Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

iZ9 -

ihn aber etwas uneins sah, den Sanftmütigen, mit seinemWillen, hielt ich's mit diesem und vermochte ihn leicht, mir'szu geben geben, sage ich, und nicht schenken, denn es warmein, eh er mir's gab."

Warum dein?"

Du fragst? Ich werde antworten. Welche war es, derJaakob zuerst den Schleier hob und machte ein Vermächtnisdaraus zu der Stunde?"

Cs war Lea!"

Ja, m Wirklichkeit. Aber in Wahrheit war's Rahel. Leawar nur verkleidet darin, aber des Kleides Herrin war Rahel,und sie hat es verwahrt, bis sie starb, einen Feldweg vonEphron. Da sie aber starb, wo ist sie?"

Wo Lehm ihre Speise ist."

Ja, in Wirklichkeit. Aber die Wahrheit ist anders. Weißtdu nicht, daß es des Todes Kraft ist, die Beschaffenheit zuverändern, und daß Rahel dem Jaakob lebt in anderer Be-schaffenheit ?"

Rüben stutzte.

Ich und die Mutter sind eins", sagte Joseph.Weißt dunicht, daß Mami's Gewand auch des Sohnes ist und daß sie'stragen im Austausch, der eine an Stelle des andern? Nennemich, und du nennst sie. Nenne das Ihre, und du nennst dasMeine. Also, wes ist der Schleier?"

Er hatte in durchaus bescheidener Haltung gesprochen,schlicht dastehend, mit niedergeschlagenen Augen. Aber nach-träglich, nachdem er schon ausgeredet, schlug er plötzlich denBlick groß und offen zu dem des Bruders auf: nicht so, daßer sich eingreifend in diesen versenkt und gedrängt hätte, sonderner bot sich eben nur still und offen zum Hineinschauen dar, das