den Schnupftüchern zn und tauschten Umarmungen ausoffenem Markt; da flogen an den Flaggenstangen dieFahnentücher empor...
Aber am nämlichen Tag traf auf Schloß „Eremi-tage" die Botschaft ein, daß Raoul Überbein sich entleibthabe.
Das war eine nichtswürdige, ja läppische Geschichte,die wiederzugeben nicht lohnen würde, wenn nicht ihrEnde so gräßlich gewesen wäre. Die Schuldfrage scheidehier aus. An des Doktors Grabe bildeten sich zwei Par-teien. Erschüttert durch seine Verzweiflungstat, behaup-teten die Einen, man habe ihn in den Tod getrieben; dieAndern erklärten achselzuckend, daß sein Benehmen un-möglich und hirnverbrannt, seine Maßregelung durchausgeboten gewesen sei. Das stehe dahin. Auf jeden Fallrechtfertigte eigentlich nichts einen tragischen Ausgang; ja,es war für einen Mann von den Gaben Raoul Überbeinseine vollkommen unwürdige Gelegenheit, zugrunde zugehen ... Es folgt die Geschichte.
Zu Ostern vorigen Jahres war der Ordinarius derzweitobersten Klaffe unseres humanistischen Gymnasiums,ein Herzkranker Mann, auf Grund seines körperlichenLeidens zeitlich quieSziert worden, und trotz DoktorÜberbeins verhältnismäßiger Jugend, einzig in Ansehungseines beruflichen Eifers und seiner unleugbar bemerkens-werten Erfolge im mittleren Klassendienst hatte man ihmdas vorerst erledigte Ordinariat übertragen. Ein guterGriff, wie sich gezeigt hatte; denn nie waren die Leistungender Klasse ihren diesjährigen gleichgekommen. Der beur-laubte Professor, übrigens ein beliebter Kollege, war, wohl