Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

2/zl

sich einsilbig-vielsinnig damit ausgedrückt; denn die Silbeenthielt den Begriff des Brunnens sowohl wie den des Ge-fängnisses, und dieser wieder hing so nahe mit dem desUnteren, des Totenreiches zusammen, daß Gefängnis undUnterwelt ein und derselbe Gedanke und eines nur ein anderesWort fürs andere war, zumal auch der Brunnen bereits inseiner Eigentlichkeit dem Eingang zur Unterwelt gleichkamund sogar noch durch den runden Stein, der ihn zu bedeckenpflegte, auf den Tod deutete; denn der Stein deckte fein Rundwie der Schatten den Dunkelmond. Was für Josephs Ver-standesaufmerksamkeit durchs Geschehen schimmerte, war dasUroorbild des Gestirntodes: des toten Mondes, den mannicht sieht drei Tage lang vor seinem zarten Wiedererstehen,des Sterbens der Lichtgötter zumal, die der Unterwelt ver-fallen für einige Zeit; und als das Gräßliche Wirklichkeitwurde, die Brüder ihn aufs Brunnenrund und auf den Randder Grube hißten und er hinab mußte unter Tag mit an-gespannter Geschicklichkeit, da war seinem wachsamen Witzdie Anspielung völlig deutlich gewesen auf den Stern, deram Abend ein Weib ist und am Morgen ein Mann und derin den Brunnen des Abgrundes hinabsmkt als Abendstern.

Es war der Abgrund, in den der wahrhafte Sohn steigt,er, der eins mit der Mutter ist und mit ihr das Gewandträgt im Austausch. Es war der unterirdische Schafstall,Etura, das Reich der Toten, darin der Sohn Herr wird, derHirte, der Dulder, das Opfer, der zerrissene Gott. Zerrissen?Sie hatten ihm nur die Lippe zerrissen und die Haut da unddort, aber das Kleid hatten sie ihm abgerissen und es zer-rissen mit Nägeln und Zähnen, die roten Mörder und Ver-schwörer, seine Brüder, und würden es in das Blut eines-6 I- S.