— 2Z6 —
Aber während er es im Geiste tat, gestand er sich zugleichdie Sinnlosigkeit und sonderbare Heuchelei dieser Gebärdeein; denn es war ja klar, daß er dies immer gewußt unddennoch so gehandelt hatte. Staunend blickte er in dasRätsel selbstverderberischen Übermuts, das ihm durch feineigenes vertracktes Benehmen aufgegeben war. Es zu lösen,ging über seinen Verstand, aber es geht über jeden, weilallzuviel Unberechenbares, Widervernünftiges und vielleichtHeiliges darin einschlägig ist. Wie er gezittert hatte, daßJaakob nur nicht möchte im Tischbeutel die Ketönet ent-decken — gezittert vor seiner Errettung! Denn er hatte denVater ja nicht betrogen, seine Gedächtnisschwäche aus-genutzt und heimlich das Erbe eingepackt, weil er über dieWirkung, die des Schleiers Anblick auf die Brüder aus-üben mußte, anderer Meinung gewesen wäre als jener.Er war ganz derselben Meinung gewesen und hatte ihntrotzdem eingepackt. War das zu enträtseln? Aber da ernicht vergessen hatte, für sein Verderben zu sorgen — warumhatte Jaakob vergessen, ihm vorzubeugen? Auch hier lagein Rätsel. Daß er den bunten Rock zu Hause ließe, hatteder Liebe und Angst des Vaters ebenso wichtig sein müssen,wie es seiner, Josephs, Begierde wichtig gewesen war, ihnmitzuschmuggeln. Warum hatte die Liebe und Angst sich etwasso Wichtiges nicht in den Sinn kommen lassen und verab-säumt, der Begierde einen Strich durch die Rechnung zumachen? Wenn es dem Joseph gelungen war, das Prunk-stück im Zelte dem Alten abzulisten, so nur, weil sie einSpiel spielten und weil Jaakob das Kleid dem Sohneebenso wünschte, wie dieser es für sich begehrte. Die Nutz-anwendung war bald gezogen. Zusammen hatten sie das