vergessen, daß es ein Traum ist, damit ich mich recht ergötze.Sobald ich mich aber fürchte oder mir heiß und kalk wird,will ich mich erinnern, daß alles ja nur geträumt ist, was duerzählst. Das wird mir den Sinn kühlen, so daß ich keinerleiStörung verursache."
„Es träumte mir", begann Joseph, „daß ich auf dem Feldesei bei der Herde und war allein unter den Schafen, die weide-ten um den Hügel, auf dem ich lag, und an seinen Hängen.Und ich lag auf dem Bauche, einen Halm im Munde, undhatte die Füße in der Luft, und meine Gedanken waren nach-lässig wie meine Glieder. Da geschah es, daß ein Schatten sielaus mich und meinen Ort, wie von einer Wolke, die die Sonneverdunkelt, und ein Rauschen gewaltiger Art geschah zugleichdamit in den Lüften, und als ich aufblickte, siehe, da war's einAdler, der über mir klafterte ungeheuer, wie ein Stier sogroß und mit Hörnern des Stiers an der Stirn, — der war's,der mich beschattete. Und war um mich ein Tosen von Windund Kraft, denn schon war er über mir, packte mich an denHüften mit seinen Fängen und raubte mich empor von derErde mit schlagenden Fittichen, mitten aus meines VatersHerde."
„O Wunder!" warf Benjamin ein. „Nicht, daß ich michfürchtete, aber riefst du denn nicht: ,Zu Hilfe, ihr Leute!'?"
„Aus drei Gründen nicht", versetzte Joseph. „Denn erstenswar niemand da auf dem weiten Felde, mich zu hören; zumzweiten verschlug's mir den Atem, daß ich nicht hätte rufenkönnen, wenn ich gewollt hätte, und drittens wollte ich nicht,sondern eine große Freude war in mir, und es kam mich an, alshätte ich'g längst erwartet. Der Adler hielt mich an den Hüftenvon hinten und hielt mich vor sich mit seinen Klauen, seinen