Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

2ZZ

Mitleid auch wieder wach zu halten und die Besorgnis nichtausgehen zu lassen; denn anderenteils bedeutete diese zuneh-mende Schwäche und Abnahme ja auch wieder eine praktischeMilderung seiner Leiden, so daß es ihm, von ihm selbst ausbetrachtet, je länger die Lage währte, sozusagen immer besserging,da er ihrerElendigkeitschließlichkaumnochgewahrwurde.

Seine Gedanken aber arbeiteten bei fast vergessenemLeibesleben immer rege fort, und zwar dergestalt, daß indem musikalischen Körper, den sie darstellten, jeneSchattenund Bässe", die zuunterst waren, dank seiner träumerischenSchwäche immer stärker hervortraten und zuletzt die Ober-stimmen fast ganz und gar übertönten. Oben führte dieTodesfurcht, die sich, solange die Brüder nahe gewesen, indringlichstem Jammer und Flehen ergossen hatte. Warumwar sie, seit sich die Zehn entfernt, nach außen hin ganzverstummt, und warum ließ Joseph keinen Not- und Hilferufmehr aufs Geratewohl aus seiner Tiefe ergehen? Die Ant-wort ist: weil er es völlig vergaß über der Bordringlichkeitvon Gedankengängen, die wir schon andeuteten und welchedie Erklärung seines jähen Sturzes, die Vergangenheit, dievielleicht gottgewollten, aber darum nicht weniger großenund schweren Fehler der Vergangenheit betrafen.

Das Kleid, das die Brüder ihm abgerissen, und zwarschauerlicherweise zum Teil mit den Zähnen, spielte einehervorstechende Rolle dabei. Daß er sich nicht hätte darinvor ihnen spreizen, ihnen den Anblick seines Besitzertumsnicht hätte aufdrängen, vor allen Dingen jetzt und hier nichthätte darin vor sie hintreten dürfen, leuchtete ihm so über-wältigend ein, daß er sich mit der Hand hätte vor den Kopsschlagen mögen, wenn nicht die Fessel das verhindert hätte.