Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

Ziegenbocks tauchen, das für sein Blut gelten sollte, und esvor den Vater bringen. Gott forderte vom Vater das Opferdes Sohnes, von dem Weichen, der schaudernd bekannthatte, daß eres nicht vermöchte". Der Arme, er würde eswohl vermögen müssen, und es sah Gott gleich, daß er wenigRücksicht nahm auf das, was der Mensch sich zutraute.

Hier weinte Joseph in seinem durchsichtigen Elend, das derVerstand überwachte. Er weinte über den armen Jaakob, deres würde vermögen müssen, und über das Todesvertrauender Brüder. Er weinte vor Schwäche und Benommenheit vonden Dünsten des Brunnens, aber je kläglicher sein Zustand sichim Laufe der zweiundsiebzig Stunden gestaltete, die er hierunten verbrachte, desto stärker traten die Unterstimmen seinerGedanken hervor, und desto täuschender spiegelte seine Gegen-wart sich im Vorbildlich-Himmlischen, so daß er am EndeOben und Unten überhaupt nicht mehr unterschied und inträumerischer Todeshoffärtigkeit nur noch die Einheit desDoppelten sah. Mit Recht mag das als Maßnahme derNatur verstanden werden, ihm über das Unerträgliche hin-wegzuhelfen. Denn die natürliche Hoffnung, an der das Lebenfesthält bis zum äußersten, braucht eine vernünftige Recht-fertigung, und diese fand sie in solcher Verwechslung. Zwarging sie über sein Leben hinaus, diese Hoffnung, daß er nichtendgültig verderben, sondern irgendwie werde errettet werdenaus der Grube, denn praktisch erachtete er sich für tot. Daß eres war, dafür stand ihm das Vertrauen der Brüder, dasKleid im Blute, das Jaakob empfangen würde. Die Grubewar tief, und eine Rettung zurück in das Leben, das vor demSturz in diese Tiefe lag, war nicht zu denken; sie war solchein Ungedanke, wie daß der Abendstern zurückkehren möchte