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Gewissen brauchte seinen Verdacht und umgekehrt auch. Siewaren aneinander gebunden in Gott und in Joseph, undwar es wohl anfangs eine große Pein, zusammen zu leben,so nahmen sie's hin als Buße, Jaakob und seine Söhne.Denn diese wußten, was sie getan, und waren sie schuldig,so wußte jener sich schuldig auch.
Die Zeit aber verging und schuf Gewöhnung. Sie wischtedas Spähen des Argwohns aus Jaakobs Augen hinwegund machte, daß die zehn Brüder nicht gar so genau mehrwußten, was sie getan; denn ungenauer unterschieden siemit der Zeit zwischen Tun und Geschehen. Es war ge-schehen, daß Joseph abhanden gekommen war, — die Frage:wie? trat langsam zurück hinter der gewohnten Tatsachefür sie und den Vater. Des Knaben Nichtmehrvorhandenseinwar das Gegebene, darin ihrer aller Bewußtsein sich fandund zur Ruhe kam. Die Zehne wußten, daß er nicht gemordetworden, was Jaakob glaubte. Der Wissensunterschied aberbewahrte schließlich nicht viel Bedeutung mehr, denn auchfür sie war Joseph ein Schatten, der fern und außer allemLebensgesichtskreis dahinwanderte ohne Wiederkehr — indieser Vorstellung waren sie einig, Vater und Söhne. Derarme Alte, dem Gott sein teures Gefühl genommen, alsodaß es keinen schönen Frühling mehr gab in seinem Herzen,sondern Sommerdürre und Wintersöde darin herrschten under im Grunde immer noch „starr" war, wie anfangs imKrampfe, — hörte nicht auf, sein Lamm zu beweinen, undwenn er weinte, so taten sie's mit ihm, denn ihnen war ihrHaß genommen, und undeutlich nur, mit der Zeit, gedachtensie noch, wie sehr sie der Gimpel geärgert. Sie konnten sich'sleisten, ihn auch zu beweinen, denn sicher wußten sie ihn im