Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

nicht, oder nur sehr selten, schwankte und wankte. Wievieldes Segens, der Zuträglichkeit und der Güte!

Allein, wie ein Mann, der einen Feind erschlägt, wohldurch den Sieg dessen Eigenschaften den seinen hinzufügk,so hatte Gott, wie es schien, indem er das Chaosungeheuerspaltete, dessen Wesen sich einverleibt und war vielleicht erstdadurch ganz und vollkommen geworden, erst dadurch zurvollen Majestät seiner Lebendigkeit erwachsen. Der Kampfzwischen Licht und Finsternis, dem Guten und Bösen, demSchrecknis und der Wohltat auf Erden, war nicht, wieNimrods Leute glaubten, die Fortsetzung jenes Mardug-Kampfes gegen Tiamat; auch die Finsternis, das Böse unddas unberechenbar Schreckliche, auch das Erdbeben, derknisternde Blitz, der Heuschreckenschwarm, der die Sonneverdunkelte, die sieben bösen Winde, der Skaub-Abubu, dieHornissen und Schlangen waren von Gott, und hieß er derHerr der Seuchen, so darum, weil er zugleich ihr Senderwar und ihr Arzt. Er war nicht das Gute, sondern das Ganze.Und er war heilig! Heilig nicht vor Güte, sondern vorLebendigkeit und Überlebendigkeit, heilig vor Majestät undSchrecklichkeit, unheimlich, gefährlich und tödlich, so daß einVersehen, ein Fehler, eine leichte Unachtsamkeit im Ver-halten zu Ihm entsetzliche Folgen haben konnte. Er warheilig; aber er verlangte auch Heiligkeit, und daß er sie durchsein bloßes Dasein verlangte, gab dem Heiligen einen größe-ren Sinn als nur den der Gefährlichkeit; die Vorsicht, zu derer mahnte, wurde dadurch zur Frömmigkeit und Gotteslebendige Majestät zum Maßstab des Lebens, zur Quelledes Schuldgefühls, zur Gottesfurcht, die ein Wandeln warin Reinheit vor Gottes Größe.