Siebentes Kapitel: Der Zerrissene
Jaakob trägt Leid um Joseph
Ist Zeichen milder denn Wort? Das ist sehr strittig. Judaurteilte vom Standpunkt des Schreckenbringers, der wohldos Zeichen vorziehen mag, da es ihm Worte erspart. Jedochder Empfänger? Das Wort kann er aus aller Kraft seinerUnwissenheit in den Wind schlagen, es als Lüge und greulicheFaselei unter die Füße treten und es in die Hölle des unaus-denkbaren Unsinns verweisen, wohin es nach seiner gewaltsamlachenden Überzeugung gehört, ehe sein Recht aufs obereLicht dem Ärmsten dämmert. Das Wort dringt nur langsamein; vor allem einmal ist es unverständlich, sein Sinn nicht zufassen, nicht zu verwirklichen; eine Weile steht es dir frei, dieZerrüttung, die es in deinem Hirn und Herzen anrichten will,zur Fristung deiner Unwissenheit, deines Lebens auf den Botenzurückzuschieben und ihn als wahnsinnig hinzustellen. „Wassprichst du?" kannst du fragen. „Ist dir nicht gut? Komm,ich will dich etwas pflegen und dir einen Schluck zu trinkengeben. Dann magst du wieder reden, und zwar so, daß es sichhören läßt!" Das ist kränkend für jenen, aber um deiner Lagewillen, deren er Meister ist, sieht er dir's nach, und allmäh-lich macht sein oernünftig-erbarmender Blick dich wankend.Du hältst diesem Blicke nicht stand, du begreifst, daß die