Schönheit über die Eigenschaft des offenbar Unpraktischentriumphiert und unbedingte Gefühlswirksamkeit bewährt,sind in der Minderheit, kommen aber nachweislich vor.Hier tritt das Moment der Jugend ins Spiel, also einZauber, den das Gefühl mit Schönheit zu verwechseln sehrgeneigt ist, so daß Jugend, wenn nicht gar zu störende Ge-brechen ihre Anziehung lähmen, meistens einfach als Schön-heit empfunden wird — und zwar auch von ihr selbst, wie ihrLächeln unmißverständlich bekundet. Ihrer ist die Anmut:eine Erscheinungsform der Schönheit, die ihrer Natur nachzwischen dem Männlichen und Weiblichen eine schwebendeMitte hält. Ein Jüngling von siebzehn ist nicht schön imSinne vollkommener Männlichkeit. Er ist auch nicht schönim Sinne einer bloß unpraktischen Weiblichkeit — die wenig-sten würde das anziehen. Aber so viel ist zuzugeben, daßSchönheit als Jugendanmut seelisch und ausdrucksweiseimmer ein wenig ins Weibliche spielt; das liegt in ihremWesen, ihrem zarten Verhältnis zur Welt und dem Verhältnisder Welt zu ihr begründet und malt sich in ihrem Lächeln.Mit siebzehn, das ist wahr, kann einer schöner sein als Weibund Mann, schön wie Weib und Mann, schön von beidenSeiten her und auf alle Weise, hübsch und schön, daß eszum Gaffen und Sichvergaffen ist für Weib und Mann.
So war es mit Rahels Sohn, und darum heißt es, daßer der Schönste war unter den Menschenkindern. Das wareine übertreibende Lobpreisung, denn seinesgleichen gab undgibt es die Menge, und seit der Mensch nicht mehr dasAmphibium oder Reptil spielt, sondern seinen Weg zumKörperlich-Göttlichen schon recht weitgehend verfolgt hat,ist es nichs Ungewöhnliches, daß ein Siebzehnjähriger so