Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

i?3-

Zusammenschau war, die er da anstellte; denn seine Rolle hieltden Vergleich nicht aus mit der Rebekka's, dieser heldenmüti-gen Mutter, die wissend ihr Herz geopfert, den richtigstellendenBetrug gefügt und dann, im Bewußtfein wahrscheinlichenNimmerwiedersehens, den Liebling in die Fremde entlassenhatte. Das Thema unterlag mancher Abwandlung. Es warwohl so, daß auch Joseph vor der Wut verkürzten Bruder-tums von Hause mußte, doch nicht von derWut floh er hinweg,sondern Jaakob sandte ihn sozusagen in Esau's Arme: DieSzene am Jabbok war es, auf die er es abgesehen und mitderen Wiederkehr er es so eilig hatte, die äußere Demütigung,die äußerlich-notdürftige und vorbehaltvolle Versöhnung, dieÜberpslasterung des Unschließbaren, den Schein-Ausgleich desNichtauszugleichenden. Der Würdig-Weiche war weit ent-fernt von Rebekka's handelnder und die Folgen aus sich neh-mender Entschlossenheit. Was er anstrebte mit Josephs Sen-dung, war nichts als die Wiederherstellung des als unhalt-bar doch sattsam erwiesenen vorigen Zustandes; denn daßnach der Zehne Heimkehr das alte Spiel, zusammengesetzt ausJaakobs Schwäche, dem blinden Übermut Josephs und töd-licher Vergrämung der Brüder sich heillos fortgesetzt habenwürde und notwendig zu denselben Ergebnissen hätte führenmüssen, bezweifelt wohl niemand.

Gleichviel, der Goldsohn ward abgefertigt zur Reise vonwegen Bruderzwistes: so weit war es Wiederkehr, und Jaakobsorgte für weitere Ähnlichkeit, indem er auch Josephs Ab-reiten auf die erste Morgenfrühe ansetzte, noch vor Sonnen-aufgang, da es seinerzeit so gewesen war. Kaum daß erJaakob war bei diesem Abschiede; er war viel eher Rebekka,war Mutter. Lange hielt er den Scheidenden, murmelte