gesunde, kräftige Derbheit, blos von ungeheuchelter Bescheiden-heit und lebendigem Schönheitssinne gemildert, ein ritterlich züchtiges und freudiges We-sen der Jugend ist ächt deutsch. Möchte es wieder das Eigenthum unserer Kinder werden!
Gefahr endlich für den Körper, dessen Stärkung und Geschmeidigung gerade dienächste Aufgabe des Turnens ist, träumen nur allzu besorgte Mütter. Bei kunstgerech-tem Fortschreiten vom Leichteren zum Schwereren und bei gehöriger Leitung und Auf-sicht der Uebungen ist mit dem Turnen keine leibliche Gefahr verbunden. Man zähle dieUnfälle, welche auf Turnplätzen stattgefunden haben, gegen die außerhalb derselben vor-kommenden , und das Verhältniß wird sich zu Gunsten der Turnerei stellen. Wenn sichaber umgekehrt nachrechnen ließe, wie viele Turner Gefahren entgangen sind, denen jederAndere unterlegen hätte, so würde sich sogar die Bevölkerungspolizei der Wiederherstellungder Turnanstalten erbarmen müssen.
Doch solcher Hilfe bedarf es nicht. Man hat einsehen gelernt, wie nothwendig nebender vorangeschrittenen Ausbildung des Geistes und neben ihrer immer noch sichtbar werden-den Richtung aus das Jrdischnützliche eine Kräftigung des Körpers nicht blos, sondern auchdes Gemüthes ist. Während unsere Nachbarn in Ost und West durch beständige Kriege,jene in den Schluchten des Kaukasus, diese am Fuße des Atlas, die heilige Flamme waf-fenlustiger Männlichkeit nähren, droht uns, in der Mitte zwischen Beiden, der alte kriege-rische Muth unter dem Schurzfell wie unter der Uniform und dem Chorrock einzurosten.Die Turnerei allein kann ihn bei uns wecken und wach halten. Die Turnerei allein, zueinem wesentlichen und nothwendigen Bestandtheil der Volkserziehung erhoben, kann inVerbindung mit den überall auftauchenden Gesangvereinen unsere Volksfeste veredeln, denStand der Gelehrten und Arbeiter in gegenseitiger Achtung einander näher bringen und,indem sie zugleich zur Führung der Waffen geschickter macht, den lebendigen Volksstolzund Gemeingeist wecken und nähren, der uns noch immer so sehr gebricht.
Einleuchtend ist daneben, daß kunstgerechte Ausbildung der körperlichen Kräfte derstudirenden, zum Viclsitzen verdammten Jugend ein Bedürfnis!, daß sie Bedingung ihres