Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
329
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Gewissen ist schon vom Übel, aber ein gekränktes schlechtesGewissen beinahe noch mehr; denn es schafft eine mürrischeKonfusion der Seele, albern und qualvoll zugleich, und machtbetrübte Figuren. Als solche denn also würden sie dastehenvor Jaakob ihr Leben lang alle Zehn und keine Ruhe haben.Denn er hatte sie im Verdacht, und sie erfuhren, was das ist:ein Verdacht und Argwohn, und daß der Mensch damit sichselber mißtraut im andern und dem andern in sich, also daßer die Ruhe, die er nicht findet, dem andern nicht gönnenkann, sondern quängeln und lauern, sticheln, stochern undbohren muß ohne Rast und sich selber plagen, indem er denandern zu plagen scheint das ist der Verdacht und ist derheillose Argwohn.

Daß es so stand und fortan so stehen werde, sahen sieauf den ersten Blick, da sie vor Jaakob traten, an demBlick erkannten sie es, den er, von seinem Arme, darauf ergelegen, sich etwas aufrichtend, ihnen entgegensandte,diesem vom Weinen entzündeten, zugleich scharfen und trüben,bangen und gehässigen Blick, der sie durchdringen wollte, wis-send, daß er's nicht konnte, und der lange währte, ehe dasWort hinzukam, das dazu paßte, eine Frage, unbeantwort-bar und nur allzu beantwortet, leer-pathetisch, jammervoll-unsinnig, auf fruchtlose Plage bedacht:

Wo ist Joseph?"

Da standen sie und ließen vor der unmöglichen Frage dieKöpfe hängen, gekränkte Sünder, betrübte Figuren. Siesahen, daß er gewillt war, es ihnen so schwer wie möglichzu machen und ihnen nichts zu ersparen. Da man sie ihmgemeldet hatte, hätte er sich wohl bereiten und sie aufrechtempfangen können; er aber lag noch danieder vor ihnen.