Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
215
Einzelbild herunterladen
 

sich's auch einmischt? Hat er nicht schon gehört, wie wir lügenwerden vor Jaakob? Das geht über sein Leben bereits, daßer's gehört hat, und ob mit oder ohne Erbarmen, Dan sprachdie Wahrheit: Er ist schon so gut wie tot."

Ihr habt recht", sagte Rüben da.Wir wollen ihn in dieGrube werfen."

Wieder weinte Joseph jammervoll auf.

Aber er weint ja noch", meinte einer erinnern zu müssen.

Soll er nicht einmal mehr weinen dürfen?" rief Rüben.Laßt ihn doch weinend in die Grube fahren, was wollt ihrmehr!"

Hier fielen Worte, die wir nicht unmittelbar Wiedergaben,weil sie eine neuzeitliche Empfindlichkeit erschrecken und, ebenin unmittelbarer Form, die Brüder, oder einige von ihnen,in ein übertrieben schlechtes Licht sehen würden. Es ist Tat-sache, daß Schimeon und Levi sowie der gerade Gad sich er-boten, dem Gefesselten kurzerhand den Garaus zu machen.Jene wollten es mit dem Stabe besorgen, ausholend mitbeider Arme Kraft nach guter Kainsart, daß er hin sei. Dieserersuchte um den Auftrag, ihm rasch mit dem Messer dieKehle zu durchschneiden, wie Jaakob einst mit den Böckleingetan, deren Fell er brauchte zum Segenstausch. Diese Vor-schläge wurden gemacht, es ist nicht zu leugnen; aber es liegtnicht in unseren Wünschen, daß der Leser endgültig mit denJaakobssöhnen zerfalle und ihnen auf immer die Verzeihungverweigere, darum lassen wir es nicht geradezu in den Wortender Brüder laut werden. Es wurde gesagt, weil es gesagtwerden mußte, weil es, in unserer Sprache zu reden, in derKonsequenz der Dinge lag. Und es war wiederum nur folge-recht, daß diejenigen es über die Lippen brachten und sich