— 331 —
das wilde Tier geschlagen. Denn wir weideten nicht mehrim Tale Schekem, sondern im Tale Dotan. Da hat sich derKnabe verirrt und ist geschlagen worden. Wir haben ihnnicht mit Augen gesehen seit dem Tag, da er dir und uns ausdem Felde verkündete, was ihm geträumt."
„Die Träume", sagte er, „die ihm träumten, waren euchwohl ein Ärgernis, schwer und groß, also, daß ihr ihmäußerst gram wart in euren Herzen?"
„Etwas gram", erwiderten sie. „Gram allerdings, abermit Maßen. Wir sahen, daß seine Träume dir Ärgernisgaben, denn du schaltest ihn ja und drohtest sogar, ihn amHaar zu zausen. Darum waren auch wir ihm bis zu einemgewissen Grade gram. Nun hat ihn, leider! das Untier ge-zaust weit über dein Drohen."
„Es hat ihn zerrissen", sprach Jaakob und weinte. „Wiemögt ihr sagen: .gezaust', da es ihn zerrissen hat und ge-fressen? Sagt einer .gezaust' statt .zerrissen', so ist's Spottund Hohn und klingt nach Beifall!"
„Auch aus bitterem Jammer", versetzten sie, „kann es ge-schehen, daß einer .gezaust' sagt für .zerrissen', sowie zarterSchonung halber."
„Das ist wahr", sagte er. „Ihr habt recht mit eurer Ent-gegnung, und ich muß schweigen. Da aber Joseph euch nichtdie Herzen bestimmen konnte, warum seid ihr gekommen?"
„Um mit dir zu klagen."
„Klagen wir denn!" erwiderte Jaakob. Und sie setztensich zu ihm, eine Klage anzustimmen: „Wie lange liegst duda"; und Juda stützte dabei des Vaters Kopf auf seinenKnien und trocknete seine Tränen. Nach kurzer Zeit aberunterbrach Jaakob das Klagen und sagte:
AR"