Rüben stand immer noch über den Schlund gebeugt, ansdem kein Laut ihm antwortete.
„Entsetzlich!" stöhnte er. „Er ist tot oder fort. Was fang'ich an? Rüben, was fängst du nun an?"
Und sein Schmerz, seine Enttäuschung, seine Angst brachenaus ihm hervor.
„Joseph", schrie er auf in Verzweiflung, „ich wollte dichretten und dir aus der Grube helfen mit meinen Armen!Hier ist die Leiter, hier ist der Hemdrock für deinen Leib!Wo bist du? Deine Tür ist offen! Du bist verloren! Ich binverloren! Wo soll ich hin, da du fort bist, gestohlen und tot?...Jüngling, du Mann des Ortes!" rief er in zügelloser Not.„Sitze nicht stumpf auf dem diebisch gewälzten Stein, sondernrate und hilf mir! Hier war ein Knabe, Joseph, mein Bruder,das Rahelskind. Seine Brüder und ich, wir haben ihn hierhinabgesenkt vor drei Tagen zur Strafe des Hochmuts. Abersein Vater wartet auf ihn, — es ist nicht zu ermessen, wie erwartet, und wenn sie ihm sagen, daß ein Löwe das Lamm zer-riß, so fällt er auf den Rücken. Darum bin ich gekommen mitStrick und Kleid, den Knaben aus dem Brunnen zu ziehenund ihn dem Vater zu bringen, denn er muß ihn zurückhaben!Ich bin der Älteste. Wie soll ich treten vor des Vaters Gesicht,wenn der Knabe nicht wiedeckehrt, und wo soll ich hin? Sagemir, hilf mir, wer wälzte den Stein, und was ist mit Joseph?"
„Siehst du?" sagte der Fremde. „Da du eintratest insBrunnenhaus, warst du verstimmt ob meiner Gegenwartund ärgerlich, weil ich auf dem Steine saß; nun aber gehstdu mich um Rat und Tröstung an. Du tust ganz recht daran,und vielleicht bist du es, um dessentwillen ich hier eingesetztbin neben der Grube, daß ich ein oder das andere Samenkorn