gingen sie uns sonst in einzelnen Fällen behend von den Lippen!Weiß jemand was Unerhörtes?" fragte er dreist in die Runde.
Sie starrten ihn an und schwiegen.
„Ich aber weiß etwas", sprach er und richtete sich auf ausdem Schoße mit ernster Miene. „Ich weiß einen Traum, denich geträumt in dieser Nacht auf der Tenne, den sollt ihrhören, Vater und Brüder, und sollt erstaunen. Mir träumte",setzte er wieder an und stockte. Eine gewisse bedenkliche Ver-änderung und Verzerrung ging vor mit seinen Gliedern, dieskrampsige Steigen von Nacken und Schultern, dies Sichver-drehen der Arme. Er senkte den Kopf, und das Lächeln seinerLippen schien beschönigen und entschuldigen zu wollen, daßseine Augen plötzlich weiß waren. „Mir träumte", wieder-holte er kurzatmig, „und ich sah im Traume — dies sah ich.Ich sah: Die Sonne, der Mond und elf Kokabim wartetenmir auf. Sie kamen und neigten sich vor mir."
Niemand rührte sich. Jaakob, der Vater, hielt strengseinen Blick gesenkt. Es war recht still; aber in der Stille begabsich ein schlimmes, geheimes und dabei unüberhörbares Ge-räusch. Das waren die Brüder, die mit den Zähnen knirschten.Die meisten knirschten, indem sie die Lippen geschlossen hielten.Aber Schimeon und Levi bleckten sogar die Zähne dabei.
Jaakob hörte das Knirschen. Db auch Joseph es auffaßte,ist ungewiß. Er lächelte, den Kopf auf der Schulter, bescheidenund beschaulich vor sich hin. Es war heraus, mochten sie nundamit anfangen, was sie wollten. Sonne, Mond und Sterne,elf an der Zahl, hatten ihm aufgewarket. Mochten sie sich'öüberlegen.
Jaakob blickte scheu in die Runde. Er fand das Erwartete:Zehn Augenpaare waren wild und dringlich auf ihn gerichtet.