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12 (1848) [Schl - Zwe]
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Taktik und Strategie.

sichen Flügels, das nur durch überraschendes Wechseln der Operationslinien gelingen kann,während der Feind durch eine Demonstration in der Fronte und etwa aus dem entgegen-gesetzten Flügel beschäftigt wird; das doppelte strategische Umgehen beider feind-licher Flügel mit getheilter Heeresmacht, was aber bei der Schwierigkeit eines Zusammen-wirkens der ganzen Macht am Tage der Schlacht höchst gefährlich und etwa nur zulässigist, wenn jede unserer Abtheilungen der ganzen feindlichen Armee überlegen wäre undder Feind durch eine combinirte Operation von seinen mehreren Subjecten abgeschnittenwerden könnte; endlich das strategische Durchbrechen, oder das Operiren auf derinneren Linie. Dieses Letztere setzt eine Zerstreuung der feindlichen Armee in mehrereCorps voraus, sodaßihre wichtigste Verbindung nicht in der Richtung zur Basis liegt,sondern die Verbindung dieser Corps selbst unter einander ist. Hier muß also die Mittezum Object jeder Bewegung gemacht und diese durch Flügelcolonnen maskirt werden, welchesich später der Mitte, als dem entscheidenden Punkte, nähern.

Den strategischen Angriffsbewegungen entspricht auch taktisch das einfache Um-gehen durch einen verdeckten und raschen Marsch in die eine Flanke des Feindes; dasnicht sehr «mpfehlungswerthe doppelte Umgehen unddas Durchbrechen. Letzteresgeschieht bei ausgedehnter feindlicher Schlachtlinie, die an den Flügeln durch Schein-angriffe beschäftigt wird, vermittelst eines raschen und verdeckten Marsches unserer Haupt-masse gegen die feindliche Mitte, der jedoch für die Angreifenden selbst gefährlich würde,sobald es dem Feinde gelänge, sie zwischen zwei Feuer zu nehmen. Die allgemeine Regelder Taktik heißt: bringe Stärke gegen Schwäche; denn diegewöhnlich sogenannten Siege derMindermacht sind doch stets nur eine Reihe kleiner Siege durch eine im Ganzen numerischgeringere Truppenzahl, die aber örtlich und zeitlich als Uebernuxht austritt. Mei-stens hat eine Schlachtordnung in der Front ihre Starke, in den beiden Flanken ihreSchwäche. Stehen nun zwei Heere Front gegen Front einander gegenüber, so kann schonin der besseren Ausrüstung und Waffenübung so wie in der besseren moralischen Beschaffen-heit ein hinlänglicher Grund liegen, um die Minderzahl dennoch als Uebermacht erscheinenzu lassen. Nur gewährt in diesem Falle die Stellung an sich keinem Theile einen be-sonderen Vortheil. Anders ist Dies, wenn Front gegen Flanke gebracht wird, was dassogenannte Aufrollen der feindlichen Schlachtordnung zur wahrscheinlichen Folge hat,indem die unmittelbar angegriffenen Truppentheile auf die nebenstehenden geworfen unddiese in die Flucht der ersteren verwickelt werden, ehe sie zur Entwicklung ihrer Stärke undzum Schlagen kommen. Darin liegt der große Vortheil der unsere Stärke gegen diefeindliche Schwäche bringenden schrägen Schlachtordnung, die mit Bewußtseinzuerst von Epaminondas und in neuerer Zeit besonders von Friedrich II. ange-wandt wurde. Doch kann auch die Schwäche des Feindes zwischen seinen Flügelnliegen, und die parallele Schlachtordnung in sich selbst die Mittel enthalten, im Laufedes Gefechts in die schräge überzugehen, wie bei dem Angriffe mit verstärkten Flü-geln, oder zur Durchbrechung der feindlichen Front mit verstärkter Mitte.

Faßt man den Zusammenhang von Strategie und Taktik bei einer Angriffsoperationins Auge, so kommen hierbei die drei Momente der strategischen Einleitung, derSchlacht und Verfolgung in Betracht. Die Rücksichten auf den Unterhalt derTruppen, auf die Raschheit ihrer Bewegung und Entwicklung machen es in der Regelnothwendig, größere Massen nicht in einer und derselben Marschkolonne zu vereinigen.Für die strategische Einleitung, oder die Bewegungen von Anfang einer Operation bis zurSchlacht, ist also Maxime, daß wir vertheilt marschiren und doch vereint schlagen.Darin liegt die Hauptaufgabe für die Generalstabskunst, die hiernach für die Marschord-nung auch den Gesichtspunkt zu berücksichtigen hat, daß wir unsere Macht außerhalbdes Bereichs des Feindes vereinigen können. Für die Schlacht selbst ist eS eine Rücksichtder Strategie, den Angriff auf den seinem Subject zunächst liegenden feindlichen Flügelzu richten; was jedoch eine Ausnahme erleidet, wenn der andere feindliche Flügel taktischder schwächere ist. Endlich gilt es bei der Verfolgung strategisch um ein Abdrängendes Feindes von seinem Subjecte, taktisch aber darum, daß wir vom Feinde nicht ab-kommen, daß wir ihm auf dem Nacken bleiben.