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2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
321
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Erde wiederzugeben, und nicht der Vater. Aber in Jaakobsarmem Kopf gab es die kühnsten Gleichsetzungen, und seineNeigung, es mit dem Geschlecht nicht genau zu nehmen, esin Gedanken mit Freiheit zu behandeln, war nicht von gestern.Zwischen Josephs und Rahels Augen hatte er nie einenklaren Unterschied zu machen gewußt: Es waren ja wirklichein und dieselben Augen, und einst hakte er Tränen der Un-geduld unter ihnen weggeküßt. Im Tode flössen sie ihmvollends zu einem Augenpaar zusammen, die geliebtenGestalten selbst flössen zum zwiegeschlechtlichen Sehnsuchks-bilde zusammen, und mann-weiblich-übergeschlechtlich, wiealles Höchste, wie Gott selbst, war damit auch diese Sehn-sucht. Da sie aber Jaakobs war und er der ihre, so war dennauch Jaakob von dieser Natur, ein Schluß, mit dem seinFühlen schon längst übereinstimmte. Seit Rahels Hingangwar er dem Joseph ebensowohl Mutter wie Vater gewesen;er hatte in diesem Verhältnis auch ihre Rolle übernommen,ja, diese wog vor in seiner Liebesweise, und die GleichsetzungJosephs mit Rahel erfuhr ihre Ergänzung in derjenigenseiner selbst mit der Entschwundenen. Das Doppelte wirdnur mit doppelter Liebe ganz geliebt; es ruft das Männlicheauf, sofern es weiblich, das Weibliche, sofern es männlichist. Ein Vatergefühl, das in seinem Gegenstände zugleich denSohn und die Geliebte erblickt, in das sich also eine Zärtlich-keit mischt, die eher der Liebe der Mutter zum Sohne zu-gehört, ist zwar männlich, sofern es der Geliebten im Sohnegilt, doch mütterlich, sofern es Liebe zum Sohne ist. DieseSchwebe erleichterte dem Jaakob die tollen Entwürfe, mitdenen er dem Eliezer in den Ohren lag und die die Zurück-führung Josephs ins Leben nach mythischem Muster betrafen.21 ,.J.