keinen Ton in der Kehle, als er, gleichsam ein Geständnis ab-legend, den längst nicht mehr gegenwärtigen Bringern desZeichens zur Antwort gab: „Ja, es ist meines Sohnes Rock!"Darauf schrie er mit schrecklicher, von der Verzweiflung insGellende erhöhter Stimme auf: „Ein böses Tier hat ihngefressen, ein reißend Tier hat Joseph zerrissen!" Und als obdieses Wort „zerrissen" ihn darauf gebracht hätte, was nunzu tun sei, begann er, feine Kleider zu zerreißen.
Da Hochsommer herrschte und seine Kleidung leicht war,bot sie ihm nicht allzuviel Widerstand. Aber obgleich er alleKraft seines Elends in sein Betreiben legte, währte es ziemlichlange vermöge der unheimlich schweigenden Gründlichkeit,mit der er es durchführte. Entsetzt und mit Gebärden, die dieAusschreitung vergebens zu verhindern strebten, mußten dieUmstehenden sehen, wie er nicht, nach ihrer mäßigen Erwar-tung, beim Oberkleid stehenblieb, sondern, offenbar in Ver-folgung eines wilden Vorsatzes, tatsächlich alles zerriß, waser anhatte, die Fetzen einen nach dem anderen von sich warfund sich völlig entblößte. Als Handlungsweise des scham-haften Mannes, dessen Abneigung gegen jede Nacktheit desFleisches alle Welt zu respektieren gewohnt war, wirkte dasin so hohem Grade unnatürlich und erniedrigend, daß es nichtanzusehen war und die Hofleuke denn auch unter klagendenVerwahrungen sich abwandten und verhüllten Haupteshinausdrängten.
Für das, was sie vertrieb, ist „Scham" nur unter der Be-dingung das rechte und zulängliche Wort, daß man es nachseinem letzten und weitgehend vergessenen Sinne versteht: alseinsilbige Umschreibung jenes Grauens, das entsteht, wenndas Urtümliche die Schichten der Gesittung durchbricht, an