deuten wie er muß, denn es bleibt nichts übrig, als daß derLöwe den Joseph auf dem Felde betreten und hat ihn zerrissen."
Rüben saß, die gewaltigen Knie vor sich, und wühlte dieFäuste in seine Augenhöhlen.
„Unselige!" stöhnte er. „Unselige wir! Ihr plappert leichtenMundes vom Künftigen und seht's nicht und kennt's nicht.Denn undeutlich und blaß ist es euch in der Ferne, und fehlteuch die Kraft im Kopfe, es nahe heran zu bringen und füreines Blinzelns Dauer nur in der Stunde zu leben, wenn siegenau worden. Sonst würde euch grausen und würdet lieberwollen, daß der Blih euch niederstrecke beizeiten oder daßihr versenkt wäret, einen Mühlstein um den Hals, ins Wasser,wo es am tiefsten ist, als das ihr bestündet das Angerichteteund löffeltet die Suppe, die ihr euch eingebrockt. Ich aber lagvor ihm, da ich übel getan und er mir fluchte, und kenne dieInbrunst feiner Seele im Zorn, — ich sehe auch, genau, alswär' es schon wirklich, wie schauderhaft sie sich gebärden wirdim Jammer. ,Das bringen wir vor den Vater und lassen'sihn deuten.' Ihr Plappermäuler! Ja, er wird's deuten!Doch sehe das einer mit an, wenn er's deutet, und ertrage es,wenn er seine Seele zum Ausdruck bringt! Denn Gott schufsie weich und groß und lehrte sie, sich überwältigend hervor-zukehren. Nichts seht ihr und bildet euch nichts mit Deutlich-keit ein, was nicht schon heraufgekommen; darum plappertihr getrost vom Künftigen und kennt kein Zagen. Ich aberfürchte mich!" rief er, der bärenstarke Mann, und stand vorihnen auf in Turmeshöhe mit ausgebreiteten Armen. „Wosoll ich hin, wenn er sich's deutet?!"
Betreten saßen die Neune und blickten jeder verschüchtertin seinen Schoß.