Schulter spürte, und strich einmal leicht und sozusagen heimlichdamit über des Bruders Kopf.
Jehuda, drei Jahre jünger als Rüben, nicht weniger hoch-gewachsen, aber etwas rundrückig und mit einem Leidengzugum Nüstern und Lippen, war im Mantel, unter dem er dieHände verbarg. Er trug eine anliegende Mütze, die sein Haar,rotbraun wie der volle Spitzbart, der schmal über den roten,gepolsterten Lippen abwärtslaufende Schnurrbart, mähnen-haft reichlich hervorquellen ließ. Diese Lippen zeugten vonSinnlichkeit, aber die seingebaute, gebogene und dennochflach darauf niedergehende Nase drückte eine witternde Geistig-keit aus, und in den großen, schwerlidrigen und spiegelnd her-vortretenden Hirschaugen lag Melancholie. Juda war damals,wie mehrere seiner Brüder und Halbbrüder, schon ehelich be-weibt. So hatte Rüben eine Tochter des Landes erworben undmit ihr dem Gotte Abrahams mehrere Kinder gezeugt, denKnaben Hanoch zum Beispiel und den Knaben Pallu, dieJaakob zuweilen auf den Knien schaukelte. Schimeon hattesich eine aus Schekem als Beute hinweggeführte Bürgers-tochter namens Buna zu eigen gemacht, Levi ein jahugläu-biges Mädchen geheiratet, das für eine Enkelin Ebers galt,Naphtali ein junges Weib, dessen Herkunft Jaakob etwaskünstlich von Nahor, dem Bruder des Chaldäers, ableitete, undDan einfach eine Moabiterin. Lauter religiös einwandfreieHeiraten waren nicht öurchzuführen gewesen, und was Judaanlangte, so hakte der Vater froh sein müssen, daß er Über-haupt in fleischlichen Dingen durch eine Heirat zu einiger Be-festigung und Beruhigung gelangt war, denn sein Geschlechts-leben hatte von jungauf ein wirres und schmerzliches Geprägegetragen. Er stand mit Astaroth auf unvergnügt-gespanntem