an ihren Bruder heran und sagte: „Du. hast uns abervernachlässigt in letzter Zeit, Klaus Heinrich."
Ditlindens herzförmiges Gesicht mit den GrimmburgerWangenknochen war nicht ganz so durchsichtig mehr, eshatte ein wenig mehr Farbe gewonnen seit der Geburtihres Töchterchens, und ihr Haupt schien weniger schweran der Last ihrer aschblonden Flechten zu tragen.
„Habe ich euch vernachlässigt?" sagte er. „Ja, ver-zeih, Ditlinde, es mag wohl sein. Aber ich war so sehrin Anspruch genommen, und dann wußte ich ja, daß auchdu es bist, denn nun Haft du ja nicht mehr nur deineBlumen zu warten."
„Ja, die Blumen sind aus der Herrschaft verdrängt,sie machen mir nicht viele Gedanken mehr. Es ist nunein schöneres Leben und Blühen, das mir zu schaffenmacht, und ich glaube, ich habe so rote Backen davonbekommen, wie mein guter Philipp von seinem Torf (vondem er während des ganzen Frühstücks gesprochen hat,was ich nicht loben will, aber es ist seine Leidenschaft).Und da ich so wohl beschäftigt und ausgefüllt war, so binich dir auch nicht gram gewesen, daß du dich nicht sehenließest und deine eigenen Wege gingst, wenn sie mir auchein bißchen verwunderlich waren ..."
„Kennst du denn meine Wege, Ditlind?"
„Ja, leider nicht von dir. Aber Jettchen Jsenschnibbehat mich auf dem Laufenden gehalten — du weißt, sieist stets unterrichtet — und anfangs war ich heftig er-schrocken, das leugne ich nicht. Aber schließlich wohnensie ja auf,Delphinenorck, und er hat einen Leibarzt, undPhilipp meint auch, in ihrer Art seien sie ebenbürtig. Ich