Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
121
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Brüder. Auch sie werden niederfallen, oder Loch nahe daransein, wenn sie den Knaben sehen werden in ihrer Mutter Fest-kleid. Geh nur recht schleunig und zeige dich ihnen, den Nichts-ahnenden, die nicht an Böses noch Gutes denken und noch nichtwissen, daß der Herr dich erkor! Du solltest auch über Landgehen und dich den Rotäugigen zeigen, Lea's Sechsen, daß duvernimmst ihren Jubelruf und an dein Ohr schlage ihrHosianna."

Fast unwahrscheinlich zu sagen, aber Joseph empfand nichtdie dick aufgetragene Bitterkeit und Tücke in den Worten derFrauen. Sein Erfülltsein, seine kindliche und nichtsdestowenigersträfliche Vertrauensseligkeit machten ihn taub dagegen undunempfänglich für Warnung. Er ließ sich die Süßigkeit ihrerReden gefallen, überzeugt, daß nichts anderes als Süßes ihmzukomme, und ohne daß er sich die geringste Mühe gegebenhätte, in ihr Inneres zu schauen. Das aber eben war dasSträfliche! Gleichgültigkeit gegen das Innenleben der Men-schen und Unwissenheit darüber zeitigen ein völlig schiefesVerhältnis zur Wirklichkeit, sie erzeugen Verblendung. SeitAdams und Heva's Tagen, seit aus Einem Zweie wurden, hatniemand leben können, der sich nicht in seinen Nächsten ver-setzen wollte und seine wahre Lage erkunden, indem er sie auchmit fremden Augen zu sehen versuchte. Einbildungskraft undKunst des Erratens in bezug auf das Gefühlsleben der ande-ren, Mitgefühl also, ist nicht nur löblich, sofern es die Schran-ken des Ich durchbricht, es ist auch ein unentbehrliches Mittelder Selbsterhaltung. Von diesen Regeln aber wußte Josephnichts. Seine Vertrauensseligkeit war eine Art von Verwöh-nung, die ihn trotz unzweideutigster Gegenzeichen beredete, daßalle Menschen ihn mehr liebten denn sich selbst und daß er also